Musiklieferdienst bringt statt Pizza Konzerte:

Für Kulturhungrige:Musiklieferdienst bringt statt Pizza Konzerte:

Wenn die Menschen nicht ins Konzert gehen können - kommen die Konzerte zu ihnen. Mit dem Musiklieferdienst der Kammerphilharmonie Frankfurt

Musiklieferdienst bringt statt Pizza Konzerte:Foto: Johannes Berger, Kammerphilharmonie Frankfurt

Von der Idee zum Musiklieferdienst

"Die Idee ist zu uns gekommen: wir sind im November gefragt worden, ob wir in Treppenhäusern spielen können, weil es doch jetzt so kalt wird und wir nicht mehr draußen spielen können, wie wir das bisher gemacht haben. Und ich dachte mir: was für eine tolle Idee. Dann machen wir so eine Art Lieferdienst", erzählt Nicola Vock begeistert. Sie ist die Initiatorin des Projekt, außerdem Geschäftsführerin der Kammerphilharmonie Frankfurt und spielt selbst Kontrabass. 

Minikonzerte am Sonntagnachmittag

Jeden Sonntag zwischen 15 und 18 Uhr ziehen Teams mit ein bis zwei Musiker*innen aus dem Ensemble durch Frankfurts Viertel und geben Konzerte von ca. 10 Minuten in den Treppenhäusern. Dabei ist es für das Publikum wichtig, sich schnell einen Termin im jeweiligen Viertel zu sichern, denn die "Lieferungen" sind schnell ausgebucht. "Wir geben vier Häusern eine feste Zusage und dann nehmen wir Leute noch dazu, wenn wir merken, wir können noch zu mehr Häusern fahren. Je nachdem wie die Route ist: wenn die Häuser weiter weg voneinander sind, schaffen wir weniger, wenn sie näher beieinander sind, mehr."

Der Musiklieferdienst in Aktion

Aufgrund Ihrer Consent Einstellungen können Sie dieses YouTube Video nicht sehen.
Einstellungen Ändern

Nachbarschaftspflege mit Musik

So kamen an einem Sonntag schon sieben Konzerte zusammen. Dabei wird darauf geachtet, dass die jeweiligen Musiker*innen in ihren jeweiligen Vierteln oder in der Nähe davon spielen, zum einen, um keinen langen Anfahrtsweg zu haben, zum anderen, weil die Nachbarschaftspflege so ein schöner Nebeneffekt ist. Das Programm stellen dabei die Musiker*innen dabei selbst zusammen: "Z.B. habe ich ein Duo mit einer Flötistin und wir haben dann ein arabisches Volkslied, ein Flötenkonzert von Vivaldi und O Sole Mio. Also wir versuchen, dass das ganze auch genreübergreifend ist", erklärt Nicola Vock.

Zauberhafte Resonanz

Die Resonanz ist jedenfalls überwältigend: "Mich hat das teilweise schon überwältigt, schon als wir nur in der Buchungsphase waren, waren die Nachrichten so berührend, unheimlich schön. Und wenn die Leute sich bedanken, nach einem Konzert. (...) Bisher ist es einfach zauberhaft, was an Verbindung entsteht und was wir da zurückbekommen", berichtet die Initiatorin. 

Zwei Musikerinnen des Musiklieferdienstes
Foto: Johannes Berger, Kammerphilharmonie Frankfurt

Warmherziger Empfang

Dabei denken sich die Gastgeber immer wieder ganz besondere Dinge aus, mit denen sie die Musiker*innen empfangen. An Valentinstag z.B. hatten die Hausbewohner alles mit Herzen geschmückt, Kerzen aufgestellt und es wurde im Dunklen gespielt.
Die Konzerte sind für das Publikum kostenlos, das Kulturamt Frankfurt finanziert die Aktion. Eine Spende ist natürlich gerne gesehen, manchmal gibt es aber auch Sekt oder Schokolade oder eine andere Aufmerksamkeit  - auch hier ist das Publikum sehr unterschiedlich und einfallsreich. 

Schöne musikalische Aussichten

Bis Ende März gibt es die Treppenhauskonzerte noch. Sollte der Bedarf im kommenden Herbst noch da sein, wird der Musiklieferdienst wieder unterwegs sein. Vielleicht mit neuen Mitstreiter*innen, denn zahlreiche Musiker*innen aus anderen Ensembles seien interessiert, bei der Aktion mitzumachen, berichtet Nicola Vock. Nun freut sich die Kammerphilharmonie Frankfurt erstmal auf den Frühling und Sommer, in dem sie ihre Konzerte wieder unter freiem Himmel spielen können.

(08.03.2021/ K.Jäger)

Erhalten Sie Informationen aus erster HandBestellen Sie den Klassik Radio Newsletter

* Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis

Neueste Artikel

„Ich versuche, nicht darüber nachzudenken“ – Spielen auf dem teuersten Instrument der Welt
Amihai Grosz

Erster Solobratscher der Berliner Philharmoniker:
„Ich versuche, nicht darüber nachzudenken“ – Spielen auf dem teuersten Instrument der Welt

Heute Abend erklingt beim Konzert der Berliner Philharmonikern das wertvollste Instrument der Welt: die MacDonald-Viola von Stradivari - sie soll für über 23 Millionen Dollar versteigert worden sein. Gespielt wird sie vom ersten Solo-Bratscher Amihai Grosz. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie es sich anfühlt, auf so einer teueren Bratsche zu spielen, ob man nicht ständig in Sorge ist und was den Klang so besonders macht.

5 Urlaubsziele, die weltberühmte Komponisten inspirierten
Insel Staffa, Teil der Hebriden, Schottland

Auf den Spuren der Komponisten
5 Urlaubsziele, die weltberühmte Komponisten inspirierten

Es ist Urlaubszeit. Zeit andere Kulturen und Landschaften kennenzulernen. Auch bekannte Komponisten, wie Gustav Mahler und Frédéric Chopin, wussten um die Inspiration durch ferne Orte.

Lang Lang wird 44: Wie ein Junge aus China zum Superstar der Klassik wurde
Lang Lang

Lang Lang wird 44: Wie ein Junge aus China zum Superstar der Klassik wurde

Er ist einer der berühmtesten Pianisten der Gegenwart: Lang Lang hat die großen Bühnen der Welt erobert und zugleich Millionen Menschen erreicht, die mit klassischer Musik zuvor kaum Berührung hatten. Wie aus einem hochbegabten Kind mit außergewöhnlichem Ehrgeiz ein Künstler wurde, der wie kaum ein anderer für die moderne Seite der Klassik steht.

Klassik Radio - Deutschland nationalKlassik Radio - Deutschland national