Schmidts Streamingtipps KW 35

von Cinema-Experte Florian Schmidt

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Er weiß immer wo die besten Filme laufen - Klassik Radio Cinema-Experte Florian Schmidt. Für ihr Wochenende hat er seine Filmtipps für Sie zusammengefasst.

Wenn Sie schon immer mal wissen wollten, von wem Ang Lees Kampfkunst-Film „Tiger & Dragon“ inspiriert wurde, dann müssen Sie sich "Ein Hauch von Zen", einen genial ausgestatteten und choreographierten Genre-Klassiker von 1971 unbedingt in der ARTE-Mediathek anschauen. In „Ein Hauch von Zen“ hat Regisseur King Hu vor allem Wert auf den Look des Films gelegt, auf die Inszenierung, auf die Kameraarbeit und die Schnitttechnik, auf die atemberaubend eingefangene Landschaft und die legendären Kampfszenen, die interessanterweise erst nach einer knappen Stunde beginnen. Vorher werden wir, ähnlich wie bei Sergio Leones „Spiel mir das Lied von Tod“ langsam und auch lange ohne Dialoge, in die Filmwelt eingeführt. Überhaupt ist dieser Film ungemein stimmungsvoll und selten lässt sich so eine akribische Aufmerksamkeit für die Details beobachten wie hier. 

Mutter aller Martial-Arts-Filme

„Ein Hauch von Zen“ ist allein durch den 25 Tage lang gedrehten Kampf im Bambus-Wald sehenswert. Diese legendäre Szene hat übrigens Ang Lee dann mehr oder weniger nachgestellt in seinem Film „Tiger & Dragon“.


„Visionär“ ist fast noch untertrieben für diesen Film, an dem King Hu mit sehr begrenzten Mitteln drei Jahre lang gearbeitet hat – von 1968-1971. Wenn Sie sich für Martial-Arts, für Schwertkampf-Filme interessieren, dann werden Sie diesen Klassiker garantiert genießen. Sie müssten nur schnell sein, denn diese Kung-Fu-Ballett-Peking-Oper-Kampfkunst-Delikatesse ist nur noch bis Samstag in der ARTE Mediathek zu sehen.

Doku "The Cleaners"

Ein sehr großes Thema ist schon seit Jahren, dass Fake-News, Hass und noch viel schlimmere Dinge über Facebook, YouTube, Twitter & Co. verbreitet werden. Doch wie will man 500 Stunden Videomaterial kontrollieren, das allein bei Youtube in jeder Minute hochgeladen wird?  Diese Frage beantwortet die schockierende Dokumentation „The Cleaners“. Löschen oder ignorieren – jeden Tag – bis zu zehn Stunden lang. Das ist die Arbeit sogenannter Content Moderatoren auf den Philippinen. Tausende junge Menschen sitzen hier vor Rechnern und filtern Inhalte aus unseren sozialen Netzwerken. Die Dokumentation „The Cleaners“ deckt das große Geheimnis der Menschen auf, die jeden Tag stundenlang unsere sozialen Netzwerke kontrollieren und teilweise schockierende Bilder und Videos ertragen müssen. Sehr sehenswert und ganz schön erschütternd. Zu sehen auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung.

Silberner Löwen-Gewinner "Foxtrot"

„Ich widme diesen Film allen Menschen, denen es vergönnt ist, gesund und sicher aus einem Kriegseinsatz zurückzukehren. Diese Menschen tragen die Erinnerung an den Krieg ein Leben lang mit sich. Sie arbeiten, sie heiraten, sie haben Kinder, aber die Kriegserlebnisse sind in ihre Seelen gebrannt.” Das hat der israelische Regisseur Samuel Maoz [Maos] mal gesagt. Er selbst war als 20-jähriger Soldat Panzerschütze im Libanon-Krieg gewesen – und hat seine traumatischen Erlebnisse ein Vierteljahrhundert später in seinem Regiedebüt „Lebanon“ verarbeitet. Acht Jahre nach seinem Erstling – hat er den Film „Foxtrot“ gedreht. Und auch mit diesem Film sorgte in seiner Heimat Israel für Furore und Empörung – und im Rest der Welt für viel Begeisterung.
In „Lebanon“ hatte Maoz den Libanon-Krieg von 1982 aus einer klaustrophobischen Perspektive gefilmt – aus dem Innern eines Panzers. Auch in seinem Film „Foxtrot“ steht die israelische Armee erneut im Fokus – und wieder gab es einen Erfolg beim Filmfestival in Venedig – „Foxtrot“ wurde dort mit dem Großen Preis der Jury, dem Silbernen Löwen ausgezeichnet.  „Foxtrot“ ist noch bis Dienstag in der ARTE Mediathek zu sehen.

Keira Knighley als Whistle-Blowerin

Kriege sind immer eine schreckliche Sache und der Irak-Krieg 2003 war mit seinen hunderttausenden Toten sicherlich einer der unnötigsten Konflikte, die es jemals gegeben hat. Dabei basierte alles auf einer Lüge – nämlich der, dass Saddam Hussein im Besitz von biologischen und chemischen Massenvernichtungswaffen sei. Kurz vor dem Krieg riskierte die Britin Katherine Gun alles, um die Invasion abzuwenden. Sie leakte ein geheimes Dokument an die Presse. Diese wahre, packende und mutige Geschichte wurde mit Keira Knightley in der Hauptrolle verfilmt. "Official Secrets" ist jetzt bei Netflix zu sehen.

Unterhaltsame Superhelden-Sause

Und wenn Sie nach all dieser doch eher harten Kost einfach mal Lust auf einen unterhaltsamen und lustigen Couchabend haben, dann versuchen Sie es mal mit dem maritimen Weltenretter „Aquaman“, ein unbeschwert-charmanter Superheld – der ebenfalls bei Netflix läuft.

Und apropos Netflix: mit dem Musical "Diana" wird die erste Broadwayproduktion ihre Premiere beim Streamingdienst Netflix feiern, bevor sie jemals am Theater gespielt wurde. Wir haben zuerst uns und dann den Intendanten der Deutschen Oper Berlin gefragt, ob das auch für Opern denkbar wäre? Hier gibt es seine Antworten.

(F. Schmidt)
 

 

   

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