Dvoraks "Rusalka" als Pocket-Opera für alle! 

Für hörende und taube Menschen:Dvoraks "Rusalka" als Pocket-Opera für alle! 

So haben Sie Dvoraks berühmte Oper "Rusalka" noch nie gesehen: kurz, knackig & mit einer doppelten Titelrolle.

Solistin und Solist bei der Vorstellung der Pocket-Oper "Rusalka"Foto: René Jungnicke

Mitten drin statt nur am Rand!

Klingt erst einmal verrückt: eine Oper, in der die Hauptrolle gleich doppelt besetzt ist und beide Besetzungen gleichzeitig auftreten. Doch bei der Produktion der Landesbühnen Sachsen "Rusalka - Oper für alle" ist es so, und dass aus einem guten Grund. Denn zum einen wird die Nixe von einer Sängerin dargestellt und zum anderen von einer tauben Schauspielerin, die ihre Geschichte rückblickend in Gebärdensprache erklärt. "Es ist einfach ein enormer Unterschied, ob man jetzt eine Gebärdensprachdolmetscherin oder -dolmetscher für Gebärdensprache an die Seite der Bühne stellt und die, gerade bei der Oper, ein Libretto dolmetscht. Denn als Taube Person muss ich dann immer an den Rand der Bühne schauen, obwohl das Geschehen in der Mitte stattfindet. So aber läuft einfach eine Spielerin mit und ist Teil der Inszenierung", erläutert Regisseur Jeffrey Döring den Unterschied zu anderen Produktionen. "Ich glaube es hat auch noch einmal etwas anderes noch einmal im Sinne von Teilhabe, wenn eine Taube Schauspielerin auf der Bühne steht anstelle einer hörenden Dolmetscherin für das gehörlose Publikum", ergänzt er.

Neue Erkenntnisse durch Perspektivwechsel

Dabei eignet sich das Thema der "Rusalka" wie kein anderes für das Thema "Inklusion" und "Teilhabe": "Was Jaroslav Kvapil in seinem Libretto dreht, ist die Perspektive. Nämlich, dass wir nicht die Wasserfrau als das unheimliche Andere sehen, weil wir durch die Augen des Prinzen sehen, sondern wir schauen, analog zu Hans Christian Andersens "Die kleine Meerjungfrau", durch die Augen der Rusalka, der Wassernixe, uns die Welt der Menschen an und erkennen das vermeintlich Vertraute als etwas sehr Fremdartiges und in vielen Dingen auch sehr Grausames", erklärt Jeffrey Döring. Die Rusalka sei eigentlich ein sehr liebendes, unschuldiges Wesen, das von den Menschen fasziniert sei und dann festelle, mit wie vielen Regeln diese sich das Leben schwer machen - und damit auch ihr, der Rusalka, die diese nicht kennt", so Jeffrey Döring.

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Thema aktuell wie nie

"Ich glaube, diese Oper handelt ganz stark von diesem Wunsch, dazuzugehören und sich eigentlich selber Gewalt anzutun, um sich eben in eine Form zu pressen. Die Rusalka gibt ihre Stimme auf, um ein Mensch zu sein, um auf zwei Beinen zu gehen. Dieses Gefühl, sich selbst Gewalt anzutun, um sich einer Welt anzupassen, die eigentlich an sich nicht gut ist oder in sich schon gewalttätig ist, das finde ich eine sehr starke Form. Antonin Dvorak und Jaroslav Kvapil haben es auf eine sehr sensible und sehr einfühlsame Art beschrieben. Gar nicht als Anklage, sondern vielmehr als eine anrührende Geschichte, die uns vielleicht dazu sensiblisiert, wie wir miteinander umgehen wollen und welche Art von Gesellschaft wir bauen wollen (...), erläutert der Regisseur. So gesehen ist diese Oper, die eigentlich einen uralten Stoff behandelt, aktuell wie nie - im Hinblick auf Inklusion und vielleicht auch, wenn man an Instagram & Co denkt und was junge Menschen tun, um selbst dazuzugehören.

"Rusalka" in 70 Minuten auf dem Bauernhof

Ein aktuelle Stoff - und eine ungewöhnliche Inszenierung! Nicht nur im Bezug auf die doppelte Titelrolle. Denn die Premiere von "Rusalka - Oper für alle findet auf einem Bauernhof statt bzw. unter freiem Himmel im Bauernmuseum Zabeltitz in Sachsen. Als Reise-Pocket-Format möchte die Oper nämlich dorthin kommen, wo sonst kulturell nicht so viel geboten ist. Deshalb ist die Besetzung auch auf fünf Sängerinnen und Sänger und eine Schauspielerin gekürzt worden, ebenso die Dauer. Sie beträgt nur noch 70 Minuten: "Große Musikliebhaber werden sagen: 'Da fällt ganz viel weg". Ich als Regisseur sage, dass das auch die Handlung sehr verdichtet, so dass sie noch um einiges dramatischer wird und Formen wie ganz lange Chorpartien oder vermeintlich humorvolle Passagen der Konzentration zugunsten wegfallen. Ich glaube, den dramatischen Gehalt der Oper stärkt das auch sehr", ist sich Regisseur Jeffey Döring sicher.

Oper - nicht nur für Opernfans

Durch die ungezwungen Form und die absehbare Dauer eignet sich "Rusalka - Oper für alle" also auch für diejenigen, die keine eingefleischten Opernfans sind. Die Premiere findet am Samstag statt, eine weitere Vorstellung am Montag und im Oktober ist "Rusalka - Oper für alle" im Rahmen der Veranstaltung LAST CALL zur Eröffnung der Spielzeit 2023/24 an den Landesbühnen Sachsen zu sehen.

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