Vor 145 Jahren geboren: Hugo von Hofmannsthal

vor-145-jahren-geboren-hugo-von-hofmannsthal © Nicola Perscheid / Wikipedia
In der Musikwelt kennen wir den österreichischen Schriftsteller gut: er schrieb Opernlibretti für Richard Strauss, und sein „Jedermann“ eröffnet jährlich die Salzburger Festspiele.

Kaffeehausliteratur

Das Wien um 1900 ist mit knapp zwei Millionen Einwohnern eine große Metropole und noch immer eines der größten Kunstzentren Europas. Doch die Stimmung im Land ist gedrückt, die prachtvolle österreichische Monarchie liegt im Sterben. Nach der Niederlage gegen Preußen vor knapp 30 Jahren, der Auflösung des Deutschen Bundes, die zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn führte, sind die Spannungen groß.

In den Wiener Kaffeehäusern treffen regelmäßig Künstler zusammen, um sich über Kunst und Kultur auszutauschen. Viele junge Künstler lehnen die traditionellen Formen ab. Vor allem der Naturalismus, die Darstellung der Wirklichkeit in all ihrem Elend und Hässlichkeit, lehnten die Jungliteraten ab. Sie sind sich bewusst, der Endphase der Monarchie beizuwohnen und stellen eine Welt voller Wehmut dar, in der das Großbürgertum und Intellektuelle dargestellt werden. Dekadenz, Verfall und Tod sind häufige Themen in der Kunst.

Der Bankierssohn

Hugo von Hofmannsthal ist eine der Stimmen der Wiener Moderne. Er selbst stellt die Gesellschaftsschicht dar, die häufig in den Romanen der Wiener Moderne beschrieben wird. Er stammt aus gutem Hause, er ist ein Bankierssohn, dessen Familie allerdings beim großen Börsenkrach 1873 ihr großes Vermögen verloren hat. Früh verdient von Hofmannsthal daher sein eigenes Geld.

Jung Wien

Zusammen mit Arthur Schnitzler gehört Hugo von Hofmannsthal zu den bedeutendsten Schriftstellern der Wiener Moderne. Als wichtiges Mitglied des Autorenkreises „Jung Wien“ lehnte er den Naturalismus seiner Zeit ab und strebte den Ästhetizismus an. Damit ebnete er den Weg in die literarische Moderne.



Schon als 15-Jähriger schreibt und veröffentlicht von Hofmannsthal unter dem Pseudonym Theophil Morren erste Werke, von denen heute einige wie „Lebenslied“, „Vorfrühling“ oder „Manche freilich“ sehr bekannt sind. Er gilt bereits als literarisches Wunderkind, dennoch strebt von Hofmannsthal auf Druck seines Vaters zunächst einen bürgerlichen Beruf an und studiert Jura, was er jedoch bald abbricht. Er promoviert stattdessen im Fach der französischen Philologie. Im Alter von 24 Jahren wird zum ersten Mal eines seiner Dramen in Berlin aufgeführt: „Frau im Fenster.“.

Auf seinen anschließenden Reisen durch Europa trifft er Künstler wie Rainer Maria Rilke oder – eine wichtige Begegnung in seinem Leben – Komponist Richard Strauss.

Hofmannsthal als Librettist

Opernliebhabern ist Hugo von Hofmannsthal ein Begriff. Die erste Zusammenarbeit mit Komponist Richard Strauss fand 1906 statt, als Strauss das Bühnenstück „Elektra“ von Hofmannsthal vertont. Später arbeiten Hofmannsthal und Strauss für zahlreiche andere Werke zusammen: „Der Rosenkavalier“, „Ariadne auf Naxos“, „Die Frau ohne Schatten“, „Die ägyptische Helena“ sowie „Arabella“.



Aus Briefwechseln geht hervor, dass das Verhältnis zwischen dem Schriftsteller und dem Komponisten äußerst angespannt und konfliktbeladen war.

Jedermann

Hugo von Hofmannsthal berühmtestes Werk ist das Theaterstück „Jedermann“. Es entsteht 1911 und  erzählt die Geschichte eines hochmütigen, selbstsüchtigen reichen Mannes, Jedermann, der sterben muss. Als weitere Personen treten Gott und der Teufel, der Tod, Glaube und die guten Werke auf. Gott befiehlt dem Tod, Jedermann zu holen, und dieser bekommt die Frist von einer halben Stunde, um einen Begleiter für seine Reise zu finden. Er muss einsehen, dass niemand ihm die Treue hält und aller Besitz vergänglich ist. Er wird durch diese Erkenntnis, seine Reue und seinen Glauben im letzten Moment gerettet: anstatt in der Hölle zu landen, lässt Gott Gnade walten und nimmt ihn im Himmel auf.

Das Stück ist eine feste Institution bei den Salzburger Festspielen. Von Hofmannsthal war maßgeblich daran beteiligt, dass 1917 das Musikfestival gegründet wurde, und so eröffnet „Jedermann“ seit 1920  jährlich vor der Kulisse des Salzburger Doms die Salzburger Festspiele.


Tod

1929 stirbt Hugo von Hofmannsthal im Alter von 55 Jahren in Rodaun bei Wien, die Todesursache ist ein Gehirnschlag. Nur einige Tage zuvor hatte sein ältester Sohn sich das Leben genommen
   

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