Schmidts Streamingtipps KW 07

von Film-Experte Florian Schmidt

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Er weiß immer, wo die besten Filme laufen - Klassik Radio Film-Experte Florian Schmidt. Für Ihr Wochenende hat er seine Filmtipps für Sie zusammengefasst.
„Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ war mit fast fünf Millionen Zuschauern einer der erfolgreichsten deutschen Kinofilme der 80er Jahre. Jetzt gibt es das Ganze nochmal als Serie zu sehen, als fast achtstündiges TV-Epos. Musikalisch aufgepeppt und in die Jetztzeit versetzt, stilistisch und von der Ausstattung her allerdings Ende der 70er angesiedelt. Ein bewusst eingesetzter Anachronismus der Serien-erfahrenen Drehbuchautorin Annette Hess (u.a. „Weißensee“) und Regisseur Philipp Kadelbach (u.a. „Unsere Mütter, unsere Väter“).



Im Gegensatz zu Uli Edels Kinofilm setzt diese Serien-Version nicht allein auf Abschreckung, sondern thematisiert auch die Ursachen, Wirkung und Folgen der Drogenabhängigkeit. Etwas zu vorhersehbar und etwas zu lang, aber dafür mit einem herausragenden jungen und bisher weitgehend unbekannten Schauspiel-Ensemble. „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ ist bei Amazon Prime zu sehen.

DER deutsche Erfolgsfilm 2020

Fesselnd von der ersten bis zur letzten Minute. Der Neuverfilmung „Berlin Alexanderplatz“ gelingt es, den Romanklassiker von Alfred Döblin aus dem Jahr 1929 ins Hier und Jetzt zu katapultieren. Und so wird aus Franz Biberkopf der afrikanische Flüchtling Francis, der nach seiner Flucht in Berlin landet und sich dort durchkämpft.



Ein berührendes, bildgewaltiges und hochaktuelles Drama mit Newcomer Welket Bungué, dem doppelten-Filmpreis-Gewinner Albrecht Schuch und einer furios aufspielenden Jella Haase. „Berlin Alexanderplatz“ wurde schon auf der letztjährigen Berlinale frenetisch gefeiert und räumte fünf Lolas beim Deutschen Filmpreis ab. Jetzt bei Netflix zu sehen.

Doku-Tipp (1) Fakten statt Fake News

„Bellingcat“ heißt nicht nur diese Dokumentation, sondern auch ein internationales Recherchenetzwerk, das Propaganda analysiert, die als Wahrheit verkauft wird, das Fakten ans Tageslicht bringt und als leuchtendes Beispiel für einen wegweisenden Investigativ-Journalismus gilt.



„Bellingcat“ geht gegen Geheimniskrämerei von Staaten und Unternehmen vor und liefert seit Gründung im Jahr 2014 teilweise bahnbrechende Enthüllungen. Filmemacher Hans Pool war der erste, der Bellingcat in Deutschland, den Niederlanden, Finnland und den USA exklusiv begleiten durfte – seine Doku liefert verblüffende Erkenntnisse und wurde 2019 mit dem Emmy Award ausgezeichnet. „Bellingcat“ ist bis Mitte März in der ARTE Mediathek zu sehen.

Doku-Tipp (2) Murdoch: Medien-Mogul & Machtmensch

Ebenfalls dort ist die Doku „Der Aufstieg der Murdoch-Dynastie“ zu sehen über Rupert Murdoch, den einflussreichsten Mann der Medienwelt. Mit THE SUN wetterte er gegen die EU und trieb den Brexit voran. Ebenso machte er FOX NEWS zum Haus- und Hof-Sender Donald Trumps und lies ihn ebenso fallen nach seiner Niederlage.



Die dreiteilige Dokureihe „Der Aufstieg der Murdoch-Dynastie“ in der ARTE Mediathek schildert Murdochs Weg von seinen Anfängen in der australischen Regionalpresse bis an die Spitze eines global agierenden Familienimperiums und sie zeigt, wie geschickt er seinen Medienkonzern aufbaute und damit die Weltpolitik beeinflusste.

Doku-Tipp (3) Baldwin, Bürgerrechtsbewegung, Black-Lives-Matter

Mit seinem sehr bewegenden und auch verstörenden Porträt von Schriftsteller und Aktivist James Baldwin schob Regisseur Raoul Peck 2016 eine größere Wiederentdeckung von Baldwins vielfältigem Werk an. In "I Am Not Your Negro" brennt sich Baldwin vor allem als einzigartiger Redner ins Gedächtnis ein. Diese überaus sehens- und lohnenswerte Doku spannt den Bogen von der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung der 1950er und 60er Jahre bis zur Black-Lives-Matter-Bewegung der Jetztzeit.



Der Oscar-nominierte Dokumentarfilm „I Am Not Your Negro“ ist in der Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung zu sehen. Wo übrigens etliche tolle Dokus abrufbar sind.

Serien-Empfehlung (1) Geschliffene Dialoge, spannende Fälle

Ich hab in den letzten Jahren immer wieder gerne mal einen Film aus der ZDF-Krimireihe „Kommissarin Heller“ gesehen, mit Lisa Wagner in der Hauptrolle. Sie spielte Theater (Bayrisches Staatsschauspiel), war in diversen „Tatort“-Folgen dabei und ist hier als zielstrebige, aber innerlich zerrissene und höchst einzelgängerische Ermittlerin gesehen.



Die zehnte und letzte Folge von „Kommissarin Heller“ lief vor kurzem; insofern also der beste Anlass, sich alle Folgen nochmal oder zum ersten Mal in der ZDF-Mediathek anzuschauen. Die Fälle sind teilweise wirklich spannend und packend und auch die Dialoge sind im Gegensatz zur mittelmäßigen Dutzendware anderer Fernseh-Krimis geschliffen und präzise.

Serien-Empfehlung (2) Besser als Bond

In Großbritannien war die BBC-Serie „Bodyguard“ vor drei Jahren ein großer Überraschungserfolg, davon konnte man sich danach schon bei Netflix überzeugen und wer „Bodyguard“ bisher verpasst hat, sollte das schleunigst ändern, denn jetzt ist die Serie in der ZDF-Mediathek zu sehen. Es geht um einen Ex-Soldaten mit posttraumatischer Belastungsstörung, der zum Leibwächter der Innenministerin ernannt wird.



Wer ist gut und wer böse? Das ist hier die Frage und die Serie "Bodyguard" lässt das lange offen… Der „Game of Thrones“-Star Richard Madden spielt den titelgebenden Bodyguard – und zwar so gut, dass er dafür zu Recht mit einem Golden Globe ausgezeichnet wurde. „Spannender als die letzten drei Bond-Filme zusammen“, hat die SZ damals über „Bodyguard“ geschrieben – und das kann man wirklich ganz dick unterstreichen. Fingernägel-belastende Spannung, viele gute Plot-Twists und von Anfang bis Ende rasant inszeniert. „Bodyguard“, als drei Spielfilmlange Episoden zu sehen in der ZDF Mediathek.

Serien-Empfehlung (3) „House of Cards“-Original

Lange vor David Finchers Remake mit Kevin Spacey gab es die englische Originalserie von Andrew Davies. In diesem britischen „Kartenhaus“ von 1990 spielt Ian Richardson den Mann mit dem trügerischen Charme, der zu allem bereit ist, wenn es um die Eroberung und Ausübung von Macht geht.



Es ist schön, dass wir nun die hierzulande weniger bekannte „House of Cards“-Vorlage der gleichnamigen amerikanischen Erfolgsserie entdecken können. Denn die überzeugt ebenfalls durch fiese Intrigenspiele, bösen Humor und eine Hauptfigur, die ihren skrupellosen Machtwillen hinter einem unscheinbaren Äußeren verbirgt. Die ersten beiden Staffeln des britischen "House of Cards" sind bei ARTE abrufbar.

Mehr zu Streamingmöglichkeiten und Heimkino-Erscheinungen hören Sie wieder nächste Woche Donnerstag ab 19 Uhr in unserer "Cinemashow" oder zum Nachhören in unserer Mediathek

(F.Schmidt

 

   

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