Hits, Herzklopfen und Weihnachtszauber: Bachs Oratorium begeistert seit 300 Jahren

Hits, Herzklopfen und Weihnachtszauber: Bachs Oratorium begeistert seit 300 Jahren

Weihnachten ohne Musik von Bach? Kaum vorstellbar. Doch das Weihnachtsoratorium ist viel mehr als alte Kirchenmusik: ein clever komponiertes Meisterwerk, voller großer Gefühle, überraschender Momente – und ein echter Hit seiner Zeit. Erfahrt in diesem Artikel, wie Bach Geschichten erzählte, Melodien recycelte und ein Werk schuf, das bis heute verzaubert.

Johann Sebastian Bach Foto: Bachhaus.eisenach/CC BY-SA 3.0

Weihnachten – Kerzen, festliche Stimmung, vertraute Melodien. Kaum jemand verbindet Weihnachten so stark mit Musik wie Johann Sebastian Bach. Sein Weihnachtsoratorium (BWV 248) ist heute ein Klassiker, der Millionen von Menschen berührt. Was viele jedoch nicht wissen: Bach war dabei ein cleverer Pragmatiker – fast so etwas wie ein Popstar des Barock.

Das Oratorium entstand zwischen 1734 und 1735 in Leipzig, als Bach als Thomaskantor und Musikdirektor der Stadt beschäftigt war. Auftraggeber war die Stadt Leipzig selbst, die für die Weihnachtszeit große Gottesdienste plante. Doch statt ein komplett neues Werk zu komponieren, griff Bach auf bestehendes Material zurück: Teile des Oratoriums stammen aus früheren Kantaten, die er bereits für andere Festtage oder Auftritte geschrieben hatte. Die Musik wurde geschickt umarrangiert, Texte angepasst, neue Chöre und Instrumente hinzugefügt – ein perfektes Beispiel für kreatives Recycling.

Nikolaikirche in Leipzig
Foto: EdNurg/stock.adobe.com
Unter anderem hier wurden Stücke des Oratoriums erstmals aufgeführt: Die Nikolaikirche in Leipzig

Das Oratorium ist auf sechs Festtage verteilt, jeweils mit eigenen Kantaten: von Heiligabend über die ersten Weihnachtstage bis zum Neujahrstag. Die Musik springt zwischen überschäumender Freude, zarter Innigkeit und feierlicher Ruhe – genau wie moderne Hits, die Emotionen gezielt steuern. Bach wusste, wie man direkt ans Herz geht, ohne dass man Notenkenntnisse braucht.


Für alle Klassik Radio-Hörer wird es jetzt ganz besonders weihnachtlich: Am Donnerstag, den 25. Dezember, ab 15:00 Uhr spielen wir passend zu den Festtagen, das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach in voller Länge.


Faszinierend ist auch die Dauer: Das Werk besteht aus über 70 Einzelstücken, die Bach in weniger als einem Jahr zusammenführte. Das zeigt nicht nur seine enorme Produktivität, sondern auch, wie geschickt er bereits bekannte Musikstücke zu einer neuen, mitreißenden Geschichte verband. Chor, Orchester, Trompeten und Pauken wirken wie ein Mix der Emotionen, der noch heute begeistert – 300 Jahre später.

Aufgrund Ihrer Consent Einstellungen können Sie dieses YouTube Video nicht sehen.
Einstellungen Ändern

Und genau darin liegt die Modernität: Bach war kein musealer Komponist. Er wusste, wie man ein Publikum packt, wie man Geschichten erzählt und Gefühle weckt. Seine Musik war, anders gesagt, lebendig, clever und überraschend poppig. Wer sich heute vom Weihnachtsoratorium mitreißen lässt, erlebt nicht nur die Geburt Christi, sondern auch ein Meisterwerk an kreativer Wiederverwertung – quasi ein Barock-Remix, der bis heute funktioniert.

Vielleicht ertappt man sich beim nächsten Fest selbst dabei, wie man leise „Jauchzet, frohlocket“ summt – und merkt: Bach war schon damals ein genialer Hitlieferant, dessen Musik bis heute berührt.

Holger Hermannsen / 15.12.2025

Erhalten Sie Informationen aus erster HandBestellen Sie den Klassik Radio Newsletter

* Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis

Neueste Artikel

Klassik vs. Neoklassik: Was ist der Unterschied?
Geige und E-GeigeFoto: KI-generiert/canva

Wissenswertes: Musik und Kultur
Klassik vs. Neoklassik: Was ist der Unterschied?

Wer „Klassik" hört, denkt an Konzertsäle, Perücken und Jahrhunderte alte Meisterwerke. Wer „Neoklassik" hört, denkt eher an minimalistische Klavierläufe, sanfte Streicher und ein junges Streaming-Publikum. Wir klären die Herkunft beider Begriffe, zeigen die musikalischen Unterschiede auf und verraten, welche Sender zu welcher Klangwelt passen.

Nina Voges ist die neue Stimme am Sonntagnachmittag
Nina VogesFoto: Klassik Radio AG

Neu bei Klassik Radio
Nina Voges ist die neue Stimme am Sonntagnachmittag

Ab sofort begleitet Nina Voges jeden Sonntag von 13 bis 18 Uhr durch den Nachmittag bei Klassik Radio. Mit ihrer offenen, herzlichen Art bringt sie jede Menge Persönlichkeit und Leichtigkeit – und natürlich ganz viel Musik - ins Klassik-Radio-Land. Im Interview verrät sie, welcher Soundtrack ihr Leben begleitet, mit welchem Komponisten sie gerne einen Kaffee trinken würde und was Radio für sie so besonders macht.

Hobbit Day: Heute feiern wir mit den schönsten Mittelerde-Soundtracks
HobbitFoto: ©[ADD Photos]/stock.adobe.com

22. September
Hobbit Day: Heute feiern wir mit den schönsten Mittelerde-Soundtracks

Weltweit feiern Fans heute, am 22. September, den Hobbit Day – den Geburtstag von Bilbo und Frodo Beutlin. Für Tolkien-Liebhaber ist dieser Tag ein Fest voller Geschichten, Musik und Magie. Und was könnte besser dazu passen als die unvergesslichen Filmmusiken von Howard Shore?

Klassik Radio - Deutschland nationalKlassik Radio - Deutschland national