Vor 222 Jahren geboren: Heinrich Steinweg

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Er begann klein im Harz als Heinrich Steinweg, sein Imperium „Steinway and Sons“ baute er als Henry Steinway in New York City auf.

Harzer Junge

Seit über 160 Jahren stehen sie auf den Bühnen der besten Konzerthäuser – und der ein oder andere hat auch das Glück, privat einen spielen können: ein Klavier oder ein Flügel der Marke Steinway. Aufgebaut hat das Imperium Heinrich Engelhard Steinweg, der 1797 in Wolfshagen im Harz geboren wurde. Er war der Sohn eines Köhlers, den Vater und drei seiner Brüder verlor Heinrich im Alter von 15 Jahren zugleich, als sie im Wald ein Gewitter überrascht. Ein Blitz trifft die Familie, nur er kommt lebend von diesem Ausflug zurück. Andere Quellen geben an, dass der Vater und der Rest der Familie an „Auszehrung“ verstarben. Im Alter von 15 Jahren ist Heinrich verwaist, denn auch die Mutter verstarb bereits viele Jahre zuvor.

Steinweg ist ein mittelloser Analphabet, der für sich selbst sorgen muss. Er beginnt eine Tischlerlehre und geht anschließend nach Goslar, wo er als Organist arbeitet und auch lernt Orgeln zu bauen.

Als Soldat gegen Napoleon

Um Geld zu verdienen, schließt der 17-jährige Heinrich sich der Armee an. Er zieht 1814 in den Europäischen Befreiungskriegen gegen die französischen Truppen Napoleons. Acht Jahre lang bleibt er beim Militär, bis er mit 28 Jahren den Dienst quittiert und sich in Seesen niederlässt.

Hier am Harzrand richtet er in der Waschküche seines Hauses eine kleine Werkstatt ein, in der er Gitarren, Mandolinen und Zithern fertigt. Nach und nach werden die Instrumente größer: um seiner Ehefrau Juliane zur Hochzeit eine Freude zu machen, baut er für sie sein erstes Tafelklavier.

Eine Braut mit Mitgift

Seine Frau Juliane Thiemer ist die Tochter eines erfolgreichen Handschuh-Fabrikanten, und mit dieser Verbindung erhält Steinweg Zugang zur gehobenen – und musizierenden - Gesellschaft. Für diese fertigt er seine Instrumente an, es kommen Pianinos hinzu, und 1836 baut er schließlich seinen ersten Flügel.

In diesem Jahr wird sein Geschäftssinn geweckt, denn fortan nennt er sich „H. Steinweg – Instrumentenmacher in Seesen“.  Einen vertrauensweckenden Werbeslogan hatte er auch parat: die Käufer selbst durften bestimmen, wie lange die von Steinweg gebauten Instrumente Garantie besitzen sollten. Von diesem Slogan und der Qualität der Instrumente lässt sich unter anderem Klaviervirtuose Franz Liszt überzeugen, der zu den Kunden Steinwegs zählt.

Märzunruhen

Die politische Lage im Deutschen Bund ist angespannt, die Februarrevolution 1848 in Frankreich greift in ganz Europa über. Die Unruhen der Märzrevolution stürzen das Unternehmen Steinwegs in eine Krise, und die Familie beschließt einen Neuanfang. Mit allen acht Kindern - außer dem ältesten Theodor - wandert die Familie in die USA aus. Theo hingegen übernimmt die Werkstatt seines Vaters in der Heimat.

Neues Kapitel in New York

Im Mai 1850 erreichen die Steinwegs New York. Hier setzen Vater und Söhne ihr Wissen auf dem Gebiet des Instrumentenbaus um und finden Anstellung in Klavierfabriken. Nur wenige Jahre später macht die Familie sich selbstständig.

Zu dieser Zeit assimilieren sich die Steinwegs auch mit ihrem Namen: die gesamte Familie anglisiert diese; aus Heinrich Steinweg wird Henry Steinway und seine Firma nennt er „Steinway and Sons“.  Neben seinem Namen soll Heinrich sich jedoch nur wenig mit der fremden Sprache angefreundet und sein Leben lang gebrochenes Englisch gesprochen haben.

Die Firma bekommt starken Aufwind durch eine Industrieausstellung, die 1955, nur ein Jahr nach Gründung des Unternehmens, in New York stattfindet. Hier stellen die Steinways ihre kreuzsaitigen Tafelklaviere aus und werden mit dem ersten Preis belohnt.

Die Werkstatt in Manhattan wächst, und nur kurze Zeit nach der Eröffnung entsteht eine riesige Fabrik an der 4th Avenue. Henry überlässt das Marketing ausschließlich seinen Söhnen, während er sich lieber auf die Herstellung und Verbesserung der Bauweisen konzentriert.

Die Steinway-Flügel begeistert die Musikwelt mit ihren Raffinessen. Auch die einheimische Konkurrenz kann bei den technischen Feinheiten, welche die Steinways ihren Instrumenten verpassen, nicht mehr mithalten, denn die Unternehmer-Familie meldet auf ihre Verbesserungen immer wieder Patente an. Das Steinway-Imperium wächst.

Nachzügler

In Europa ist das Tafelklavier allerdings bereits kalter Kaffee. Hier baut man mittlerweile Hochklaviere, die kleiner und günstiger sind als die Tafelklaviere. Nachdem zwei und dabei vor allem zwei der technisch bewanderten Söhne des Steinways-Klans fast gleichzeitig versterben, muss der älteste Sohn Theodor nach New York kommen. Er bringt eine Riege seiner Mitarbeiter aus dem Harz mit, und durch sie halten neue Ideen und Designs Einzug ins Unternehmen.

Aufstände gegen Steinway
Die niedrigen Löhne und langen Arbeitszeiten in den Steinway-Fabriken bringen in den 1860er Jahren die Arbeiter auf die Barrikaden. Der Steinway-Klan zeigt sich hier wenig kompromissbereit und zahlt Polizisten Geld, um die Protestierenden im Schach zu halten und teilweise verhaften zu lassen.

Eigener Konzertsaal

Mit einem eigenen Konzertsaal, der zu dieser Zeit der größte Konzertsaal ganz New Yorks ist, weiten die Steinways ihren Erfolg aus. In der Steinway Hall finden knapp 2400 Zuschauer Platz und die Möglichkeit, gleich eines der berühmten Klaviere zu kaufen.

Die Familie ist mittlerweile so reich, dass sie sich Land auf der Insel Long Island kaufen können und das Unternehmen mitsamt einer neuen eigenen Gießerei für ihren Instrumentenbau aufziehen können.

Am 7. Februar 1871 stirbt Heinrich Steinweg als Henry Steinway in New York im Alter von 74 Jahren.

Zurück zu den Wurzeln

Henry Steinway bekommt dies nicht mehr mit: 1880 öffnet die Firma eine Dependence in Deutschland, welche mittlerweile die ganze Welt beliefert, während das New Yorker Werk den amerikanischen Markt versorgt. Die US-amerikanischen und hamburgischen Modelle unterscheiden sich bis heute – in den USA etwa bekommt man den Steinway seidenglanzschwarz lackiert und mit rechtwinkliger Tastenklappe, in Hamburg kommt das Modell hochglanzpoliert und mit abgerundeter Tastenklappe daher.

Seit den 70er Jahren gehört das Unternehmen „Steinway and Sons“ nicht mehr dem Steinway-Klan. Das letzte Familienmitglied und Urenkel Heinrich Steinwegs verkaufte das Unternehmen 1972, und seitdem hat es mehrfach den Besitzer gewechselt.
 



 

   

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