"Wir wollten kein Corona-Ersatzprogramm!"

Deutsches Mozartfest Augsburg startet

wir-wollten-nicht-dieses-coronaersatzprogramm
Morgen startet das Deutsche Mozartfest in Augsburg. Eigentlich sollte es schon im Mai stattfinden, dafür müssen nun kaum Abstriche beim Programm gemacht werden.

Bühne bis in den Zuschauerraum

Lediglich ein Konzert muss entfallen, weil die Musiker aus den USA nicht einreisen können. Ansonsten kann alles wie geplant stattfinden - natürlich mit entsprechend mehr Aufwand. Um z.B. Mozarts Requiem musikalisch durchführen zu können, wird extrem viel Platz gebraucht: "Wir haben ja wahnsinnige Abstände beim Chor und dann kommt noch ein Orchester dazu. Da reicht die Bühne nicht mal aus. So haben wir eine extra Bühne gebaut, die noch einmal das halbe Parkett einnimmt", erklärt Simon Pickel, der künstlerische Leiter. "Aber dann kriegen wir das alles hin. Und ich muss sagen: "Ich mach's lieber so als gar nicht!"

Digitalisierungswahn bedenklich 

Denn eine Online-Version des Mozartfestes, wie es bei anderen Veranstaltungen öfter durchgeführt wird, kam für Simon Pickel nie in Frage: "Ich finde diesen ganzen Digitalisierungswahn der letzten Zeit sehr bedenklich. Konzerte im Internet zu machen - dafür sind die nicht gemacht. Ganz ehrlich: ich will mich darüber aufregen, wenn jemand hinter mir mit einem Bonbonpapier raschelt." Der entscheidende Punkt sei aber, dass die Interaktion zwischen Publikum und Künstlern fehle.

Virtuelle Vorbereitung aufs Konzert 

Komplementär zum Live-Angebot findet er Onlineangebote aber sinnvoll -  so kann man sich dieses Jahr erstmals virtuell auf den Besuch des Deutschen Mozartfestivals vorbereiten - mit Onlinekonzerteinführungen. In Form von Videos erzählen die Künstlerinnen und Künstler über das Mozartfest, über sich selbst und über die Werke, die sie spielen werden. 

Vom jungen Mozart zum reifen Beethoven

Der Schwerpunkt in diesem Beethovenjubiläumsjahr ist ganz klar - die Beziehung zwischen Mozart und Beethoven.  "Da gibt es drei Phasen. In der ersten Phase hat Beethoven versucht Mozart zu kopieren, in einer weiteren Phase hat Beethoven lange Zeit versucht, sich selbst zu finden und sich von Mozart zu emanzipieren und in der letzten Phase dann steht Beethoven auf einmal da als Gallionsfigur der neuen Zeit, der neuen Musik, des neuen Selbstbewusstseins der Künstler da." Diesen Bogen vom jungen Mozart zum reifen Beethoven greift das Programm des Deutschen Mozartfestes auf. 

Mozarts Requiem - ein Kompositionskrimi

Ein ganz besonderes Highlight - Mozarts Requiem in einer noch nie da gewesenen Fassung. Ein wahrer Kompositionskrimi, allein schon durch die Mythen, die sich darum ranken: "Da kam angeblich ein heimlicher Bote in der Nacht und hat bestenfalls Mozart noch vergiftet und so hätte Mozart dann gesagt, er habe sein eigenes Requiem geschrieben, das ist natürlich alles relativer Quatsch", erläutert Simon Pickel mit einem Lachen. "Das wirklich Spannende ist doch 'Wie hätte Mozart sein Requiem weitergeschrieben'. Denn das blieb durch seinen Tod unvollendet.

So hat man das Requiem noch nie gehört

Viele Komponisten haben sich daran versucht, das Stück zu Ende zu bringen - nur mit mäßigem Erfolg. Beim Deutschen Mozartfest in Augsburg ist nun eine Version zu hören, die es so noch nie gab. 15 Jahre lang hat der Komponist und Chorleiter Howard Arman daran geschrieben: "Er hat die Teile, die Mozart noch geschrieben, aber nicht orchestriert hat, im Nachhinein orchestriert und hat dazu eine ganz tolle neue Fuge geschrieben am Ende vom Lacrimosa. Das bricht nach acht Takten ab und Mozart hätte eine Fuge geschrieben - dazu gibt es einige Skizzen und die hat Howard Arman jetzt herauskomponiert. Daraus ist ein sehr stimmiges und schlüssiges Werk daraus geworden. Ich glaube, so hat man das Werk noch nie gehört."

Kein Corona-Ersatzprogramm

Leider hat nur man nur eine einmalige Gelegenheit, denn während momentan viele Konzerte doppelt bzw. zweimal hintereinander gespielt werden, um auf die begrenzten Zuschauerzahlen einzugehen, ist das beim Mozartfest nur bei zwei Konzerten der Fall: "Bei den anderen Konzerten ist es einfach nicht möglich: man kann keine Beethovens fünfte oder sechste Sinfonie zwei Mal hintereinander spielen, das funktioniert nicht, das macht kein Künstler mit, verständlicherweise, das hält auch niemand durch. Entweder macht man es gescheit oder man konzipiert eine Alternative, bei der das zwei Mal geht. Doch wir wollten kein Corona-Ersatzprogramm. 

Übrigens: Es werden immer wieder Karten frei, ab und an auf die Website des Mozartfestes zu schauen, kann sich also lohnen.

(K.Jäger)

Weitere interessante Aktionen im Beethovenjahr:

Beethoven am Himmel in Wien 

250 Piano Pieces für Beethoven - ein ganz besonderes Geschenk.

Beethoven als Youtubestar - eine ungewöhnliche Serie.


   

Unser Service

Für die besten Hörer in Deutschland

Musik der Extraklasse

Finden Sie im Klassik Radio Shop

Newsletter

Wir halten Sie auf dem laufenden mit unserem Premium Newsletter

Social Media

folgen Sie uns

Die PLaylist

Was lief wann?

Wir verwenden Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen und Ihnen das bestmögliche Erlebnis zu bieten. Indem Sie auf den „OK“ Button klicken, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Weitere Informationen zum Thema Cookies finden Sie unter Datenschutz & Sicherheit
Weitere Informationen Ok