Zwei Schülerinnen des Vivaldiprojekts in Aktion
Daniela Hölbling, Vivaldi Projekt Graz
Zwei Schülerinnen des Vivaldiprojekts in Aktion
Win-Win-Situation für alle:

Vivaldi-Projekt Graz fördert Kinder & Studierende

Hier profitieren beide Seiten: Kinder bekommen dabei kostenlos Einzelmusikunterricht und Musikstudierende sammeln Unterrichtserfahrung.

Von Düsseldorf nach Graz

Die Idee zu dem Projekt brachte Daniela Hölbling, Geigerin und Pädagogin am Johann-Joseph-Fux Konservatorium in Graz aus Düsseldorf mit: "Ich hatte im Rahmen meines Studiums die wundervolle Möglichkeit, die Initiatorin des Projekts, Frau Professor Ida Bieler und mit ihr das Projekt vor Ort kennenzulernen und in meiner Begeisterung dafür habe ich es einige Jahre später, hier am Konservatorium Graz, vorgeschlagen", berichtet sie.

Drei auf einen Streich

Dabei arbeiten drei unterschiedliche Institutionen miteinander: die Kunstuniversität Graz, allen voran das Institut für Saiteninstrumente: dort wurden die Studierenden ausgewählt, die bei dem Projekt unterrichten, das Konservatorium Graz: dort arbeitet nicht nur die Leiterin des Projekts, Daniela Hölbling, es stellt auch die Instrumente für die Kleinen zur Verfügung und schließlich die Stadt Graz, die sich um die Räumlichkeiten kümmert, damit der Unterricht stattfinden kann.

Erfahrung und schöne Erlebnisse

Die Musikstudierenden betreuen ihre Schülerinnen und Schüler von Anfang an eigenständig, werden dabei aber von Daniela Hölbling betreut. So kann am Ende der Stunde dann Feedback gegeben werden. Die Studierenden sammeln somit praktische Unterrichtserfahrung  - und Leistungspunkte für ihr Studium im Rahmen eines freien Wahlfachs. "Also ich suche noch nach Möglichkeiten zu unterrichten und zu lernen, auch von den Schülerinnen und Schülern, damit ich selber bessere werde als Lehrerin. Aber es ist für mich auch etwas ganz Schönes, Kindern zu ermöglichen, etwas zu lernen, wozu sie sonst vielleicht keine Möglichkeit hätten", erklärt Katharina Lindl, eine der Vivaldi-Lehrenden. Sie ist begeistert von ihren  kleinen Nachwuchsmusikerinnen: "Ich habe zwei sehr motivierte und talentierte Schülerinnen, die beide das Angebot, dass sie den Unterricht gratis bekommen, sehr ernst nehmen. Sie kommen sehr gut vorbereitet, das macht großen Spaß, auch wenn man die Fortschritte sieht".

Proben und Geigenparties

Einmal wöchentlich, immer montags, findet der Geigenunterricht statt. Darüberhinaus gibt es alle sechs Wochen eine sogenannte "Geigenparty", erklärt Daniela Hölbling: "Dort können die Kinder vor Publikum bereits Gelerntes ausprobieren. Es ist eine besondere Situation hinsichtlich Auftrittsängsten, Stressbewältigung, dem "Sich-Ausprobieren-Dürfen" auf der Bühne. Aber auch hier versuchen wir im Besonderen, den über alle Nationen und über Sprachgrenzen hinweg verbindenden Charakter des gemeinsamen Musizierens hervorzuheben."

Vivaldi Projekt Graz: Geigenparty_1
Vivaldi Projekt Graz: Geigenparty_1
Vivaldi Projekt Graz: Geigenparty_1

Spielerisches Auswahlverfahren

Als vor Beginn des Projekts Anzeigen online, in Jugendzentren der Stadt und in lokalen Medien geschaltet wurden, meldeten sich zahlreiche Kinder. Einige kamen nicht in Frage, da sie ihren Lebensmittelpunkt außerhalb Graz haben oder auch anderweitig Möglichkeiten, Musikunterricht zu erhalten. Die übrigen wurden dann zu einem Auswahlgespräch eingeladen: "Da haben wir schon den musikalischen Aspekt ganz in den Vordergrund gestellt und gesungen und geklatscht und geschaut, wer sich für die Geige z.B. aus körperlichen Aspekten eignet", erklärt Daniela Hölbling. Nun üben acht Kinder zwischen vier und acht Jahren wöchentlich an der Geige.

Jeder Montag, an dem das Vivaldi-Projekt stattfindet, ist ein Besonderer!
Daniela Hölbling, Violinistin und Leiterin des Projekts

Grenzenlose Musizierfreude

Dabei sind die kleinen Geigenspieler voller Eifer bei der Sache, berichtet die Leiterin begeistert: "Wie haben ein kleines Mädchen, es ist unsere jüngste Schülerin. Sie ist erst vier. Sie kam kürzlich in den Unterricht und die betreuende Studentin war noch gar nicht fertig. Die Kleine hat sich hingestellt und gesagt: 'Auf die Plätze, fertig los!' Und sie hat einfach losgezupft. Das war ein Erlebnis: diese Musizierfreude, das einfach loslegen und zusammen starten konnte da gar nicht mehr gebremst werden und das war so ein Moment, der die ganze Woche nachgewirkt hat", erklärt Daniela Hölbling mit einem Lachen.

Ich möchte immer Geige spielen!
Anna, 7 Jahre, Teilnehmerin am Vivaldi-Projekt

Kleine Geigerinnen mit großer Begeisterung

Drei der kleinen Musizierenden sind die siebenjährige Anna, die achtjährige Marianna und die neunjährige Iris. "Das Streichen, das Zupfen, ich mag einfach alles", erklärt Anna voller Eifer. Marianna meint: "Mir gefällt es bisher richtig gut,  ein bisschen schwer ist es schon, aber wenn ich übe, werde ich es schon schaffen" und Iris schwärmt vom "schönen Klang, wenn ich Lieder spiele". Bei der Frage, ob sie auch nach dem Projekt weiterspielen werden, sind sie sich einig: "Ich werde auf jeden Fall weiter Geige spielen, denn ich möchte, wenn ich groß bin, mehrere Instrumente spielen, so wie meine Lehrerin", sagt Marianna und Anna fügt entschlossen hinzu: "Ich möchte immer Geige spielen".

Wie einst Vivaldi

Ein großer Erfolg also, das Vivaldi-Projekt - so wie damals der "rote Priester", Antonio Vivaldi, in jungen Jahren als Geistlicher und Musiklehrer die Kinder eines Waisenhauses förderte und für Musik begeisterte, springt auch hier der Funke über und sorgt für glückliche Gesichter bei Schülern, Eltern und Lehrern. Mehr Infos über dieses schöne Projekt gibt es auch auf der Website.

(20.02.23/K.Jäger)