Szenenbildner Uli Hanisch: "Die ganze Welt zur Auswahl"

Ein Gespräch mit Szenenbildner Uli Hanisch

szenenbildner-uli-hanisch-die-ganze-welt-zur-auswahl © Anne-Lena Michels
Von "Babylon Berlin" über "Das Damengambit" bis zu "Das Parfum" - Er erweckt ganze Welten auf der Leinwand zum Leben: Uli Hanisch ist einer von Deutschlands erfolgreichsten Szenenbildnern.
Während seiner langjährigen Karriere hat er Kulissen für viele verschiedene deutsche und internationale Film- und Fernsehproduktionen erschaffen und wurde für seine Arbeit mehrmals mit dem deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Klassik Radio Cinema-Experte Florian Schmidt hat mit ihm über die Arbeit als Szenenbildner und seine zwei aktuellen Projekte „Babylon Berlin“ und „Das Damengambit“ gesprochen:

Was macht ein Szenenbildner?

„Die einfachste Definition ist eigentlich immer zu sagen, der Szenenbildner beim Film ist wie der Bühnenbildner im Theater. Das ist eine sehr vergleichbare Arbeit, die aber natürlich auf eine ganz andere Art und Weise umgesetzt wird. Der Bühnenbildner hat eben den festgelegten Raum im Theater, wo er sozusagen die Welt auf die Bühne holt und der Szenenbildner macht das genau anders herum, der hat sozusagen die ganze Welt zur Auswahl und macht die dann zur Bühne“, erklärt Hanisch. „Wir sind demnach eben nicht an einen festen Ort gebunden. Es gibt die klassischen Studiobauten, wo man Räume oder Architektur für einen Film nachbaut und ansonsten geht man natürlich sehr viel an Originalschauplätze.“

Wie entsteht so eine Kulisse?

Bei „Babylon Berlin“ bot sich Hanisch in Bezug auf das Erschaffen des Szenenbilds eine besondere Gelegenheit: „Wir haben für ‚Babylon Berlin‘ 2014 angefangen, uns mit dem Thema zu beschäftigen. Dann kam es eben zu der Zusammenarbeit mit dem Studio Babelsberg und die wollten eine permanente Außenkulisse bauen“, erzählt Hanisch.

Die permanente Außenkulisse ist in diesem Fall ein kleiner, nachgebauter Straßenzug innerhalb des Filmstudios, der es ermöglicht, Straßenszenen unter Studiobedingungen drehen zu können. Für Hanisch war das ein Jackpot: „Die wollten auch gerne eine historische Berliner Straße haben und da kamen wir mit ‚Babylon Berlin‘ genau zum richtigen Zeitpunkt um die Ecke. Da spielten sich sozusagen die gegenseitigen Interessen in die Hände.“ Der ungefähr 16.000 m² große Straßenzug mit gut 54 Fassaden wurde für Babylon Berlin erstmals genutzt und steht seitdem auch für andere Filmteams aus aller Welt zur freien Verfügung.

Wie sieht die Vorbereitung aus?

Um ein authentisches Szenenbild zu erschaffen, muss man sich natürlich im Vorhinein intensiv mit der Materie auseinandersetzen. Hanisch berichtet, wie sich dieser Prozess im Laufe der Zeit gewandelt hat: „Mittlerweile ist das natürlich durch das Internet erheblich vereinfacht. Wenn ich mir vorstelle, dass wir vor knapp 20 Jahren für ‚Das Wunder von Bern‘ noch Termine mit Fotoarchiven gemacht haben, über Wochen einzelnen Bildern hinterher gerannt sind und dann irgendwo ankamen, wo man sich nur Negative anschauen konnte, das war wahnsinnig mühsam. Das machen wir zum Teil natürlich immer noch, aber sehr viel passiert schon über das Internet. Wir sind über die Jahre natürlich auch erfahrener geworden und so sind wir mittlerweile ziemlich schnell.“

Bei „Das Damengambit“ liegt der Serie außerdem eine Romanvorlage zu Grunde, die Hanisch auch bei der Vorbereitung des Szenenbildes inspiriert hat. Ein fertiges Drehbuch, an dem man sich orientieren könnte, gäbe es zu dieser Zeit meistens noch nicht, da die Entwicklung des Szenenbildes in der Regel parallel zum Entstehen des Drehbuchs passiere, erläutert Hanisch.

Wie ist ein Szenenbildner an den Dreharbeiten beteiligt?

Für „Das Damengambit“ dauerten die Dreharbeiten in etwa hundert Tage und auch während dieser Zeit war Hanisch noch voll involviert: „Das kann man sich ganz einfach vorstellen. Wir liefern im Prinzip in jeder Drehwoche fast im Tagesrhythmus die neuen, fertigen Motive ab und gehen dann zum nächsten Drehort. Wir sind sozusagen wie die Vorhut beim Militär. Wir sind immer kurz vorher da, bauen dann unsere Sachen auf und wenn wir fertig sind, kommt das Drehteam und wir übergeben das sozusagen einmal kurz. Ich bin dann vielleicht aus Interesse noch eine Stunde bei den ersten Proben dabei und schaue, ob es noch Fragen oder letzte Eingriffe gibt. Die drehen dann in aller Ruhe weiter und wir gehen schon mal zur nächsten Baustelle vor.“

Das gesamte Gespräch mit Uli Hanisch und das Neuste aus Film und Fernsehen, inklusive der schönsten Filmmusik, hören Sie in der Cinemashow am Donnerstag, den 05. November 2020, von 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr mit Florian Schmidt

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(N. Meier)
   

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