Die Wahre Geschichte der Woche: Hühnerfutterrede

Ausgewählt von Klara JägerDie Wahre Geschichte der Woche: Hühnerfutterrede

Jede Woche wählt ein Mitglied aus der Redaktion eine persönliche Wahre Geschichte der Woche aus und verleiht ihr eine besondere Note.

Meine Wahre Geschichte mit Klara Jäger Foto: Klassik Radio

Diese Woche kommentiert Klara Jäger:

Eigentlich heißt es ja: „Miteinander reden hilft!“ Das stimmt grundsätzlich auch, nur manchmal kann es auch dabei zu Kommunikationsschwierigkeiten, Fehlinterpretationen und Missverständnissen kommen. Besonders, wenn dann noch verschiedene Sprachen ins Spiel kommen. So wie bei der Wahren Geschichte der Woche. In der hat ein Übersetzungsfehler eine ganze Kettenreaktion ausgelöst, unter anderem einfallsreiche Bäcker und eine Entlassung.

Hat mich direkt angesprochen, weil ich ausgerechnet „Übersetzen und Dolmetschen“ studiert und vieeel Zeit mit der Suche nach der richtigen Wortwahl und den passenden Ausdrücken verbracht habe.

Ein Übersetzungsfehler kann viel ausmachen

Die Übersetzung kann schließlich im Zweifel über sehr viel entscheiden: in dem Fall der „Hühnerfutterrede“ führte sie nämlich tatsächlich dazu, dass 1948 der CSU-Mitbegründer und Direktor der Verwaltung für Wirtschaft, Johannes Semler, seinen Posten verlor. Zumindest war indirekt ein Übersetzungsfehler daran schuld. Aber von vorn.

Der Zweite Weltkrieg war zwar schon drei Jahre vorbei – doch im weitgehend zerstörten Deutschland hungerte die Bevölkerung in Deutschland immer noch. So fragte die amerikanische Besatzungsmacht in ihrer Zone nach, welche Nahrungsmittel denn am nötigsten gebraucht würden. Die Antwort war „Korn!“ Statt Brot für Getreide verstanden die Amerikaner aber „Corn“ – ein Begriff, der im US-Englisch meist mit „Mais“ übersetzt wird. Und den schickten sie dann auch großzügig nach Deutschland.

Viel Lärm um nichts

Dort verzweifelten die Bäcker an den Getreiderationen, die aus Mais und Maismehl bestanden. Sie waren zwar einfallsreich und versuchten, daraus annehmbares Brot zu backen. Doch so wirklich erfolgreich waren sie damit nicht. Und so ist es wenig verwunderlich, warum mit Johannes Semmler an jenem Tag das Temperament mit ihm durchging und er gegen das „Hühnerfutter“ wetterte, für das man sich jetzt auch noch bedanken müsse.

Die Amerikaner wiederum waren erzürnt: schließlich hatten sie genau das geliefert, was gewünscht worden war. Und so endete Semmlers Dienst als Verwaltungsdirektor recht schnell.

Viel Lärm und Ärger um nichts also – der sich durch einen guten Übersetzer oder eine gute Übersetzerin leicht hätte vermeiden lassen ?

Herzliche Grüße

Ihre Klara Jäger

(02.04.2022/K. Jäger)

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