Abwechslung & Emotion beim Mandolinenorchester

Von Mozart bis Morricone: Abwechslung & Emotion beim Mandolinenorchester

Beim Kieler Mandolinenorchester steht das Instrument des Jahres im Mittelpunkt und zeigt, was es kann: zarte Klänge und große Emotionen.

Abwechslung & Emotion beim MandolinenorchesterFoto: Kieler Mandolinenorchester

Kaffeetrinken & Kleidertausch

Sie ist das Instrument des Jahres 2023: Die Mandoline! Leider oft noch ein eher unbekanntes Instrument. Dabei gibt es sogar einige Orchester, die sich darauf spezialisiert haben - z.B. das Kieler Mandolinenorchster. Silke Zilz, die erste Mandoline, hat uns erzählt, wie es enstanden ist: "1947 haben sich einige Freunde beim Kaffeetrinken zusammengefunden und Musik gemacht. (...) Die haben dann mit Mandolinen, Gitarre und Waldzitter einfach angefangen zu spielen. Um an die Instrumente zu kommen, wurde damals, kurz nach dem Krieg, Tauschhandel durchgeführt. Also meine Omi Ilse, die Gründerin dieser Gruppe war, die dann zu einem Orchester irgendwann zusammengewachsen ist, die war Schneiderin und hat dann Hemden genäht und diese Hemden gegen eine Gitarre eingetauscht", berichtet Silke Zilz, die erste Mandoline des Orchesters."

Es darf getanzt werden!

Das Repertoire des Orchesters ist groß: viele italienische Melodien aus der Heimat der Mandoline, aber auch Ausschnitte aus Filmmusiken, Musicals bis hin zu Walzern. Doch auch z.B. Stücke von Mozart sind dabei. Wichtig ist den Mitgliedern dabei, dass dabei Emotionen vermittelt werden: von traurig-melancholisch über Freude bis hin zum Urlaubsgefühl wird dabei die ganze Gefühlspalette abgebildet. Dementsprechend lebendig ist auch die Atmosphäre bei Konzerten: "Grade zu den Weihnachtskonzerten wird auch viel mitgesungen. Wir möchten das auch gerne, dass die Zuhörer dann teilnehmen an dem Konzert, also dass man da nicht nur einfach sitzt, sondern dass der Funke dann überspringt. Manchmal wird bei den Walzern z.B. aufgestanden und getanzt.  Das finde ich ganz toll, weil es den Rahmen eines ganz steifen Konzerts vollkommen durchbricht", berichtet Silke Zilz.

Spontane Stillpause im Konzert

So ist es dann auch keine Katastrophe, wenn einmal etwas Unvorhergesehenes passiert: "Eine Gitarrenspielerin hatte gerade ein Kind bekommen und wir mussten ein Konzert spielen. Das Kind musste gestillt werden und der Mann kam mit dem Kind vorbei. Das fing dann an zu schreien und wir waren eigentlich noch gar nicht in der Pause. Doch der Dirigent sagte einfach : 'So wir ziehen jetzt die Pause vor, dass ist jetzt die Stillpause'", erzählt Silke Zilz mit einem Lachen. "Sowas passiert dann auch mal".

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Konzert in geborgter Kleidung

Auch ein anderes Mal musste das Kieler Mandolinenorchester sehr flexibel agieren - bei einem Winterkonzert: "Das Atrium war nicht geheizt und das bei gefühlt minus zehn Grad - dort konnte man definitiv kein Konzert geben. Doch weil in der Nachbarschaft die DRK-Kleiderkammer war, sind wir in die Kleiderkammer und haben uns dort Kleidungsstücke ausgesucht. So saßen wir in völlig unpassenden, viel zu großen und farblich überhaupt nicht abgestimmten Klamotten in diesem Konzert und haben besonders schnell gespielt, damit es bald zu Ende war. Im Nachhinein müssen wir immer noch herzhaft darüber lachen", erzählt Silke Zilz.

Mehr Mandolinenorchester im Süden als im Norden

Auch wenn die Mandoline als Instrument nicht unglaublich bekannt ist, es gibt dennoch einige Mandolinenorchester: "Hier in Kiel gibt es ein weiteres Mandolinenorchester. Aber im Norden Deutschlands gibt es deutlich weniger Mandolinenorchester als in Süddeutschland. Jedes Orchester hat seinen eigenen Stil und seine eigene Ausdrucksweiter, allein hier in Kiel sind es zwei sehr unterschiedliche Orchester", erklärt Silke Zilz.

Auch in Konzen gibt es ein Mandolinenorchester:

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Mandoline fehlt der Nachwuchs

Allerdings: der Nachwuchs fehlt. Denn Mandolinenunterricht wird nicht so oft angeboten wie beispielsweise Unterricht für Klavier, Geige oder Gitarre und bei der Frage, welches Instrument man lernen will, haben viele die Mandoline gar nicht auf dem Schirm. Ein Umstand, der sich hoffentlich durch die Ernennung der Mandoline zum "Instrument des Jahres" ändert. Wer Interesse hat, auch als Gitarrenspieler oder Gitarrenspielerin dem Orchester beizutreten, weitere Infos gibt es auf der Website. Silke Zilz kann das Musizieren im Orchester nur empfehlen: "Jeder, der in einem Orchester spielt, hat das vielleicht schon erlebt: ich bin manchmal ganz glücklich und gehe nach den Proben erfüllt nach Hause und denke: 'Oh, war das ein schöner Abend.' Das ist das, was man dann auch im Zusammenspiel erleben kann, gerade auch in einem Mandolinenorchester."

Viel Gefühl und leichtes Gewicht

Und was macht die Mandoline als Instrument so besonders? "Die Mandoline ist ein Instrument mit Tradition. Man kann es alleine oder auch in Begleitung von anderen Instrumenten. Der Klang kann so viele Gefühle ausdrücken: mal zart, mal kräftig. Trotzdem wird die Mandoline nie zu laut sein.  Wenn jemand anfangen möchte, ein Instrument zu spielen, eignet sich die Mandoline hervorragend. Egal, wie am Anfang die Töne oder Misstöne sind: die Nachbarn werden nicht durch eine hohe Lautstärke behelligt. Die Mandoline ist klein, leicht und handlich, man kann sie schon als Kind schon überall mithintragen und sie hat im Prinzip die gleiche Griffweise wie eine Violine," schwärmt Silke Zilz. Ein tolles Instrument also - die Mandoline. Vielleicht bekommt sie durch den Titel als Instrument des Jahres nun auch die Aufmerksamkeit, die sie verdient.

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