Musiklehrer vs. App - was ist besser?

MusikunterichtMusiklehrer vs. App - was ist besser?

Immer weniger Menschen wollen Musiklehrer werden. Stattdessen gibt es immer mehr Apps die einem Musik beibringen wollen.

Mutter und Kind am Klavier Foto: Unsplash

Fachkräftemangel

 "Menschen brauchen Musik, und Musikschulen werden mehr denn je gebraucht", sagt der Bundesvorsitzende des Verbandes deutscher Musikschulen (VdM), Friedrich Koh-Dolge. Aber es gibt ein Problem: Immer weniger Menschen wollen Musiklehrer werden. Denn die Arbeitsbedingungen haben sich verschlechtert, unsichere Beschäftigungsverhältnisse und unzureichende Vergütungsstrukturen machen den Beruf unattraktiver. 

Wir haben bei Klavierlehrerin, Konzertpianistin und Dozentin für Klavier an der Universität Augsburg Margit Henschel nachgefragt, wie es in der Praxis aussieht. Sie bestätigt: “Tatsächlich gibt es einen Fachkräftemangel bei Lehrern für Orchesterinstrumente. Das liegt auch daran, dass die meisten Orchestermusiker lieber selbst spielen als unterrichten wollen. Klavier hingegen ist kein Orchesterinstrument. Und bei Klavierlehrerin herrscht kein Mangel, sondern eher noch ein Mangel an Stellenangeboten.”

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Lernen über App

Immer mehr Menschen lernen ein Instrument auch per App. Vor allem seit der Coronapandemie geht der Trend, ein Instrument mit digitalen Helfern zu lernen steil nach oben. Einige Apps hören aktiv zu und geben Feedback, die anderen sind reine Lernvideos und geben keine Rückmeldung. 

Dabei kann eine App tatsächlich den Zugang zum Instrument erleichtern, sagt Margit Henschel: “Um überhaupt mal zu schauen, ob das Instrument was für mich ist, ist der Start mit einer App absolut sinnvoll. Ebenfalls kann man sich mit Hilfe einer Klavier-App beispielsweise alle Klaviertechniken anschauen und beibringen, wie unter anderem die richtige Handhaltung, wie man mit der Armgewichtung umgeht oder wie man einen Ton richtig anschlägt. All das kann man wunderbar mit einer App lernen”.

Aber die App hat eben auch ihre Grenzen.

Was die App nicht kann

“Jeder Musiker hat eine individuelle Tonsprache. Ein Chopin, Brahms oder Beethoven wird bei jedem etwas anders klingen. Wie ich als Schüler meine eigene Tonsprache herausfinde, dabei kann mir keine App helfen, dabei benötigt es individuelle Unterstützung.”

Und was macht einen guten Klavierlehrer aus? Genau das, er findet gemeinsam mit dem Schüler heraus, wie dieser selbst Musik interpretiert, wie seine eigene Sprache der Musik ist. Und deswegen ist es auch besonders wichtig, den richtigen Lehrer oder die richtige Lehrerin für sich zu finden. “Das geht natürlich am besten über Mund- zu Mundpropaganda”, sagt Margit Henschel. “Ich muss mir den Lehrer genau anschauen, ob dieser zu MIR passt. Und da sollte man auf jeden Fall auch die ein oder andere Probestunde bei verschiedenen Lehrern nehmen.” 

Dann steht einem Musikunterricht, der auch Spaß macht nichts mehr im Wege!

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