Was macht ein Orchester ohne Chefdirigent?

Über die Wahl und Relvevanz der Position

was-macht-ein-orchester-ohne-chefdirigent © Joaquin Corbalan
Oft haben Orchester große Lücken zwischen zwei Chefdirigenten. Was passiert in dieser Zeit und welche Rolle spielt der Chefdirigent für das Orchester?

Orchester ohne Chefdirigent

Die Vorfreude ist groß: Sir Simon Rattle kommt als Chefdirigent des Chors und Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks nach München. Allerdings erst für die Saison 2023/24, also in knapp drei Jahren. Wie kommt das Orchester denn so lange ohne diese Schlüsselposition klar? " Es ist ja so, dass wir einen Großteil des Jahres sowieso ohne Chefdirigenten spielen. Ein Chefdirigent ist bei uns 11-12 Wochen pro Jahr tätig. Wir machen unsere Tourneen zusammen, wir spielen unsere Abo Konzerte in München. Und den ganzen Rest des Jahres dirigieren Gastdirigenten bei uns. Und diese Dirigenten werden in den nächsten Jahren von uns vermehrt engagiert werden", erklärt Orchestervorstand Norbert Dausacker. So nutze man die Phase auch, um junge Dirigent*innen, die man bisher noch nicht kennenlernen konnte, genauer kennenzulernen und entsprechende Beziehungen in den nächsten Jahren aufzubauen. 

Wie ein Trainer für die Fußballmannschaft 

Doch warum ist ein Chefdirigent dann so wichtig, wenn man jahrelang auch ohne ihn auskommt oder erst gar keinen hat, wie z.B. die Wiener Philharmoniker, die nur mit Gastdirigenten arbeiten? Es sei ein bisschen wie mit einer Fußball Mannschaft, erläutert Norbert Dausacker: "Könnte der FC Bayern ohne Trainer spielen? Selbstverständlich, denn es alles ganz hervorragende Spieler, die auf dem Platz stehen. Vielleicht könnten sie sogar deutscher Meister werden, weil die einzelnen Spieler einfach überragend sind. Aber mit Trainer ist das Konzept dann doch ein besseres, weil jeder einzelne Spieler so seine Idee hat, wie das Spiel angelegt werden sollte und man sich dann doch auf ein System einigen sollte. Und dafür ist bei Orchestern dann schlichte der Dirigent da." 

Denn er hat einen großen Einfluss auf die Entwicklung eines Orchesters - so wie ein Trainer auf die Entwicklung einer Mannschaft: "Auch ein Fußballtrainer muss die Mannschaft an einem gewissen Punkt holen und von dort an weiterarbeiten. Und das ist bei uns im Orchester genau das Gleiche. Wir suchen uns natürlich einen Dirigenten aus, wo wir glauben, dass er uns an genau dem richtigen Punkt abholt und in die Zukunft führen kann und neue Schwerpunkte setzt. Und mit Sir Simon Rattle ist das natürlich absolut der Fall."

Weiterentwicklung von Punkt zu Punkt

So habe Chefdirigent Lorin Maazel den Schwerpunkt auf Perfektion gesetzt, darauf, schwere und große Werke möglichst schnell zu erarbeiten und so mit dem Orchester ein weites Repertoire zu erarbeiten. An diesem Punkt übernahm der Mariss Jansons der großen Wert auf den Klang legte und das Orchester so eine ganz neue Qualität dazugewann. Nun ist Sir Simon Rattle an der Reihe: "Sir Simon Rattle ist von historischer Aufführungspraxis über Schumann bis zur neuer Musik absolut zuhause und stilsicher und dann kommt natürlich dazu, dass er in Deutschland der Vorreiter in Education und Musikvermittlung ist und wir uns natürlich ganz viel erwarten, gerade im Hinblick auf unser neues Konzerthaus in München, dass wir mit Leben und Inhalt füllen wollen." 

It's a Match!

Die Wahl eines Chefdirigenten nimmt dabei viel Zeit in Anspruch, denn jedes Orchestermitglied hat eine Stimme und die Wahl findet basisdemokratisch statt. Die möglichen Kandidaten werden meist aus den Gastdirigenten ausgewählt, die man über die Jahre kennen und schätzen gelernt hat. Dann beginnen lange Diskussionen, welcher von ihnen der neue Chefdirigent sein könnte. Etwas anders sah es bei Sir Simon Rattle aus - denn zwischen ihm und dem BR Symphonieorchester war es so etwas wie Liebe auf den ersten Blick, berichtet Norbert Dausacker: "Es gibt da so Momente im Leben eines Orchesters, vielleicht ähnlich wie auch in richtigen Partnerschaften, das man jemanden zum ersten Mal sieht. Und genau so war es bei Sir Simon Rattle vor 10 Jahren: er kam zur Tür rein, hat unser Orchester dirigiert und wir dachten vom ersten Moment an, dass wir eine gemeinsame musikalische Sprache sprechen und es fühlte sich an, als würden wir schon ewig zusammen Musik machen. So war es fast eine logische Konsequenz, dass wir ihn zum Chefdirigenten wählen."  Und so ist die Freude über das neue Engagement auf beiden Seiten groß. 

(K.Jäger)

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