Sind wir arbeitssüchtig?

Sind Sie ein Workaholic? Wir sagen es Ihnen.

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Waren unsere Klassik-Komponisten arbeitssüchtig? Über 1.000 Werke hat Johann Sebastian Bach geschrieben, Beethoven über 600 und Mozart auch. Echte Workaholics!
Der heutige „Tag der Workaholics“ ist eine gute Gelegenheit sich das Thema „Arbeitssucht mal genauer anzuschauen“. Viele leiden unter einer hohen Arbeitsbelastung, die schnell in eine ungesunde Richtung abdriften kann.

Gibt es die Arbeitssucht?

Um diese Frage zu beantworten, haben wir mit Prof. Tobias Esch gesprochen, Gesundheitsforscher und Allgemeinmediziner aus Witten. „Die Arbeitssucht als solche, als anerkannte Sucht gibt es nicht, weil wir keine allgemein gültige Definition haben“, sagt Esch. Da man aber eine „Sucht“ definieren kann, ist die Herleitung einer „Arbeitssucht“ im weitesten Sinne schon möglich. Aber ab wann spricht man dann überhaupt von einer Sucht?

Ab wann spricht man von Sucht?

Grundsätzlich gilt für alle Arten von Sucht, dass eine gewisse Dosis überschritten wird. Frei nach dem Sprich: Die Dosis macht das Gift. Dazu kommt, dass es mit einer Zwanghaftigkeit einhergeht. Wenn Sie nicht anders können, als die Tätigkeit auszuüben, oder eine bestimmte Sache zu konsumieren (sei es die Zigarette oder die Netflix-Serie), dann ist das schon ein Suchtverhalten. Wenn Sie dann auch noch Ihr Umfeld vernachlässigen, um der Sucht nachzugehen, sollten Sie ernsthaft über Ihr Verhalten nachdenken.

Anzeichen einer Arbeitssucht

Bei der Arbeitssucht verhält sich das ähnlich. Folgende Kriterien sind laut Prof. Esch klare Anzeichen: „Wenn jemand über lange Zeit deutlich und objektiv messbar erhöhte Arbeitszeiten hat. Das zweite Kriterium ist die Zwanghaftigkeit. Also kann ich aus dem Gefühl Arbeiten zu müssen aussteigen? Kann ich bewusst eine Pause machen? Wenn ich das Gefühl habe, dass ich das nicht kann - ich MUSS arbeiten - wäre das das Zweite, bei dem man sofort hellhörig werden muss. Und das Dritte ist: wenn ich ganz klar sagen kann, nein, es macht mir keine Freude, ich leide darunter. Dann ist das relativ eindeutig und man muss agieren und etwas ändern.“ Wenn man diese Anzeichen nun bei sich oder bei einem Mitmenschen erkennt, was kann man dann aber tun?

Wer im Stress versinkt, hat vielleicht auch nicht immer den richtigen Umgang mit den Kollegen parat. Dazu gibt es einen kleinen Büro-Knigge.

Was kann ich als "Workaholic" tun?

Wenn Sie bei sich selbst die oben genannten Suchtverhalten feststellen, steuern Sie bewusst dagegen. Tun Sie das schon bei den kleinsten Anzeichen, solange Sie noch die Energie haben.
„Es ist in der Regel ein schleichender Prozess. Wenn ich über einen chronischen Stress, über eine chronische Überbelastung meine Akkus leerfahre, dann fehlt mir irgendwann tatsächlich die Energie etwas zu ändern, obwohl ich inzwischen erkannt habe, dass ich etwas ändern müsste“, sagt Prof Esch.

Folgende Tipps können Sie befolgen:
  • Stellen Sie eine Sanduhr auf oder stellen Sie sich einen Wecker, der alle 30 Minuten klingelt und Sie daran erinnert, eine kurze Pause zu machen. Stehen Sie z. B. kurz auf, oder holen Sie sich etwas zu trinken oder atmen Sie ganz bewusst ein paar Mal ein und aus. Das entschleunigt. Und es ist zudem eine gute Kontrolle, denn wenn Sie es nicht mehr schaffen Pausen zu machen, dann sind das erste Warnzeichen.
  • Bewegen Sie sich ausreichend. 30 Minuten am Tag, an mindestens fünf Tagen die Woche ist ein MUSS. Um das besser zu planen, schreiben Sie sich einen Zeitplan. Das hilft, um die Bewegungseinheiten nicht zu vergessen.
  • Binden Sie Freunde, Kollegen und Familie mit ein. Geben Sie das Signal nach außen, dass Sie zugänglich sind. Sagen Sie ihrem Arbeitskollegen beispielsweise, dass er Sie erinnern soll, zusammen in die Mittagspause zu gehen, oder sagen Sie ihren Freunden, dass Sie das monatliche Treffen nicht absagen sollen, sondern es (so gut es geht) immer stattfinden soll. So können Sie sichergehen, dass Sie Ihre sozialen Kontakte nicht vernachlässigen.
Wenn Sie bemerken, dass sich ein Freund, Ihr Partner oder Arbeitskollege verändert, oder keine Zeit mehr hat und sehr viel arbeitet, sprechen Sie ihn darauf an! Mit einem freundlichen, empathischen „Hey, ich merke, dass Du aktuell sehr viel arbeitest. Schade, dass wir nicht mehr so viel Sport zusammen machen. Geht es Dir gut? Macht Dir die Arbeit noch Spaß“, können Sie viel bewirken und Denkanstöße für den betroffenen liefern.

Keine voreiligen Rückschlüsse ziehen!

Prof. Esch betont aber auch, dass es natürlich Phasen oder Projekte gibt, bei denen man einfach in einen „Flow“ gerät. Das heißt, dass man Zeit und Raum um sich herum vergisst und ganz in die Arbeit vertieft ist. Das ist gut so und kann viele kreative Prozesse in Gang setzen. Aber das sollte kein Normalzustand werden, sondern nur temporär sein. Ob das bei Johann Sebastian Bach und Ludwig van Beethoven ein Dauerzustand war?

Belastung bei Musikern

Auch Profimusiker sind von einer außerordentlichen Belastung in Ihrem Beruf betroffen. Ungewöhnliche Arbeitszeitung, hohe körperliche Belastung, beispielsweise durch schwere Instrumente, oder auch die hohe Geräuschbelastung im Orchestergraben. Wie für Sportler gibt es auch für Musiker Mediziner, die sich auf die körperlichen, aber auch psychischen Probleme von Profimusikern spezialisiert hat.
   

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