Vom 31. Juli bis zum 2. August wird in der Jakobskirche in Nürnberg ununterbrochen Musik zu hören sein. Im Gespräch mit Klassik Radio-Redakteurin Farah Losch hat Thomas Engelbrecht vom Verband evangelischer Posaunenchöre in Bayern von seiner Idee zu dem Projekt und der Organisation des Weltrekordversuchs gesprochen.

Organisation ist das A und O. Denn damit der Rekord zählt, dürfen zwischen den Musikstücken nie mehr als zehn Sekunden Stille liegen. Doch wie kann so ein musikalischer Dauerbetrieb über mehrere Tage hinweg funktionieren? Schließlich ist das Spielen über lange Zeit hinweg anstrengend. Und selbst das Umblättern der Noten braucht Zeit.
Deshalb wurde ein besonderes Konzept entwickelt: Die drei Tage werden in Schichten von jeweils 90 Minuten eingeteilt. So bleibt der Rekordversuch nicht nur durchführbar, sondern ermöglicht den Beteiligten auch ausreichend Pausen und Schlaf.
„In diesen 90 Minuten spielen immer drei Posaunenchöre, und sie spielen immer in der Reihe. Also Gruppe 1 spielt ein Stück, Gruppe 2 spielt ein Stück, danach kommt die Gruppe 3 und dann geht es wieder von vorne los. Und nach 90 Minuten tauschen wir durch und dann kommen die nächsten drei Gruppen dran.“, erzählt Thomas Engelbrecht, der Vizepräsident Organisation & Kommunikation der evangelischen Posaunenchöre.
48 Schichten sind das insgesamt. Und um die zu füllen, sind 144 Posaunenchöre mit mehr als 1.000 Bläserinnen und Bläsern aus ganz Deutschland nötig.
„Schwerpunktmäßig kommen die aus Mittel-, Ober- und Unterfranken. Es (…) kommen beispielsweise aber auch welche aus Hamburg, aus Görlitz kommt ein Projektchor, aber auch von unserem Nachbarn aus Baden-Württemberg.“
Die Idee zu diesem Mammut-Projekt kam Thomas Engelbrecht schon vor etwa fünf Jahren.
„Posaunenchöre stehen aus meiner Sicht schon seit ganz vielen Jahren, seit vielen Generationen für Gemeinschaft, für Ausdauer, für Leidenschaft und natürlich auch für die Musik. Sie sind verbunden mit der evangelischen Kirche und irgendwann ist die Idee entstanden, warum wir das nicht einfach mal sichtbar machen können, in einer etwas anderen, in einer außergewöhnlichen Form.“
Die Posaunenchöre hätten ein „angestaubtes Image“. Dass Posaunenchöre aber mehr können als „im Gottesdienst und auf Beerdigungen“ zu spielen, soll der Weltrekordversuch sichtbar machen.
Die Vorbereitungen dazu laufen inzwischen seit zwei Jahren. Unterstützung erhält das Vorhaben dabei auch aus der Politik: Der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat die Schirmherrschaft für den Weltrekordversuch übernommen.
Während die Abläufe streng getaktet sind, gibt es bei der Musikauswahl keine festen Vorgaben. Jeder Chor gestaltet seine 30 Minuten Spielzeit innerhalb einer Schicht selbst und bringt eigene Stücke mit. Thomas Engelbrecht erzählt, dass es sich dabei vor allem um Stücke aus den Bläserheften handelt.
„Und da sind eben ganz, ganz viele tolle Stücke dabei, von einem Dieter Wendel, ist unser Landesposaunenwart, der hervorragende Musik macht, aber auch von Komponisten wie Jacob de Haan aus den Niederlanden beispielsweise.“
Aber auch viele Stücke der klassischen Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Felix Mendelssohn Bartholdy wären dabei.
Alle, die selbst mitspielen möchte, finden weitere Hinweise und Anmeldeinformationen hier.
Und, wer nicht spielen, sondern lieber eine Art kostenloses Dauerkonzert genießen will, ist ebenso herzlich willkommen. Denn für die gesamte Zeit des Weltrekordversuchs wird die Kirche geöffnet sein. Außerden gibt es noch die "ganz harten", die von der Musik gar nicht genug bekommen können und sogar in der Kirche übernachten, erzählt Thomas Engelbrecht.
„Es gibt welche, die bringen ihren Schlafsack mit und die Isomatte, haben drei Tage Urlaub genommen. Und die verweilen dann in dieser Kirche. (…) Ich auch.“
Und, wenn Sie sich schonmal auf "weltrekordverdächtige" Musik einstimmen wollen: Hören Sie doch einfach rein, in unseren kostenlosen Musik-Streaming-Sender "Best of Bach".
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