Schmidts Streamingtipps KW 48

von Film-Experte Florian Schmidt

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Er weiß immer, wo die besten Filme laufen - Klassik Radio Film-Experte Florian Schmidt. Für Ihr Wochenende hat er seine Filmtipps für Sie zusammengefasst.
“Der vielleicht größte Fußballer der Welt ist tot, aber er war so viel mehr als ein Sportler.” Das schreibt der SPIEGEL zum überraschenden Tod von Diego Armando Maradona. Ihn spielen zu sehen war tatsächlich immer ein Ereignis und die “Hand Gottes” ist längst legendär geworden. Wer das Idol unzähliger Jugendlicher nochmal reden und vor allem spielen sehen möchte, dem sei die Doku „Diego Maradona“ von Asif Kapadia sehr empfohlen. Lässt sich als DVD erwerben oder bei Amazon Prime schauen. Und das ist das vielleicht schönste Gedenken an diesen großen kleinen Mann und sein bewegtes Leben. Für mehr Maradona-Stoff gibt es bei Netflix die siebenteilige Mini-Serie „Maradona in Mexico“ und in der ARTE Mediathek die 1 ½-stünfige Doku „Maradona – der Goldjunge“.

Eben noch im Kino, jetzt schon in der ARD

Von dem mit 60 viel zu früh gestorbenen Fußball-Gott zur mittlerweile 17-jähigen Greta Thunberg. In der ARD-Mediathek ist die ebenfalls 90 Minuten lange und sehr eindrucksvolle Doku „I am Greta“ von Filmemacher Nathan Grossmann zu sehen. Der hat die Schwedin vom Tag 1 ihres Schulstreiks am Stockholmer Parlament an begleitet und zeichnet ein sehr interessantes Porträt – man sieht einerseits die kämpferische, engagierte Umweltschützerin und Klimaaktivistin, andererseits aber auch, wie dieses junge Mädchen an ihrer Rolle als unfreiwillige Ikone zu zerbrechen droht.

Matthias Brandt in True-Crime-Miniserie

Ebenfalls in der ARD-Mediathek steht jetzt schon die Thrillerserie „Das Geheimnis des Totenwaldes“ bereit. Die läuft in der nächsten Woche als Dreiteiler im Ersten, ist online aber schon jetzt in sechs Teilen zu sehen. Es ist die Geschichte eines Kriminalfalls, der nahezu dreißig Jahre lang ungelöst blieb, von der zunehmend verzweifelten Suche eines Bruders nach seiner Schwester und vom Leid der Angehörigen.



Der eigentlich immer beeindruckend gute Matthias Brandt spielt diesen Bruder, der ein reales Vorbild hat: den früheren Hamburger LKA-Chef Wolfgang Sielaff, der auch nach seiner Pensionierung viele Jahre lang weiterermittelte. Eine ungemein packende, dramatische und spannende Mini-Serie, auch wenn über die Auflösung des Falls schon oft berichtet wurde.

Schwedische Liebesgeschichte - erfrischend anders

Wer statt schwieriger Thematik eher nette Unterhaltung wünscht, schaut sich die schwedische Serie „Liebe und Anarchie“ bei Netflix an. Acht Folgen, jeweils eine halbe Stunde lang. Kann ich sehr empfehlen, ist sehr frisch und amüsant erzählt.

Es geht um eine Beraterin – Ende 30, die einen etwas eingestaubten Literaturverlag modernisieren, optimieren, auf Vordermann bringen soll – und die sich in den jungen IT-Experten, Anfang 20, verguckt. Die beiden kommen sich näher, indem sie sich jeden Tag eine neue Aufgabe stellen, z.B. den ganzen Tag lang rückwärtsgehen oder eine langweilige Konferenz irgendwie aufpeppen. Das ist sehr charmant und lustig inszeniert – und mit wunderbaren Schauspielern, bin in die Nebenrollen besetzt. Wer also Lust auf eine etwas andere Liebesgeschichte hat, sollte mal reinschauen in „Liebe und Anarchie“.

Ron Howard hat die Oscars im Blick

Es gibt Neues von Oscar-Preisträger Ron Howard. Er ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Regisseure dank Filmen wie „A Beautiful Mind“, „Frost / Nixon“ oder Dan Brown-Verfilmungen wie „The Da Vinci Code“ oder „Illuminati“, hat aber z.B. auch die Doku „Pavarotti“ gedreht. Sein neuer Film heißt „Hillbilly Elegy“ und ist eine Netflix-Eigenproduktion, die eigentlich wieder zwei Wochen in den Kinos hätte laufen und sich damit auch für die Oscars qualifizieren sollen… Vor allem Glenn Close und Amy Adams haben bei ihrem Spiel den Goldjungen im Blick, was leider nicht immer vorteilhaft ist.



Amy Adams als drogensüchtige Mutter - spielt leider etwas zu durchgeknallt und übertrieben - und Glenn Close als zupackende Oma. „Hillbilly Elegy“ erzählt die wahre Geschichte von J.D. Vance, der es aus ärmlichen Verhältnissen in Ohio an die Elite-Uni von Yale geschafft hat und nun wieder mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird. Das ist leider nur teilweise gelungen umgesetzt; in vielen Momenten wirkt dieser Film über das amerikanische Hinterland zu platt und eindimensional. Kann man schauen, muss man aber nicht.

Krimi-Kammerspiel von Daniel Kehlmann

Daniel Kehlmanns Romane „Ich und Kaminski“, „Die Vermessung der Welt“ oder auch „Ruhm“ sind Bestseller. In den letzten drei Jahren ist der Autor verstärkt auch in der Theater- und Filmwelt in Erscheinung getreten. Im nächsten Jahr kommt Detlev Bucks Thomas-Mann-Verfilmung „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ in die Kinos – hoffentlich! - dafür hat Kehlmann genauso das Skript geschrieben wie für den Film „Das Verhör in der Nacht“. Der basiert auf seinem eigenen Theaterstück "Heilig Abend". Wie die Vorlage spielt nun auch der Fernsehfilm am Weihnachtsabend.

Ein Polizist und eine Terrorverdächtige – mehr braucht es nicht für dieses 2-Personen-Stück, für dieses Krimi-Kammerspiel, in dem um große Themen geht, wie Freiheit, Sicherheit und Gewalt als Mittel. Eine Philosophieprofessorin wird auf dem Weg zum weihnachtlichen Familienessen aufgehalten und in ihrem Hotelzimmer verhört. Sie soll einen Bombenanschlag mit ihrem Ex-Mann geplant haben. In den beiden einzigen Rollen dieses intellektuellen Schlagabtauschs sind Charly Hübner und Sophie von Kessel zu sehen, die auch schon in einer Theaterfassung mitgespielt hat. „Das Verhör in der Nacht“ ist jetzt schon sowohl in der ARTE- als auch in der ZDF-Mediathek zu sehen.

Weihnachtsfilme satt

Und zum Schluss noch ein kleiner Blick auf die Weihnachtsfilme. Bei Netflix gibt es ein ganzes Feuerwerk neuer Produktionen – so ist z.B. Country-Legende Dolly Parton als Engel im Film "Dolly Parton's Christmas on the Square“ zu sehen. Gut, das ist jetzt auch gleich die volle Dröhnung Kitsch und Moral, muss vielleicht nicht unbedingt sein. Ansonsten setzt der Streamingdienst auch auf Fortsetzungen eigener Weihnachtsfilme. So gibt es "The Christmas Chronicles: Teil zwei", in dem Santa Claus und Mrs Claus (das echte Hollywood-Paar Kurt Russell und Goldie Hawn) mal wieder actionreich das Fest retten. Es gibt „ÜberWeihnachten“ eine der großen deutschen Eigenproduktionen des Streamingdienstes. In der Serie von Tobi Baumann spielt TV-Comedian Luke Mockridge einen erfolglosen Musiker, für den das Weihnachtfest im Kreis der Familie zum Albtraum wird.

Und ja, na klar – „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ist insgesamt in der Vorweihnachtszeit fast 20-mal zu sehen. Das Erste zeigt ihm am Ersten Advent um 14 Uhr. Und er ist natürlich auch bei diversen Streamingdiensten wie Netflix, Amazon Prime, TVnow und MagentaTV (in der Flatrate) verfügbar.

Mehr zu aktuellen Kinostarts, Streamingmöglichkeiten und Heimkino-Erscheinungen hören Sie wieder nächste Woche Donnerstag ab 18 Uhr in unserer "Cinemashow" oder zum Nachhören in unserer Mediathek

(F.Schmidt

 

   

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