Frauen in der Musikbranche stärken

FrauenmusikzentrumFrauen in der Musikbranche stärken

Seit 35 Jahren unterstützt das Frauenmusikzentrum Ottensen Frauen auf ihrem Weg in die Musikwelt.

Frauen in der Musikbranche stärkenFoto: Silvia Torneden

Häufig am Mikro, aber selten am Schlagzeug

Es gibt eine Vielzahl an Musikerinnen oder Komponistinnen, die beweisen, dass die Musikbranche längst keine reine Männersache mehr ist. Auch wenn die Stimmen musikalischer Frauen immer lauter werden, sind sie im Musikbusiness seltener vertreten. Zwischen 2012 und 2019 stammen zum Beispiel nur 21,7% der 800 populärsten Stücke in den US-Charts von Frauen und nur 12,5% der Komponistinnen und Komponisten waren weiblich. Laut einer Erhebung der University of Southern California gingen zwischen 2013 und 2020 gerade einmal 143 von 1220 Grammy-Nominierungen an weibliche Künstlerinnen. „Bei den Musikerinnen können wir beobachten, dass es zwar relativ viele Sängerinnen gibt, aber wenn es zum Beispiel um Schlagzeug oder Bass geht, sind Frauen noch immer unterrepräsentiert“, erzählt Sarah Höfling vom Frauenmusikzentrums Ottensen im Gespräch mit Klassik Radio.

Es bessert sich zwar in den letzten Jahren, trotzdem sind [im Musikbusiness] noch immer relativ wenig Frauen vertreten. Das möchten wir ändern, indem wir Hemmschwellen abbauen.
Sarah Höfling vom Frauenmusikzentrums Ottensen

Noch viel Luft nach oben

Das Frauenmusikzentrum in Hamburg feiert in diesem Jahr sein 35-jähriges Bestehen. Während der Frauenwochen im Jahr 1987 wurde das Projekt ins Leben gerufen und ist bis heute deutschlandweit die einzige Institution dieser Art. Auch wenn sich in den vergangen 35 Jahren bereits vieles verbessert hat, findet Sarah Höfling, dass eine solche Einrichtung auch heute noch dringend nötig ist: „Wir möchten in einem sicheren Raum jungen Mädchen Selbstbewusstsein geben, dass sie sich auf die Bühne trauen oder auch ihre kreativen Ideen ausleben können […] Frauen sind im Musikbereich leider noch immer unterrepräsentiert. Das sieht man, wenn man auf die großen Bühnen blickt, vor allem aber auch hinter den Bühnen. Es gibt zum Beispiel immer noch wenige Tontechnikerinnen, auch wenn es sich in den letzten Jahren gebessert hat.“

Alles rund ums Musikbusiness

Neben den Proberäumen bietet die Einrichtung auch regelmäßig Workshops an. Dabei geht es nicht nur um die Künstlerinnen auf der Bühne, sondern auch um die Bereiche, die sich im Hintergrund abspielen: „Wir veranstalten Workshops von Songwriting bis hin zu Technik- oder GEMA-Workshops.“ In den Proberäumen haben die Musikerinnen außerdem die Möglichkeit, sich an Neuem auszuprobieren. „Wir haben fünf Probenräume, die voll ausgestattet sind: mit Instrumenten, Verstärker und Mischpult. Es gibt zwei große Probenräume, die auch für Bandproben geeignet sind und drei kleinere Räume, die sich zum Unterrichten und für Einzelproben eignen.“

Hannag Körner auf der Bühne beim letzten Hausbandabend des Frauenmusikzentrums
Foto: Silvia Torneden

Alle sind willkommen

Die Mitglieder der Institution nennen sich „Flinta“. Mit diesem Begriff möchte die Leitung des Zentrums alle Frauen einschließen, egal welche Sexualität sie haben oder mit welchem Gender sie sich identifizieren. In den Proberäumen des Frauenmusikzentrum finden sich die unterschiedlichsten Konstellationen und Musikrichtungen: „Bei uns proben zurzeit ca 110 Musikerinnen. Das geht von der Anfängerin bis zum Profi und von der Big Band bis zu einer kleineren Mädchenband […] Es finden sich alle Musikrichtungen von Hip Hop bis Pop, von Swing bis Jazz und auch Klassik ist hier vertreten.“

Die Türen des Frauenmusikzentrums stehen für alle Frauen offen: „Wir haben noch Platz für weitere Musikerinnen und neue Mitglieder. Wir freuen uns über jede, die mal vorbeiguckt, sich alles anschaut und im besten Fall bleibt.“

Erhalten Sie Informationen aus erster HandBestellen Sie den Klassik Radio Newsletter

* Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis

Neueste Artikel

Musik als Medizin für Körper und Geist
Person mit Kopfhörern sitzt am Fenster, draußen fällt Schnee, entspannte Atmosphäre

Musik & Gesundheit
Musik als Medizin für Körper und Geist

Wer kennt es nicht: Der Tag war lang, der Kopf ist voll. Kein Wunder, dass mehr als 60% der Deutschen angeben, sich regelmäßig gestresst zu fühlen. Sport hilft, Meditation auch – aber manchmal reicht es einfach, die richtige Musik aufzulegen. Was dabei in Körper und Geist passiert, ist erstaunlicher als man denkt.

„Ein fast perfekter Antrag“: Heiner Lauterbach findet – seine Filmfigur passt zu Bach
Heiner Lauterbach als Walter in "Ein fast perfekter Antrag"

„Ein fast perfekter Antrag“: Heiner Lauterbach findet – seine Filmfigur passt zu Bach

Griesgram mit Gefühl: In „Ein fast perfekter Antrag“ spielt Heiner Lauterbach den pensionierten Ingenieur Walter – eine Figur, die für ihn ideal zu Bach und seiner Musik passt. Im exklusiven Klassik Radio Interview verrät er, was ihn am Drehbuch begeistert hat, warum er mit 60 Jahren mit dem Klavierspielen begann, und spricht über magische Konzertmomente sowie Begegnungen mit Klassikstars.

Hidden Champions der Filmmusik: Große Musik, keine Trophäe
Oscars Hidden Champions

Oscar-prämierte Filmmusik
Hidden Champions der Filmmusik: Große Musik, keine Trophäe

Jeder erkennt die Musik. Sie prägt die emotionalsten Momente der Filmgeschichte – und bleibt dennoch im Hintergrund. Unerwartete Niederlagen, überraschende Disqualifikationen und Komponisten, die eine ganze Industrie veränderten. Wurden sie ausreichend anerkannt? Wir begeben uns auf die Oscar-Spurensuche!

Klassik Radio - Deutschland nationalKlassik Radio - Deutschland national