Wer abends zu Musik einschläft, kennt das Phänomen: Ein Song bleibt im Kopf, dreht sich im Kreis – und der Schlaf lässt auf sich warten. Im Sommer, wenn es draußen lange hell bleibt und die Nächte kaum abkühlen, verschärft sich das noch. Eine Studie der Baylor University hat untersucht, warum das passiert und welche Musik das Gehirn stattdessen wirklich zur Ruhe bringt. Die Antwort überrascht.

24 Jahre verbringen wir im Durchschnitt damit zu schlafen – Zeit, in der unser Körper regeneriert, Eindrücke verarbeitet und neue Energie tankt. Kein Wunder also, dass die Frage, wie man am besten in den Schlaf findet, Wissenschaftler seit Jahrzehnten beschäftigt.
Franz Schubert löste das Problem auf seine eigene Weise: Er soll immer mit einer Brille auf der Nase und Notenblatt und Stift neben dem Bett geschlafen haben – bereit, jede nächtliche Eingebung sofort festzuhalten. Für die meisten von uns ist die Nacht jedoch weniger kreativ und mehr ein Kampf gegen Gedankenkarusselle, Ohrwürmer und schlechten Schlaf.
Genau diesen Ohrwürmern hat sich Michael Scullin, Schlafforscher an der Baylor University, in einer 2021 im Fachjournal Psychological Science erschienenen Studie gewidmet. Sein Ausgangspunkt war denkbar persönlich: Er selbst wachte regelmäßig mit einem Song im Kopf auf – und schlief danach schlecht. Was folgte, war eine der bislang detailliertesten Untersuchungen zum Zusammenhang von Musikhören und Schlafqualität.
In einem ersten Schritt befragte sein Team knapp 200 Personen zu ihren Schlaf- und Musikhörgewohnheiten. Das Ergebnis war eindeutig: Wer regelmäßig – mindestens einmal pro Woche – mit einem Ohrwurm einschläft oder nachts davon geweckt wird, hat sechsmal häufiger eine schlechte Schlafqualität als Menschen, die dieses Phänomen kaum kennen. Im Schlaflabor wurden anschließend 50 Versuchspersonen gezielt mit ohrwurmträchtigen Popsongs konfrontiert – Taylor Swifts Shake It Off, Carly Rae Jepsens Call Me Maybe, Journeys Don't Stop Believin' – während ihre Hirnaktivität, Herzrate und Atmung via Polysomnographie gemessen wurden. Das Ergebnis bestätigte: Das Gehirn verarbeitet Musik weiter, auch wenn längst Stille herrscht.
Besonders aufschlussreich war ein unerwarteter Nebenbefund: Nicht die Versionen mit Text, sondern die rein instrumentalen Varianten derselben Songs lösten noch mehr Ohrwürmer aus – wohl weil das Gehirn ohne Lyrics aktiver nach melodischer Struktur und Vervollständigung sucht. Was die Studie also zeigt: Nicht ein bestimmtes Genre ist das Problem, sondern eingängige, refrainstarke Melodien, die sich im Gedächtnis festsetzen
Einen direkten Genrevergleich hat die Baylor-Studie nicht durchgeführt. Was sie aber indirekt nahelegt: Musik, die keine Refrains zum Wiederholen anbietet, keine melodischen Erwartungen aufbaut und das Gehirn nicht in einen Verarbeitungsloop zieht, stört den Schlaf weniger. Klassische Werke mit langsamen Tempi, fließenden Harmonien und offenen Klangflächen erfüllen diese Kriterien von Natur aus – nicht weil sie „Schlafmusik" wären, sondern weil ihre Struktur dem Gehirn schlicht wenig zu tun gibt.
Einige Komponisten, deren Werke das besonders gut veranschaulichen:




Wer gezielt nach solcher Musik sucht, findet bei Klassik Radio Plus passende Sender – zusammengestellt von Musikexperten nach klanglichen und stimmungsbezogenen Kriterien. Für die Abend- und Nachtstunden empfehlen sich besonders:




Alle fünf Sender sind kostenlos über Klassik Radio Plus zugänglich – einen detaillierten Überblick bietet unser Artikel: Die beste Musik zum Einschlafen.
Damit die Musik einschläfert, ohne die ganze Nacht zu laufen, bietet die Klassik Radio Plus App einen integrierten Sleeptimer:
Sender wählen, im Wiedergabebildschirm auf das Timer-Symbol tippen, Zeitspanne einstellen – die App schaltet sich danach automatisch ab. So begleitet die Musik den Einschlafmoment, ohne den Schlaf selbst zu stören. Die App ist kostenlos für iOS und Android verfügbar.
Die Baylor-Studie zeigt: Was den Schlaf stört, sind nicht Genres, sondern Melodien, die das Gehirn nicht loslässt. Ruhige, strukturell offene Musik – wie sie in der klassischen Literatur reichlich vorhanden ist – bietet das Gegenteil: keinen Refrain zum Wiederholen, keine Erwartung, die eingelöst werden will, keine Spannung, die sich entladen muss. Klassik Radio Plus bietet dafür kuratierten Zugang – und das erste Probieren ist für sieben Tagen gratis.
Einfach auf Play drücken & entspannt zurücklehnen:
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