Besonderes Projekt: Musical auch für Gehörlose 

Inklusion Besonderes Projekt: Musical auch für Gehörlose 

Damit auch gehörlose Menschen Musical erleben können, werden einige Vorstellungen in Augsburg von Gebärdendolmetschern übersetzt.

Inklusion am Staatstheater Augsburg Foto: Jan Fuhr

Inklusion am Staatstheater Augsburg

Jedes Jahr begeistert die Augsburger Freilichtbühne als eine der größten Freilichtbühnen Süddeutschlands tausende Zuschauer mit ihren Inszenierungen, Opern, Operetten und Musicals. Diesen Sommer können Sie das Musical “3 Musketiere” nach dem Roman von Alexandre Dumas erleben. Damit auch gehörlose Menschen in den Genuss eines Musicals kommen können, werden einige der Vorstellungen von Gebärdendolmetschern übersetzt. Wir waren für Sie vor Ort und haben uns das mal näher angesehen.

“Man kann sich das so vorstellen, dass vorne am Rand der Bühne ganz unscheinbar in schwarz gekleidet ein männlicher und eine weibliche Gebärdendolmetscherin sitzen und sowohl gesprochenes, als auch gesungenes Wort übersetzen”, erzählt Klassik Radio Moderatorin Svenja Sellnow. “Und das Besondere, die Vorstellungen werden nicht nur stoisch übersetzt, man hat das Gefühl, dass die beiden Dolmetscher mit schauspielern und ihre Emotionen in Gestik und Mimik legen. Und das ist so mitreißend, dass man kaum wegsehen kann!”

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Nicht zum ersten Mal

Seit einigen Jahren setzt sich das Augsburger Staatstheater für Inklusion ein und es ist nicht die erste Vorstellung, die für Gehörlose übersetzt wird. “Meine Frau war letztes Jahr schon bei einer gedolmetschten Vorstellung und war so begeistert, dass ich dieses Jahr einfach mitkommen musste”, erzählt einer der gehörlosen Zuschauer. “Eigentlich bin ich so gut wie taub, aber die Musik war so mächtig, dass ich die Vibrationen im Körper spüren konnte. Und auch die Farb- und Effektgewalt auf der Bühne haben mich absolut überrascht und begeistert.” 

Was allerdings eine Herausforderung für die Gehörlosen darstellt, ist der ständige Blickwechsel von Bühne zu Dolmetschern. “Daran wollen wir noch arbeiten”, sagt leitender Regisseur David Ortmann, der nach einer gedolmetschten Vorstellung in den Austausch mit den gehörlosen Zuschauern geht. “Wir müssen noch herausfinden, auf welchen Plätzen die gehörlosen Menschen den besten Blick auf Bühne und Dolmetscher gleichzeitig haben. Wir arbeiten stetig an uns.”

Und wie empfinden Hörende die Dolmetscher in der Vorstellung? “Es lenkt mich schon ab, aber auf eine positive Art und Weise”, sagt eine Zuschauerin. “Die beiden machen das mit so viel Leidenschaft, dass es richtig Spaß macht zuzuschauen. Ich finde es toll, dass Menschen, die sonst keinen Zugang zu so etwas wie einem Musical haben, die Chance haben, daran teilzuhaben und das zu erleben.”

Alle Informationen zu zukünftigen Veranstaltungen für Menschen mit Behinderung finden Sie HIER.

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