Stradivari und Co. für die Ewigkeit

Die Klänge von Meisterinstrumenten für immer konserviert

stradivari-und-co-für-die-ewigkeit © DeshaCAM
Eine Geige für die Ewigkeit zu konservieren, scheint eine unmögliche und auch unvorstellbare Aufgabe. Schließlich besteht sie aus Holz, einem vergänglichem Material und mit der Zeit verändert sich ihr Klang. Doch einer hat es geschafft und zwar der Hamburger Thomas Koritke, Experte für virtuelle Instrumente.
Um die Töne von Meisterinstrumenten einzufangen, ist Thomas Koritke extra nach Italien gereist, genauer nach Cremona, dem Ort, wo Geigenbaumeister wie Stradivari und Guarneri ihre Werkstätten hatten.

Eine ganze Stadt steht still

Die Aufnahmen wurden in einer kleinen Konzerthalle gemacht, die zum Museo del violino gehört. Das liegt mitten in der 70 000 Einwohnerstadt. Die Halle ist nicht für große Sinfonieorchester, sondern speziell für Soloauftritte oder auch kleine Kammerensembles designt. Rund um die Halle sind die Straßen mit Kopfsteinpflaster und genau hier gab es ein Problem. Die Konzerthalle ist nämlich nicht perfekt isoliert, wodurch Geräusche wie Autos und Hundebellen von draußen durch die empfindlichen Mikrophone eingefangen werden können. Doch nach der vielleicht etwas ungewöhnlichen Anordnung des Bürgermeisters musste die ganze Stadt für ein paar Stunden am Tag etwas leiser sein als sonst. Es fuhren keine Autos und es bellten fast keine Hunde. Es klappte sogar so gut, dass sich die Bürger wohl gegenseitig ermahnten still zu sein. 









Instrumente von Stradivari, Guarneri und Amati

Die Instrumente wurden vom Museum ausgewählt. Aus der Sammlung wurde eine Geige von Stradivari, die Vesuvius von 1727, eine zweite Geige von Guarneri von ca. 1734, eine Viola von Amati von 1615 und ein Cello von Stradivari von 1700 ausgewählt. Kriterien für die Auswahl der Instrumente waren zum einen die Qualität und für welche es sich am meisten lohnen würde, mit großem Aufwand digitalisiert zu werden.

Die Aufnahmen

Die Violine zum Beispiel wurde morgens aus der Ausstellung mit einer bewaffneten Wache in den Konzertsaal herunter zum Musiker gebracht. Dann wurde Stück für Stück eine Art Katalog abgearbeitet, von leise bis lauten Tönen, mit Vibrato und ohne Vibrato, um ganz viele verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten zu konservieren. Ist der Ausdruck musikalisch, gibt’s Störgeräusche, stimmt der Pitch - also die Tonhöhe - sind nur einige der Punkte, auf die geachtet wurde.

Ziel

Insgesamt hat das Team von Tonexperten und Musikern ganze 6 Terabyte aufgenommen. Das entspricht etwa 30 Milliarden Seiten Text, also eine ganze Menge Material, das jetzt in ca. 1 Jahr analysiert und bearbeitet werden soll. Denn das Ziel ist, ein Programm zu entwickeln, mit dem man am Computer mit diesen Tönen komponieren kann. Die Aufnahmen bilden eine Datenbank, die in eine Software übermittelt werden soll, mit der Musiker und Komponisten neue Werke komponieren können. So werden wir, beziehungsweise unsere Nachkommen, noch in 100 Jahren wissen, wie eine Stradivari klingt.

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