"Wir kennen es als Küchenrolle"

Sind diese Filter die Lösung für Blasorchester?

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Zu Coronazeiten haben Blasinstrumente einen denkbar schlechten Ruf: sie gelten als Aerosolschleudern. Ein Filter der Bauhaus Universität Weimar könnte das ändern.

Alleskönner Küchenpapier

...sie zu Corona-Zeiten zu spielen gilt als sehr risikoreich: Blasinstrumente. Die Bauhaus-Universität Weimar hat nun Filter entwickelt, die die Aerosole beim Spielen eindämmen sollen. Es sind kleine wabenförmige Stücke aus Zellstoff, auch bekannt als Küchenpapier, die vor die Instrumente gespannt werden...Die Filter werden mit doppelseitigem Klebeband an den Instrumenten befestigt.

Überzeugende Ergebnisse

Doch was bringen die Filter jetzt ganz konkret? Projektleiterin Lia Becher betont:" Wir können nichts über die Virenlast sagen, sondern nur wieviel Luft geblockt wird. Durch diesen Filter wird der Luftstrom von teilweise über einem Meter auf weniger als 20 Zentimeter reduziert wurde, bei der Querflöte jedenfalls. Bei den Blechblasinstrumenten konnte der Luftstrom von 50-60 Zentimetern auf nahezu nichts herunter gebrochen werden konnte, wenn der Filter vor dem Instrument befestigt war. 

Holzinstrumente sind raus

Allerdings lohnen sich die Filter vor allem bei Blechblasinstrumenten, da bei ihnen nahezu alle Luft aus dem Schallbecher komplett entweichen kann. Bei Holzblasinstrumenten kommt die Luft auch aus den Tonlöchern und aus dem Mundstück, so dass ein Filter nicht so viel bringt.

Kondenswasser beeinflusst Lebensdauer

Wie oft die Filter gewechselt werden müssen, hängt dabei vom Kondenswasser ab, das beim Spielen der Blechblasinstrumente entsteht und den Filter aufweicht. Dazu gibt es allerdings noch keine Langzeitstudien. 

Weitreichende Zusammenarbeit

Das Design für die Filter stammt von Prof. Andreas Mühlenberend, Professur Industriedesign, in Kooperation mit Vertr. Prof. Jason Reizner und Kristian Gohlke. Die Idee zum Projekt gab Prof. Gernot Süßmuth, Konzertmeister der Staatskapelle Weimar. Mit dem Schlierenverfahren zur Visualisierung von Luftströmungen beschäftigt sich ebenfalls Doktorand Amayu Wakoya Gena M.Sc. von der Professur Bauphysik, der folgendes Video zur Verbreitung der Atemluft beim Husten erstellte, was daraufhin weltweit in verschiedenen Kanälen ausgestrahlt wurde und unter anderem den Impuls gab, dass sich die Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach und die Staatskapelle Weimar mit der Professur Bauphysik der Bauhaus Universität Weimar in Kontakt trat, um die Ausbreitung der beim Spielen von Blasinstrumenten und beim Singen zu untersuchen.

Testkonzert mit Filter

Die Filter sind bereits bei einem Minikonzert mit der Staatskapelle Weimar getestet worden. Solotrompeter Rupprecht Drees von der Staatskapelle Weimar erklärt, wie sich das Spielen mit Filter anfühlt: "Ein bisschen gedämpft, wie beim Sprechen durch einen Mund-Nase-Schutz". Zudem würden gerade die Obertöne der Trompete dem Filter zum Opfer fallen. Ein weiteres Problem: Der Einsatz eines Dämpfers ist beim Spielen mit Filter nicht möglich - so entfällt viel des normalen Repertoires. 

Nächste Schritte

Die Bauhaus Universität Weimar ist allerdings schon dabei, neue Lösungen zu entwickeln - für den Einsatz mit Dämpfern und einen besseren Klang. Und mehr noch: auch an einem besonderen Mund-Nase-Schutz für Sänger aus einem Plastik-Papier-Gemisch wird gearbeitet. 

Schablone zum Nachbasteln 

Schon jetzt teilt die Bauhaus Universität Weimar ihre Erkenntnisse mit allen - und hat eine Schablone für die Filter online gestellt - sie können ganz einfach nachgemacht werden: mit Küchenpapier und einer Schere. Wie genau die Filter getestet wurden, ist in einem ausführlichen Bericht dargelegt. 

(K.Jäger)


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