Ausraster berühmter Musiker und Komponisten: Wenn die Musik verstummt und die Fäuste fliegen

Ausraster berühmter Musiker und Komponisten: Wenn die Musik verstummt und die Fäuste fliegen

Die klassische Musikszene ist geprägt von Eleganz und Disziplin, doch hinter den Kulissen brodelt es manchmal gewaltig. Der Skandal um Stardirigent John Eliot Gardiner ist nur der jüngste in einer langen Reihe von bühnenreifen Wutanfällen.

John Eliot GardinerFoto: ©Maciej Schumacher

Jüngst hat der Skandal um Sir John Eliot Gardiner die Musikwelt erschüttert. Der Gründer des Monteverdi Choir und Orchestras hat nach einer Prügelei mit dem Sänger William Thomas sein Dirigat niedergelegt. Doch Gardiner ist nicht der erste und wohl auch nicht der letzte große Musiker, der die Beherrschung verliert. Hier sind einige der berühmtesten Ausraster in der Geschichte der klassischen Musik:

Beethoven vs. Salieri: Streit unter Giganten

Ludwig van Beethoven war nicht nur für seine meisterhaften Kompositionen, sondern auch für sein aufbrausendes Temperament bekannt. Ein denkwürdiger Vorfall ereignete sich während eines Konzerts in Wien, als Beethoven mit dem Hofkapellmeister Antonio Salieri aneinandergeriet. Beethoven war unzufrieden mit der Leistung des Orchesters unter Salieris Leitung und ließ seinem Ärger freien Lauf. Der öffentliche Streit erregte damals enormes Aufsehen in der Öffentlichkeit - und zeigt, dass selbst musikalische Genies die Kontrolle verlieren können.

Igor Stravinsky und der Skandal von "Le Sacre du Printemps"

Auch das Publikum neigt hin- und wieder zu Entgleisungen: Der Skandal um die Uraufführung von Igor Stravinskys "Le Sacre du Printemps" im Jahr 1913 ist legendär. Die Zuschauer in Paris waren derart entsetzt über die neuartige Musik und Choreografie, dass es zu lautstarken Tumulten und regelrechten Schlägereien kam. Obwohl die Musiker auf der Bühne keine direkten physischen Auseinandersetzungen hatten, mussten sie die Aufführung mehrmals unterbrechen. Stravinskys Werk wurde zunächst verurteilt, hat sich aber über die Zeit längst rehabilitiert und gilt heute als innovatives Meisterwerk.

Dirigierstab auf Noten
Foto: ©[Gabrièle]/stock.adobe.com
"Warum dirigiere ich das überhaupt?" Leonard Bernstein war mit Glenn Goulds Interpretation von Brahms absolut unzufrieden.

Glenn Gould vs. Leonard Bernstein: Ein ungleicher Zwist

Eine der denkwürdigsten Auseinandersetzungen in der modernen Musikgeschichte ereignete sich 1962 zwischen dem kanadischen Pianisten Glenn Gould und dem Dirigenten Leonard Bernstein. Gould spielte Brahms' Klavierkonzert Nr. 1 so unkonventionell, dass der berühmte Komponist („West Side Story“) sich persönlich angegriffen fühlte. Vor dem Konzert hielt Bernstein eine Ansprache an das Publikum, um sich öffentlich von Goulds Interpretation zu distanzieren. "Ich habe noch nie so eine langsame und leise Interpretation dieses Klavierkonzerts gehört. Das bringt mich zu der interessanten Frage: Warum dirigiere ich das überhaupt?" Die harschen Worte des Stardirigenten dürften Pianisten Gould durchaus verletzt haben.

Carlo Maria Giulini und Herbert von Karajan: Künstlerische Differenzen

Auch zwischen Carlo Maria Giulini und Herbert von Karajan kam es zu Spannungen. Während der Proben zu einem gemeinsamen Konzert bei den Salzburger Festspielen im Jahr 1968 hatten die beiden Dirigenten unterschiedliche Ansichten über die Interpretation von Mozarts Requiem. Die Situation eskalierte so weit, dass Giulini die Proben verließ und Karajan das Konzert allein dirigieren musste. Eine gekränkte Künstlerseele hat doch ihren Stolz.

Hinter der so makellos erscheinenden Fassade der klassischen Musikszene gären oft Spannungen und Konflikte. Und manchmal reicht nur ein kleiner Funke, dass selbst die diszipliniertesten Künstler die Beherrschung verlieren – sehr zum Staunen und manchmal auch zum Entsetzen des Publikums. Wie beruhigend kann da doch eine schöne Sonate oder eine entspannende Symphonie sein. Bei Klassik Radio haben wir die besten Stücke für ihre innere Harmonie zusammengestellt.

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