Die Wahre Geschichte der Woche: Dag Hammarskjöld

Ausgewählt von Daniel Regener Die Wahre Geschichte der Woche: Dag Hammarskjöld

Jede Woche wählt ein Mitglied aus der Redaktion eine persönliche Wahre Geschichte der Woche aus und verleiht ihr eine besondere Note.

Die Wahre Geschichte der Woche: Dag HammarskjöldFoto: Klassik Radio

Diese Woche kommentiert Daniel Regener:

Wer kennt heute noch den Friedensnobelpreisträger und frühen UN-Generalsekretär, der 1961 bei einem Attentat ums Leben kam? 

 

Für mich als Kind der 80er lässt sich die Aufbruchsstimmung der 50er Jahre nur erahnen, und das meine ich nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, die ist relativ vorhersehbar. Ich meine die Suche nach einem nationenübergreifenden Frieden, den Wunsch nach dauerhaften Bündnissen und Verträgen, die dem vorangegangenen unbeschreiblichen Gräuel effektiv entgegenstehen. Ich meine die Sehnsucht nach einem Organ und Instrument, das Frieden sichert und schafft. Aus dieser Gemengelage sind letztendlich auch die Vereinten Nationen hervorgegangen. 

 

Mehr Krieg als Frieden 

Man kann sich vorstellen, dass jenen friedensstiftenden Kräften genügend Gegenkräfte entgegenwirkten und immer noch -wirken. Allein 2020 gab es 29 Kriege und bewaffnete Konflikte (und das nur die offiziell anerkannten). In den letzten 3500 Jahren Menschheitsgeschichte gab es schätzungsweise nur 250 Jahre mit Frieden. Bitte einen Moment innehalten und vergegenwärtigen! 

Welch großes Ziel also ist und bleibt die Suche nach einem Weg für den Weltfrieden! Immer noch! 

Still, aber viel zu sagen 

Und umso wichtiger, wenn es Menschen gibt, die sich dafür einsetzen. Einer davon war der schwedische Diplomat und dritte Generalsekretär der Vereinten Nationen: Dag Hammarskjöld. 

Kaum jemand kennt ihn heutzutage mehr, was höchst betrüblich ist – aber gleichzeitig auch für ihn spricht, denn es lag fern seines Tuns und Denkens, seine eigene Persönlichkeit in den Vordergrund zu rücken. Umso tragischer ist es, dass er nach kurzer Amtszeit Opfer eines gezielten Flugzeug-Attentats in Nordrhodesien wurde, gerade als er im damals wütenden Kongo-Konflikt vermitteln wollte. 

Dag Hammarskjöld
Foto: Gemeinfrei

Ein Mensch mit Haltung und Gehalt 

Wer sich mit der Person Hammarskjöld beschäftigt, dem offenbart sich eine beeindruckende Persönlichkeit, wie sie selten in der Weltgeschichte zu finden ist. Der parteilose (posthume) Friedensnobelpreisträger war nicht nur ein fähiger Minister und Diplomat, er war auch ein guter Beobachter und weitblickender Denker. Ein selbstkritischer Geist mit großer Menschenkenntnis, tiefem ethisch-religiösen Verständnis und liebendem Weitblick. Eine Kombination, die ganz selten im politischen Geschäft ist. Eine Ahnung seiner Gedankenwelt bekommen wir, wenn wir sein geistliches Tagebuch lesen, „Zeichen am Weg“, ein Manuskript, das er über 30 Jahren bei sich trug und all seine Beobachtungen darin niederschrieb oder auch in Verse verwandelte. Notizen, Gedanken, Gedichte, uns eröffnet sich eine spannende Mischung aus Erinnerung, Dichtung und Wahrheit. 

Ich frage mich...

Als ich das erste Mal von Dag Hammarskjöld las und mehr über den Menschen Hammarskjöld recherchierte, war ich sehr berührt. Und ich frage mich: Warum kennt man ihn heute kaum noch? 

Und warum gibt es heutzutage so wenige integre Persönlichkeiten wie ihn in (politischen) Schlüsselpositionen? 

 

Herzlich 

Daniel Regener 

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