Wie klingt der Schlaf?

Ensemble aus Hannover betreibt musikalische Schlafforschung

wie-klingt-der-schlaf © FLEX_Ensemble_Zuzanna_Specjal
Acht Stunden und 12 Minuten schlafen wir Deutschen laut einer Umfrage im Durchschnitt. Dabei durchlaufen wir verschiedene Schlafphasen. Doch wie klingen die eigentlich?

Gemeinsame Reise durch den Schlafzyklus

Damit hat sich das Flex Ensemble aus Hannover auseinander gesetzt und gemeinsam mit dem Dramaturgen Max Schumacher das Projekt IN/SOMNIA auf die Beine gestellt. Dabei sitzt auf Kissen rund um einen großen schwebenden Rückprojektionskubus mit vier Leinwänden, auf denen Videos zu sehen sind. Darunter und zentral im Raum spielt dann das Klavierquartett. "Für uns ist es wie eine gemeinsame Reise durch unseren Schlafzyklus", fasst die Cellistin zusammen.

Videos mit Nachtsichtkameras 

Das Video zeigt die Musiker*innen teilweise schlafend - es wurden extra zu dem Zwecke Langzeitschlafaufnahmen mit Nachtsichtkameras gemacht. "Es zeigt teilweise die Kurven der verschiedenen Wellen und der biometrischen Parameter von Schlafenden und daraus wird dann ein visuelles Kunstwerk", erklärt Max Schumacher.

Vom Traum zu Schlafphasen

"Wir haben uns für das Thema 'Traum' interessiert, denn es gibt so viel Musik, die dazu passt. Wir wollten ein Programm darüber machen, haben mehr darüber gelesen und gelernt und haben uns mit den Schlafphasen auseinandergesetzt und fanden das ein noch interessanteres Konzept", erklärt Martha Belsma vom Flex Ensemble aus Hannover.

Schlafphasen musikalisch umgesetzt

Die Stücke, die gespielt werden, spiegeln die unterschiedlichen Schlafphasen wieder. "Wir haben uns überlegt, was musikalisch passt. Welches Gefühl die Musik gibt. Ist es eher Tiefschlaf, also lange Phasen oder etwas in REM-Schlaf, was aktiv ist...so haben wir die Musik ausgesucht, erklärt Cellistin Martha Bijlsma.

Stücke für Tief- und Traumphase

"Für die Tiefschlafphase haben wir uns Pēteris Vasks ausgesucht. Das ist minimalistische Musik,  sehr lange Phasen, sehr beruhigend, schöne Melodien, wirklich Musik, bei der man nicht mehr genau weiß, wo man ist", beschreibt die Musikerin. In der Traumphase ist es eher verrückte Musik von Alfred Schnittke, der es auch einmal weniger Harmonie gibt und viele unterschiedliche Klänge. 

Mit Klassik einschlafen?

Bei den Recherchen haben die Musiker*innen auch sehr viel über den Schlaf ihrer Kollegen- und Kolleginnen erfahren: "Dadurch haben wir uns auf andere Weise kennengelernt, was auch einen Effekt auf unsere Spielweise hat und wie wir uns jeden Tag verhalten. Das war für mich sehr interessant", erklärt Martha Belsma. Sie selbst findet es sehr schwierig, bei klassischer Musik einzuschlafen, weil sie dabei aktiv zuhört, anstatt sie als Hintergrundmusik wahrzunehmen. "Es macht mich wacher", meint sie. Es sei aber durchaus möglich, dass die Klassik Menschen beim Einschlafen helfen könne, z.B. ausgewählte Stücke von Johann Sebastian Bach

Traditionelles Schlafsystem ist auseinander gefallen

Dramaturg Max Schumacher findet das Thema auch deshalb interessant, weil es auf den ersten Blick so banal wirkt, aber tatsächlich eine unglaubliche Komplexität aufweist. Zum einen den Wandel des Schlafes. Früher habe man sich viel weniger Gedanken um den Schlaf gemacht, da ein Großteil der Bevölkerung mit Einbruch der Dunkelheit sowieso schlafen ging - ausreichend Kerzen und andere Leuchtmittel waren der höheren Gesellschaftsschicht vorbehalten. So bekam man insgesamt mehr Schlaf ab. Mit Einzug der Elektrizität sei das traditionelle Schlafsystem dann auseinander gefallen. 

Menschen möchten Schlaf kontrollieren

Erschreckend sei, dass es immer mehr Menschen gäbe, die ihren Schlaf optimieren wollten, um dadurch leistungsfähiger zu werden. Es sei schockierend zu sehen, dass es Leute gäbe, die selbst den Schlaf kontrollieren wollten, anstatt sich darüber zu freuen, dass sie diesen Teil ihres Leben nicht verantworten müssten."

Geweckt durch Applaus

Hat das Ensemble nicht etwas Sorge, dass bei diesem Thema dann am Ende doch das Publikum oder gar sie selbst einschlafen? "Ich hoffe, das wir eine sehr interessante Vorstellung machen, in der die Leute nicht einschlafen möchten. Es kann natürlich immer mal passieren, das ist auch in Ordnung. Wir selbst werden sicher nicht einschlafen, doch selbst wenn, werden wir spätestens beim Applaus wieder aufwachen", sagt die Cellistin mit einem Augenzwinkern. 


Die Konzerte finden am 5. & 6. September im Klecks Theater, Hannover, am 8. September in der CD Kaserne Celle und am 24. September in der Rasselmania, Hildesheim statt.


(K.Jäger)

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