Virenfreier Konzertsaal in Chemnitz

Die Lösung für die Zukunft?

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Volles Haus – das wünschen sich gerade alle im Kulturbereich. Die Oper Chemnitz hat da vielleicht eine Lösung...sie will die Viren einfach aus der Luft filtern.

Wie ein Sommergewitter

" Wenn Sie ein Sommergewitter nach so vielen heißen Tagen erleben und danach nach draußen an die frische Luft gehen, dann hat das Gewitter die Luft gereinigt.  Das ist hier in etwa das gleiche Prinzip. Die Luft wird mit negativ geladenen Ionen aufgeladen und die haben die Aufgabe, alle Bakterien, Viren und Feinstaub und auch Gerüche zu binden und abzulagern, so dass die Luft einfach sauber wird", erklärt Raj Ullrich, der Technische Direktor der Theater Chemnitz. Anschließend fallen die Ionen gemeinsam mit den Viren etc. zu Boden und sind somit aus der Luft.

Anti-Viren-Schutz aus jedem Sitz

Die Geräte, um die Ionen herzustellen und zu verbreiten, sind klein und fallen somit im Opernsaal gar nicht auf - sie werden dort platziert, wo die Luft aus der Klimaanlage kommt. Dabei kommt der Oper Chemnitz im Saal zu Gute, dass sie bereits vor einigen Jahren die Klimaanlage erneuert hat - denn so gibt es eine sehr moderne Belüftungsanlage: "es kommt aus jeder Sitzlehne die Belüftung vor jedem Besucher und das über die Ränge verteilt an allen Plätzen", erläutert Raj Ullrich. "Man merkt, es man spürt es, man kommt rein und atmet tief durch". 

Luft wie im Kurort

Normalerweise findet man Luft mit so einer hohen Ionenanzahl in Luftkurorten - die Luftqualität steigert nicht nur das Konzentrationsvermögen, es unterbindet auch den Hustenreiz - sehr praktisch bei einer Opernvorstellung. Schließlich weiß jeder, wie quälend so ein Hustenreiz sein kann, wenn man eigentlich keinen Laut von sich geben sollte. 

Hohe Kosten, die sich lohnen

Mittlerweile hat die Oper Chemnitz bereits den vierten wissenschaftlichen Test durchgeführt - diesmal sogar mit einer Big Band und Blasinstrumenten auf der Bühne - sozusagen dem Härtefall. "Erwiesenermaßen ist die Ausbreitung jetzt schon auf alle Fälle wesentlich kleiner, ob sich das am Ende in Genehmigungen ausdrückt, ist eine andere Frage", erklärt Raj Ullrich. Das Verfahren, inklusive aller Tests wird ungefähr 30.000 Euro kosten. Eigentlich moderat, wenn man bedenkt, wieviel durch Vollbesetzung mehr eingenommen werden würde: "Wir haben im Moment eine Genehmigung für Publikum auf Abstand, da fehlen uns 400 Zuschauerplätze bis zum vollen Haus. Und wenn man sich vorstellt, man spielt in der Weihnachtszeit vor vollem Haus - und wenn die Karte nur für 10 Euro wegginge - würde man pro Tag 4000 Euro mehr einnehmen", rechnet Raj Ullrich vor. 

In jedem Fall ein Gewinn

Doch selbst wenn der Wunsch der Oper Chemnitz nicht in Erfüllung geht und das Verfahren nicht dazu führt, dass vor vollbesetztem Haus gespielt werden kann - gelohnt hätte sich der Einsatz für sie in jedem Fall: "Die Luftqualität auf der Bühne, im Orchestergraben und im Zuschauerraum zu verbessern ist schon vor Corona lohnenswert gewesen. In vielen Theatern wird es bald zu drückend, zu heiß und in großen Theatern ist auch unvermeidlich viel Staub in der Luft...." erklärt der Technische Leiter. So kann das Publikum atmen und fühlt sich durch die zusätzliche Vorsichtsmaßnahme sicherer. 

Am Anfang stand ein Scherz

Die Idee zu der ungewöhnlichen Maßnahme ist aus einem Scherz heraus entstanden. Schon im Sommer letzten Jahres, lange vor Corona, hatte die Oper Chemnitz einen Reinigungsschrank bestellt, in dem Kostüme, die nicht gewaschen werden können, mittels Ionen gesäubert werden. Als er nach einer langen Lieferzeit ankam, war schon absehbar, dass Corona die Kulturbetriebe einschränken würde..."in dem Telefonat mit der Firma, die den Schrank hergestellt hat, hab ich im Scherz gesagt: sie haben nicht zufällig einen Schrank, in den die ganze Oper reinpasst", schmunzelt Raj Ullrich. 
Am anderen Ende ertönte nicht etwa Gelächter – sondern der Firmenchef kam ins Nachdenken und so wurde ein Konzept entwickelt, in dem aus der Klimaanlage mit Ionen versetzte Luft verteilt wird

Im besten Falle könnte aus dem Verfahren ein nutzbarer, gangbarer Weg für alle Kulturbetriebe werden. Für die Oper Chemnitz kommt noch ein ganz persönlicher Grund hinzu: Chemnitz hat sich als Kulturhauptstadt 2025 beworben und ist eine der verbleibenden Kandidaten. "Große Kulturhauptstadt und kein Publikum, das wäre schade", meint Raj Ullrich.

(K. Jäger)

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