Anna Lapwood: Wie eine junge Organistin die Klassikwelt erobert

Anna Lapwood: Wie eine junge Organistin die Klassikwelt erobert

Kaum jemand hat in den letzten Jahren in der Klassikwelt so schnell Aufmerksamkeit erregt wie Anna Lapwood. Mit ihrer nächtlichen Orgelkunst in der Royal Albert Hall und viralen Videos als »TikTok Organistin« hat sie ein neues Publikum für die klassische Musik begeistert. Jetzt ist sie offizielle Organistin der Royal Albert Hall – und ihr Aufstieg ist mehr als inspirierend.

Anna LapwoodFoto: Roy Zuo/CC BY-SA 4.0

Die Britin Anna Lapwood wurde 1995 geboren und studierte an Magdalen College, Oxford – als erste Frau in der 560-jährigen Geschichte dieser Institution mit einem Organ‑Stipendium. Mit gerade einmal 21 Jahren übernahm sie die musikalische Leitung am Pembroke College, Cambridge, und wurde damit die jüngste Director of Music an einer Oxbridge‑University. Schon damals begann sie neben ihrer Chorarbeit eine Mission: das Publikum für die Orgel neu zu gewinnen.

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Ihre Karriere nahm eine entscheidende Wende im Jahr 2022, als sie als Associate Artist an die Royal Albert Hall berufen wurde. Dort entdeckte sie in nächtlichen Übungssessions auf der riesigen Henry Willis‑Riesenorgel die ideale Plattform: ihre Videos erreichten millionenfache Reichweite auf TikTok und Instagram – unter anderem mit Mash‑ups aus Bach, Hans Zimmer oder auch mit AC/DC‑Referenzen.

Ein Höhepunkt folgte, als der Künstler Bonobo ihre nächtliche Probe zufällig hörte und sie spontan in seinen Auftritt integrierte. 18 Stunden später stand Lapwood bei ausverkauftem Haus auf der Bühne – und das Ganze ging viral. Sie selbst bezeichnete diesen Moment später als »best moment of my life so far«.


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Parallel zu ihrem digitalen Erfolg verfolgte sie eine beeindruckende Klassik‑Karriere. Sie signierte bei Sony Classical, veröffentlichte erfolgreiche Alben wie "Luna" (2023) und "Firedove" (2025) und trat bei den BBC Proms, in der Royal Festival Hall sowie am Walt Disney Concert Hall in Los Angeles auf. Mit dabei auch Uraufführungen von Kristina Arakelyan ("Toccata") und Max Richters "Cosmology", performt mit Philharmonia Orchestra und André de Ridder.

Lapwood nimmt den Dialog mit dem Publikum ernst. In Konzerten erklärt sie Werkideen, erzählt von ihrer Leidenschaft – ein Stil, der Klangliebhaberinnen ebenso anspricht wie Technik‑ und Filmfans. Sie sagt selbst, dass sie klassische Musik entziffern helfen möchte – durch #playlikeagirl‑Initiativen, Workshops für Mädchen, jährliche Bach‑a‑thon‑Events in Cambridge und Unterstützung junger Komponistinnen.

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Im Mai 2025 wurde sie zur ersten offiziellen Organistin der Royal Albert Hall ernannt. Sie plant offene Sessions, Outreach‑Programme und sogar ein ganzes ganz‑nacht‑Prom – ein Pionierprojekt, das klassische Orgelmusik in neue Dimensionen führen soll.

Noch vor ihrem Ausscheiden als Pembroke‑Collegedirektorin im Sommer 2025 zeigte sie, dass sie Grenzen überschreitet – musikalisch und auch auf eine gewisse Weise gesellschaftlich. Ihre Kombination aus hohem musikalischem Niveau, medienwirksamer Präsenz und ihrer Wirkung auf eine neue Zielgruppe macht Anna Lapwood zu einem Phänomen unserer Zeit. Für alle, die klassische Musik lieben oder kennenlernen möchten, ist sie eine der spannendsten Figuren.

Holger Hermannsen / 20.07.2025

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