Schmidts Streamingtipps KW 51

von Film-Experte Florian Schmidt

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Er weiß immer, wo die besten Filme laufen - Klassik Radio Film-Experte Florian Schmidt. Für Ihr Wochenende hat er seine Filmtipps für Sie zusammengefasst.
Am 4. Advents-Wochenende wäre es an der Zeit für all die Lieblings-Weihnachtsfilme, die jeder so hat – von „Tatsächlich Liebe“ über „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ bis zu „Der kleine Lord“. Aber es gäbe auch was Neues zu entdecken: in der ZDF-Mediathek ließe sich „Alle Nadeln an der Tanne“ schauen, mit drei sehr erfrischend und überzeugend spielenden Hauptdarstellern, nämlich Anna Loos, Marcus Mittermeier und Simon Schwarz.

Mittermeier spielt den Bruder von Loos, der nach einem Unfall an einem schweren Schädel-Hirn-Trauma leidet – Persönlichkeitsstörung und Suizidphantasien inklusive. Das Ganze driftet allerdings zum Glück nicht ins gefühlige Kitschgebiet ab, sondern ist zwar einerseits schon berührend, andererseits aber auch sehr witzig und lebensklug.

99% bei Rotten Tomatoes - Kritiker-Liebling 2020

Am Ende des Jahres veröffentlichen Kritiker ja regelmäßig ihre Jahresbestenlisten und in diesem Jahr gibt es einen Film, der bei den amerikanischen Kritikern fast durchweg auftaucht. Erstaunlich daran ist, dass es ein Dokumentarfilm ist – und doppelt erstaunlich: er ist aus Rumänien und gilt für viele als kommender Oscar-Gewinner in der Dokumentarsparte: „Colectiv“ heißt er und kann noch bis zum 22.12. in der ARD Mediathek gesehen werden, unter dem Titel: „Kollektiv – Korruption tötet“. Dass die amerikanischen Kritiker so begeistert waren, liegt daran, dass der Film auf diversen Festivals gelaufen ist.



Bukarest, Oktober 2015: Bei einem Feuer im Club "Colectiv" sterben 27 Menschen. Warum aber sterben danach so viele an nicht lebensbedrohlichen Verletzungen? Eine Sportzeitung deckt einen Skandal auf.Und diese Doku erzählt davon und zwar hautnah. Denn Filmemacher Alexander Nanau begleitet die Investigativ-Journalisten bei ihren Recherchen. „Kollektiv – Korruption tötet“ ist ein erschreckender wahrer Korruptions-Thriller.

Norwegische Krimi-Serie und Beethoven-Biopic

Ebenfalls sehenswert in der ARD Mediathek könnte die norwegische Krimi-Serie „Twin“ sein. Die läuft erst Anfang Januar linear im Ersten, ist aber ab morgen schon online zu sehen. In der Serie spielt Kristofer Hivju, bekannt durch seine Rolle als Tormund aus Game of Thrones, eine Doppelrolle. Er ist sowohl als Erik als auch Adam zu sehen, die sich zwar sehr ähnlich sehen, aber kaum unterschiedlicher sein könnten. Das Ganze spielt im klirrend kalten Surferparadies, den Lofoten, und soll atemberaubend aussehen und auch sehr spannend sein. Ich konnte leider noch nicht reinschauen, bin aber sehr gespannt.

Dasselbe gilt für die das Beethoven-Biopic, das jetzt ebenfalls schon ein paar Tage vor der Ausstrahlung am 25. Dezember in der ARD-Mediathek zu sehen ist - Niki Steins Film „Louis van Beethoven“. Die WELT schwärmt: „Der Film betreibt keine Denkmalpflege, er zeichnet das Porträt einer unruhigen Zeit. Und ist einer der besten Komponisten-Filme überhaupt.“ Große Vorfreude also auch hier.

Publikumsliebling in Sundance

Kommen wir zu zwei Filmen, die eigentlich ins Kino hätten kommen sollen, jetzt aber auf den beiden großen Streamingplattformen Amazon Prime Video und Netflix gelandet sind, was für uns immerhin den Vorteil hat, dass wir diese beiden Filme überhaupt in diesem Jahr sehen können.

Beginnen wir mit Alan Balls Coming-Out-Drama „Uncle Frank“, ein weiterer verhinderter Kinofilm, den nun Amazon Prime streamt. Alan Ball hat erfolgreiche Serien wie „Six Feet Under“ und „True Blood“ erfunden und für sein Drehbuch zu „American Beauty“ einen Oscar bekommen. Sein Film „Uncle Frank“ war DER Publikumsliebling des letzten Sundance-Festivals.



Der Film begleitet einen homosexuellen Literaturprofessor, der zusammen mit seinem geheimen Partner und seiner Nichte die lange Reise nach Hause antritt, um der Beerdigung seines Vaters beizuwohnen. Das Ergebnis ist eine berührende Mischung aus Familiendrama und Roadmovie mit einem großartigen Paul Bettany in der Hauptrolle des „Uncle Frank“.

Letzter Film von Chadwick Boseman

Und dann sehen wir den im August überraschend an Krebs gestorbenen „Black Panther“-Star Chadwick Boseman in seiner letzten Rolle…und zwar in der Netflix-Produktion „Ma Rainey's Black Bottom“. Boseman ist als aufstrebender Jazz-Trompeter zu sehen und gilt für einige Kritiker schon als einer der Topfavoriten auf den Oscar als Bester Hauptdarsteller. Ein schauspielerisch vielleicht noch größeres Ereignis ist allerdings Viola Davis als Südstaaten-Sängerin Ma Rainey, die mit mascarageschwärzten Augen und versilberten Zähnen ihre Plattenproduzenten aus Chicago in den Wahnsinn treibt.



„Ma Rainey's Black Bottom“ basiert auf einem Theaterstück von August Wilson und ist für alle Blues-, Jazz- und Chadwick Boseman-Fans absolutes Pflichtprogramm. Für alle anderen: ein großartig gespieltes und schnörkellos inszeniertes Musikdrama.

Zwei Regie-Genies bei ARTE

In der ARTE Mediathel gibt es wieder sehr viel interessantes Doku-Futter: „Sergio Leone - Spiel mir das Lied von Amerika“ erzählt von dem Regisseur, der lange Zeit vor allem als Erfinder des Italowestern berühmt war, der mittlerweile aber allgemeine Anerkennung in der Kinowelt genießt. Leone war Vorreiter des New Hollywood und – nach eigener Aussage – einer der "Paten" von Quentin Tarantino. Unveröffentlichte Tonaufnahmen und Erzählungen von Wegbegleitern lassen Stück für Stück die Persönlichkeit des Regisseurs sichtbar werden.

Und wer es lieber kauzig, verschroben und skurril mag, verbringt einen ganzen Tag in der ARTE Mediathek mit Aki Kaurismäki. Denn der Sender zeigt exklusiv online fünf Filme des finnischen Kult-Regisseurs: "Ariel", "Der Mann ohne Vergangenheit", "Wolken ziehen vorüber", "Das Mädchen aus der Streichholzfabrik" und "Das Leben der Bohème".

Mehr zu aktuellen Kinostarts, Streamingmöglichkeiten und Heimkino-Erscheinungen hören Sie wieder nächste Woche Donnerstag ab 18 Uhr in unserer "Cinemashow" oder zum Nachhören in unserer Mediathek

(F.Schmidt

 

   

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