"Wer hat, dem wird gegeben"

Rat der Kulturellen Bildung bemängelt Musikunterricht an Schulen

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Kulturelle Angebote an Schulen sind enorm wichtig. Doch es gibt noch viel zu viele Defizite. Der Rat der Kulturellen Bildung bemängelt das und sucht nach Lösungen.

Unzufrieden mit der Kultur an Schulen

Ganz und gar unzufrieden zeigen sich die Mitglieder des Rates, wenn das Thema „Kultur im Schulprogramm“ zur Sprache gebracht wird. "Wer hat, dem wird gegeben", fasst Lydia Grün, Ratsmitglied und Professorin an der Hochschule für Musik in Detmold zusammen. 

Kein ausreichender Grad an Professionalität

An Schulen, die sozial stärker aufgestellt sind, werde kulturelle Bildung verstärkt angeboten. Im Umkehrschluss werden Schüler auf sozial schwächeren Schulen aber benachteiligt. Auch wenn an 90% der Ganztagesschulen etwa mindestens ein außerunterrichtliches Angebot im Bereich kulturelle Bildung zur Verfügung stehe, seien es meist kleine Projekte, die von Ehrenamtlichen auf die Beine gestellt würden. "Das wollen wir alles nicht abschaffen. Wir sagen nur: wir dürfen dabei nicht stehen bleiben. Das ist einfach auch kein ausreichender Grad an Professionalität", so Lydia Grün. Man verschenke mit der momentanen Kulturpolitik an den Schulen zu viel Potential.

Essentieller Beitrag zur Chancengleichheit

Wieso ist denn kulturelle Bildung an Schulen überhaupt so wichtig? Lydia Grün, Mitglied des Rates, bringt es präzise auf den Punkt: „Wir haben Schüler befragt, wo sie auf kulturelle Bildung treffen, z.B. auch bei klassischer Musik. "65% aller befragten Jugendlichen haben geantwortet 'klassische Musik begegnet mir in der Schule', nur 17% meinten, 'klassische Musik begegnet mir zu Hause'. Allein an diesem Thema sieht man wie wichtig der Kulturort Schule ist." Kulturelle Bildung, etwa der Unterricht in Musik, Kunst und Theater können einen essentiellen Beitrag zur Chancengleichheit und zur Förderung von Kreativität leisten. 

Schule als Kulturort ernst nehmen

Kulturelle Bildung leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Integration. Besonders Musik und Kunst können dazu beitragen, Werte und Ideale einer Gesellschaft ganz unbewusst, und somit wirksamer zu vermitteln. "Wenn wir die Schule als Kulturort , gerade im Bereich klassische Musik, nicht ernst  nehmen oder nicht genug unterstützen, dann fehlen uns hinterher auch in anderen Bereichen Publikum, Menschen, die das wichtig finden, oder auch die Hand heben, z.B. als Mandatsträger in den Parlamenten, die bspw. sagen 'wir unterstützen das Orchester'", führt Lydia Grün aus. 
 

Bühnenerfahrung hilft im Berufsleben

Auch für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sind kulturelle Angebote von unschätzbarem Wert. Lydia Grün gibt ein Beispiel: jemand, der als Schüler bei einem kulturellen Angebot mitmacht, bei dem er am Ende auf einer Bühne steht, hat gelernt, die Angst zu überwinden, vor einer Menge Leute zu sprechen, hat die Bühnensituation schon ganz anders kennengelernt. Das hilft ihm später auch bei Referaten in anderen Fächern oder noch später im Berufsleben, wenn er z.B. eine Produktvorstellung durchführen muss. 

Mehr als die Hälfte nicht qualifiziert genug

Bei seinen Studien hat der Rat für Kulturelle Bildung nicht etwa die Musik- und Kunststunden gezählt, sondern auch z.B. die Schulleiter gefragt: wer welche Stunden abhält. Dabei kam heraus: nur 50% des Personals, das kulturelle Angebote durchführt ist ausreichend ausgebildet. 

Kultur soll zur Grundausbildung gehören

Der Rat für Kulturelle Bildung macht auch konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Situation. Ein Kulturbudget und besser qualifizierte Lehrkräfte wären ein erster Schritt in die richtige Richtung. Mehr Qualifizierung sei möglich, wenn man den Lehr- und Projektkräften Möglichkeiten zur Weiterbildung gäbe. "Der Wille zur Weiterbildung ist da, doch die Finanzierung fällt immer in den privaten Bereich", erläutert Lydia Grün. Außerdem fordert sie, dass alle Lehrkräfte vom Mathe- bis zum Physiklehrer auch in Kunst- und Kultur ausgebildet werden. "Es soll zur Grundausbildung der Lehrkräfte gehören". 

(A. Greif/K.Jäger)

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