Theater auf Hamburgs Dächern

"Niemand muss Angst haben, dass ein Cello auf seinem Kopf landet"

theater-auf-hamburgs-daechern © ksl
Dem Himmel so nah - das Thalia Theater in Hamburg nimmt das wortwörtlich und hat seine Bühne einfach in die Luft verlegt, genauer gesagt, auf die Dächer der Stadt.

Der Himmel als Kulisse

Dem Himmel so nah: das ist momentan das Ensemble des Thalia Theaters in Hamburg. Denn sie haben ihre Bühne in den nächsten Wochen in luftigen Höhen - auf den Dächern von Kirchtürmen, Hochhäusern und anderen Gebäuden...die Kulisse ist der Himmel, erklärt Dramaturg Matthias Günther: "Ein Schauspieler startet mit einem Text und hinter ihm sind drei Kirchturmspitzen sichtbar. Und dann klart auf einmal plötzlich der Himmel auf und eine ganze Stadtkulisse ist sichtbar. Und dann gibt es einen Gegenschnitt zu einer Kollegin, hinter ihr Hafenkräne, die langsam aus dem Nebeldunst hervortreten. Das Wetter als Mitakteur ist natürlich etwas besonderes", erklärt Dramaturg Matthias Günther.

Vorbild: das Roof Top Konzert der Beatles

Zuschauer sind Passanten, die zufällig des Weges kommen und Stimmen oder Musik hören und nach oben blicken. Zu dieser ungewöhnlichen Form hat sich der Dramaturg von den Beatles inspirieren lassen: "Beim berühmten Roof Top-Konzert der Beatles gab es weder Promotion noch Tickets. Die Beatles spielten auf dem Dach und das Publikum, das vorbeiwandelte, war ein zufälliges Publikum. Und das ist ein bisschen die Idee: wir träumen uns unsere Bühne voll, 
wie wir das sonst auch im Theaterraum machen und treffen aber auf ein zufälliges Publikum, das uns entdecken kann. Und manchmal entdecken wir es auch: wir sehen herunter und sehen Leute, die vorbeigehen." 

Choreographie für den Himmel

Dabei gibt es kein festes Drehbuch - die Performances dauern keine halbe Stunde und sind meist improvisiert. Mal wird ein Stück von Händel gesungen, mal ein Lesung vorgetragen oder etwas ganz anderes: "Drei Kolleginnen begannen liegend eine Tanzchoreographie. Aufgezeichnet wurden sie mit einer Drohe. Also in noch höherer Höhe fliegt eine Kamera und wir sehen auf dem Dach liegend diese drei Akteurinnen, wie sie mit Armen und Beinen liegend eine Choreographie für den Himmel malen", erzählt Matthias Günther. 

Niemandem fällt ein Cello auf den Kopf

Gefährlich sei das Ganze nicht - sie hielten sich ja nicht im Randbereich auf. Zudem seien die Künstler es von der Bühne gewohnt, dass sich ein Graben öffnet und ein Sicherheitsabstand eingehalten werden müsse. So wie sie auf der Bühne über eine bestimmte Vermessungsakrobatik verfügten, nutzten sie diese nun auch auf den Dächern. "Wer durch Hamburg läuft, muss keine Sorge haben, dass ein Cello auf seinem Kopf landet", so Matthias Günther. 

Wie ein Achttausender im Gebirge

Die Live-Performances werden aufgenommen und Ausschnitte daraus jeden Tag auf der Website des Thalia Theaters und auf Facebook gezeigt. Denn manchmal ist die Perspektive von oben doch noch reizvoller, wie z.B. bei der Tanzchoreographie und manchmal ist das Gebäude auch schlichtweg zu hoch, um von der Straße aus etwas mitzubekommen: "Wir waren neulich auf der Elbphilharmonie. Das ist natürlich ein unglaublich poetischer Ort, doch er ist vergleichbar mit einem Achttausender im Gebirge. Man ist am Gipfelkreuz und man kann von unten nur erahnen, dass der Bergsteiger, der die Spitze erklommen hat, nun zum Gesang ansetzt."

Bis zum 24. Dezember ist noch jeden Tag ein neuer Ausschnitt der außergewöhnlichen Reihe zu entdecken. Daraus wird am Ende ein knapp halbstündiger Film entstehen. 

(K.Jäger)


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