Yo-Yo Ma - der Cellist, der Klassik in die Herzen der Menschen trägt

Zum 70. GeburtstagYo-Yo Ma - der Cellist, der Klassik in die Herzen der Menschen trägt

Yo-Yo Ma ist kein Popstar – und doch kennt ihn die Welt. Von den "Simpsons“ über ein Millionenpublikum auf YouTube bis hin zum amerikanischen Präsidenten hat er klassische Musik dorthin gebracht, wo man sie nie erwartet hätte. Mit seinen Auftritten macht er Bach, Beethoven und John Williams nahbar, überraschend und emotional – und beweist, dass Klassik alles andere als elitär sein muss.

Cellist Yo-Yo Ma bei einem Auftritt mit dem Los Angeles Philharmonic OrchestraFoto: Jose Galvez, Los Angeles Times/CC BY 4.0

Es gibt nicht viele Klassik-Musiker, die man regelmäßig auf Werbeplakaten oder in Serien sieht. Yo-Yo Ma ist eine Ausnahme. Nicht, weil er allein durch sein Spiel berühmt wäre – er ist ein Virtuose, der Bach und Beethoven so überzeugend interpretiert wie kaum ein anderer –, sondern weil er die Klassik an Orte gebracht hat, die man dafür nie erwartet hätte.

Da sind seine bekannten Fernsehmomente: Ma trat in der Kultserie „The Simpsons“ auf, spielte in „Mister Rogers’ Neighborhood“, jener legendären Sendung, die über Generationen hinweg prägend für US-amerikanische Kinder war. Die Wirkung war dieselbe wie bei einem Cameo eines Popstars: Klassik wurde sichtbar, nahbar, Teil alltäglicher Unterhaltung. Und das, obgleich nur wirkliche Klassik-Kenner den höflichen, zurückhaltenden Mann auf Anhieb erkannt hätten.



Bei den sogenannten „Tiny Desk Concerts“ des amerikanischen Hörfunk-Netzwerks NPR, einem Format, bei dem Musiker im Arbeitszimmer des Radiomoderators Bob Boilen live spielen, erreichte Yo-Yo Ma auch online ein Millionenpublikum. Normalerweise sitzen klassische Musiker in ehrwürdigen Konzertsälen. Ma jedoch spielt zwischen Regalen und Büropflanzen an einem Ort, an dem sonst Popgrößen wie Taylor Swift oder Billie Eilish auftreten – ein ebenso intimer wie ehrwürdiger Rahmen, der die Distanz zur klassischen Musik aufhebt. Millionen Klicks auf YouTube zeigen: Selbst Bach kann viral gehen, wenn er in Mas Händen erklingt.

Aufgrund Ihrer Consent Einstellungen können Sie dieses YouTube Video nicht sehen.
Einstellungen Ändern

Ich habe erkannt, dass meine Leidenschaft nicht wirklich der Musik gilt. Meine wahre Leidenschaft gilt den Menschen. Die Auseinandersetzung mit Musik aus verschiedenen Zeiten hängt damit zusammen, herauszufinden, wer diese Menschen waren, was ihre Musik ausdrückt, welchen Kontext wir ihr geben wollen und welche Bedeutung sie für uns heute hat.

Yo-Yo Ma
im Interview mit NPR (National Public Radio)

Und dann gibt es die Momente, die Geschichte schrieben: 2009 spielte Yo-Yo Ma (unter anderem gemeinsam mit Itzhak Perlman) bei der Amtseinführung von Präsident Barack Obama. In eisiger Kälte auf der National Mall, vor Hunderttausenden Menschen live und Millionen weiteren am Fernseher, interpretierte er „Air and Simple Gifts“ von John Williams. Ein Moment, der nicht nur politische Bedeutung hatte, sondern auch den Möglichkeiten aufzeigte, die Klassik aus den Konzertsälen auf die größten Bühnen der Welt trägt.

Aufgrund Ihrer Consent Einstellungen können Sie dieses YouTube Video nicht sehen.
Einstellungen Ändern

Yo-Yo Mas Einfluss ist dabei nicht nur medial, sondern kulturell. Er hat mit Jazzmusikern, Bluegrass-Ensembles und Weltmusikern gespielt, immer auf der Suche nach Dialogen zwischen Genres. Seine Auftritte im öffentlichen Raum – vom Impfzentrum während der Pandemie bis zu Festivals und Popkulturformaten – machen deutlich: Klassik muss keine abgeschottete Nische sein. Sie kann viral gehen, kann lustig, überraschend oder emotional unmittelbar sein.

Und genau darin liegt seine Stärke: Yo-Yo Ma verbindet Welten. Er ist virtuos, ohne abgehoben zu wirken; weltbekannt, ohne sich als Star zu inszenieren. Seine Auftritte in Fernsehen, Politik und Netz sind wie kleine Brücken: Man muss kein Fan klassischer Musik sein, um von ihm überrascht und berührt zu werden. Wer einmal ein Video von ihm beim Tiny Desk gesehen hat, versteht, warum selbst die „ernste“ Musik plötzlich ganz nah am Leben ist – und warum Millionen Menschen ihm folgen, oft ohne den Namen zu kennen.

Yo-Yo Ma ist damit ein Phänomen: kein Popstar im klassischen Sinne, aber jemand, der Popkultur beeinflusst, der Menschen berührt. Ein Musiker, der die Klassik aus dem Konzertsaal holt – und sie mitten in die Welt und unsere Herzen trägt.


Erleben Sie die Welt der Meister-Cellisten – von gefühlvollen Klassikstücken bis zu den faszinierenden Interpretationen von Yo-Yo Ma. Auf Klassik Radio+ Streicherklänge hören Sie Musik, die berührt, überrascht und auch große Namen wie Yo-Yo Ma ins Rampenlicht rückt.

Streicherklänge

Holger Hermannsen / 05.10.2025

Erhalten Sie Informationen aus erster HandBestellen Sie den Klassik Radio Newsletter

* Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis

Neueste Artikel

Neues Dating-Format für Klassik-Fans: Wie Musik der Liebe auf die Sprünge hilft
Klassik-Dating

Neues Dating-Format für Klassik-Fans: Wie Musik der Liebe auf die Sprünge hilft

Dating ohne App, dafür mit klassischer Musik: In Berlin wagt ein Klassik-Duo das Experiment und macht Liebeslieder zum Ausgangspunkt neuer Dating-Begegnungen. Während sonst digital gewischt und gematcht wird, setzt dieses Format auf das, was wirklich verbindet: Gemeinsame Hörerlebnisse, persönliche Gespräche – und die Chance, sich jenseits digitaler Algorithmen näherzukommen.

Masken, Melodien, Menschenmengen – Wie der venezianische Karneval die Oper erfand
Zwei kostümierte Frauen am Karneval in Venedig

Masken, Melodien, Menschenmengen – Wie der venezianische Karneval die Oper erfand

Von funkelnden Masken über laute Kanäle bis zu prunkvollen Opernhäusern: Im Venedig des 17. Jahrhunderts verschmolzen Feierlust und Kunst zu einem neuen Kulturerlebnis, das die Musikgeschichte revolutionierte. Der Karneval wurde zur Geburtsstätte der Oper – ein Spektakel für Zehntausende, die aus ganz Europa in die Lagunenstadt strömten.

„Ich spiele nicht die Musik, sondern die Musik spielt mich“ – Rüdiger MENG komponiert in Echtzeit
Rüdiger Meng am Klavier

MENG - The Art Of LiveComposition
„Ich spiele nicht die Musik, sondern die Musik spielt mich“ – Rüdiger MENG komponiert in Echtzeit

Wenn er sich ans Klavier setzt, ist alles möglich. Rüdiger MENG komponiert live auf der Bühne – ohne Netz, ohne doppelten Boden. Damit hat er schon Musiklegenden wie Quincy Jones, Phil Collins oder Simply Red beeindruckt. Im Interview mit Klassik Radio-Redakteurin Farah Losch erzählt er, warum diese Form der Live-Komposition für ihn die höchste Disziplin ist – und ein klares Statement gegen KI und durchgeplante Shows.

Klassik Radio - Deutschland nationalKlassik Radio - Deutschland national