"Wir hoffen, aber sind am Abgrund"

Kinobranche kämpft ums Überleben

wir-hoffen,-aber-sind-am-abgrund © Nejron Photo
Immer mehr Blockbuster wie James Bond werden verschoben - das sorgt nicht nur für Enttäuschung bei den Fans, sondern bringt die Kinos in eine kritische Lage,

"Es macht uns alle sprachlos"

“No time to die” so heißt die neueste Mission von James Bond und er scheint tatsächlich keine Zeit zum sterben zu haben, denn nun ist sein neuer Film schon wieder verschoben worden - bis in den April nächsten Jahres. Das hat die britische Kinokette "Cineworld" so getroffen, dass sie schließen musste. Ereignisse, die auch in der deutschen Kinobranche heftige Reaktionen auslösen, wie Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des Hauptverbandes Deutscher Filmtheater berichtet: "Ich kann das nur hoch emotional ausdrücken: es ist bestürzend, es macht uns alle sprachlos. Wir können es eigentlich nicht glauben, weil man sich schon fragt: geht es hier nur um Wirtschaftlichkeit. Eine Branche, die es seit 150 Jahren gibt, droht kaputt zu gehen. (...) Dass man da nicht an unserer Seite steht, das ist hartes Brot."

Kinostruktur in Deutschland anders

Trotzdem haben wir in Deutschland einen Vorteil - denn im Gegensatz zu den USA und England, in denen vor allem einige wenige Kinoketten vorherrschen, gibt es in der Bundesrepublik in knapp 1000 Orten über 1700 Kinos haben. "Das bedeutet, wir haben ganz viele Unternehmer, die vor Ort viel mehr machen können, die andere Reihen zeigen können, auch mal einen älteren Film zeigen können und vielleicht einen Film, der im ersten Augenblick gar nicht so groß erscheint und och ein bisschen mehr Werbung dafür machen und das Publikum anlocken können", so Berg. Mit viel Glück könne man so dem großen Kinosterben entgehen. Allerdings habe die Branche einen Umsatzeinbruch von über 60 Prozent - seit Monaten und das nach langer Schließung. "Da ist auch nicht mehr viel Decke", betont Christine Berg.

Mehr Solidarität wäre großartig gewesen 

Trotzdem hat sie gewissermaßen Verständnis für die Entscheidung der großen Studios: "Es geht natürlich auch um Geld, darum, welche Märkte haben überhaupt geöffnet. Ein Studio in den USA sieht ja nicht auf Deutschland allein, sondern auch auf Asien, England und Amerika. Wenn man sich die gesamte Weltlage ansieht, ist es verheerend, z.B. in den USA ist alles dicht, auch England hat jetzt zugemacht. Da kann man schon nachvollziehen, dass man sagt, wir müssen schieben. Mein Herz schlägt natürlich für etwas anderes. Etwas mehr Solidarität wäre großartig gewesen. Doch wir besinnen uns jetzt einfach auf die Filme, die kommen und die wir noch womöglich bekommen können." 

"Gehen Sie ins Kino!"

Denn da liegen einige auf Halde - darunter auch seltene Perlen, die zu normalen Zeiten vielleicht niemand entdeckt hätte, erklärt Berg. Sie appelliert an die deutsche Filmbranche: "Schaut doch alle nochmal mal, was ihr für Filme habt, die dieses Jahr noch starten können. Da führen wir gerade sehr viele Gespräche". Insgesamt sieht sie drei Punkte, mit denen man gegen das Kinosterben arbeiten kann: "Das eine ist, dass der Staat Maßnahmen ergreift, das wir Filme aus Deutschland heraus bekommen und das Dritte, dass die Leute auch ins Kino gehen und den Abend genießen - mit Abstand und leckerem Popcorn."

(K.Jäger)

Außerdem interessant:

Wie es der Film- und Fernsehbranche zu Corona-Zeiten geht, darüber haben wir mit Brigitte Drodtloff gesprochen. Sie ist Filmemacherin und im Vorstand des Verbandes deutscher Drehbuchautoren. 

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