Breakin‘ Mozart: Mozarts Musik im Battle mit Breakdance

Breakin‘ Mozart: Mozarts Musik im Battle mit Breakdance

Mozart würde heute wahrscheinlich keine Perücke mehr tragen – in Breakin’ Mozart taucht sie trotzdem ganz bewusst auf. Als Augenzwinkern an die Klassik, während daneben etwas völlig Neues entsteht: Denn hier trifft Mozarts Musik auf Breakdance und beweist dabei, wie überraschend gut das zusammenpasst.

Breakin MozartFoto: Breakin' Mozart

Was 2013 beim Mozartfest Würzburg als Experiment begann, ist heute eine europaweit gefeierte Erfolgsgeschichte. Die Idee ist einfach: Mozart trifft auf Breakdance. Auf der Bühne trifft ein Tänzer als Mozart auf die heutige Welt, auf urbane Styles, Breakdance, Hip-Hop – und bleibt doch ganz bei sich. „Das wird bei Breakin' Mozart eben kombiniert, sodass das eins wird und man gar nicht den Unterschied merkt“, erzählt Marcel Geißler, Showproduzent von Breakin‘ Mozart, im Interview mit Klassik Radio Redakteurin Farah Losch.

Dass diese Verbindung funktioniert, liegt nicht zuletzt an Mozart selbst. Seine Musik, so Geißler, bringt alles mit, was Bewegung braucht: „Die Musik von Mozart ist sehr funky, kann man schon sagen. Sie passt perfekt zum Breakdance. Es gibt sehr viele verschiedene Rhythmen, sie hat verschiedene Emotionen...“ Dieses Fröhliche, Dynamische, Getriebene – all das sorgt dafür, dass keine Szene der nächsten gleicht. „Und so bekommt man eine schöne Dynamik hin, die abwechslungsreich ist“, wie Geißler weiter im Interview erzählt.

Aufgrund Ihrer Consent Einstellungen können Sie dieses YouTube Video nicht sehen.
Einstellungen Ändern

Video: Breakin' Mozart

Auf der Bühne entsteht daraus kein Nummernrevue, sondern eine durchgehende Erzählung. Mozart wird aus dem 18. Jahrhundert in die Gegenwart katapultiert und begegnet einer Gruppe junger Tänzerinnen und Tänzer, deren Bewegungen fremd wirken – und doch vertraut sind. Geißler ist sich sicher: „Ich glaube, Mozart würde das sehr gefallen. Er hat ja damals schon mit seiner Musik etwas Neues gegen den Strom kreiert und wir machen jetzt auch einfach etwas Neues.“

Musikalisch bleibt Breakin’ Mozart dabei anspruchsvoll. Gerade komplexe Werke fordern die Tänzer heraus. „Die Jupiter-Sinfonie mit den vielen Fugen ist natürlich eine Herausforderung“, so Geißler. Tempi wechseln, Takte verschieben sich – hier reicht einfaches Zählen nicht mehr. „Man muss immer wirklich die Musik, die Noten hören und verstehen, um synchron zu tanzen.“ Gleichzeitig bietet Mozart genau das, was Breakdance braucht, nämlich klare Akzente. „Das macht es für Breakdance so spannend: Die Musik setzt Akzente, die man direkt im Tanz umsetzen kann – mit Freezes und coolen Posen im richtigen Moment. Dadurch funktioniert sie extrem gut zum Choreographieren, und man kann dabei auch noch sehr schön die Emotionen transportieren.“

Ein Höhepunkt der Show ist die berühmte Arie aus der Königin der Nacht: Die Hölle Rache. „Das ist eigentlich immer ein Highlight“, sagt Geißler. „Die Opernsängerin tritt dabei quasi in ein Battle mit vier Breakern – begleitet vom Klavier. Sie singt die Arie, die immer wieder von Beats unterbrochen wird. Doch sie setzt ihren Gesang über den Beat fort, während die Musik tänzerisch und choreographisch interpretiert wird. Und das passt einfach perfekt zusammen. Und wie dieses außergewöhnliche Battle ausgeht, das muss man sich dann live anschauen."

Breakin Mozart Header
Foto: Breakin' Mozart

Dass diese Show so gut ankommt, liegt auch an ihrer Weiterentwicklung. Nach über zehn Jahren auf europäischen Bühnen wurde Breakin’ Mozart nun neu gedacht. „Wir haben jetzt ein Remake gemacht. Die Show wurde jetzt quasi nochmal auf die nächste Ebene gehoben“, erklärt Geißler. Mehr Künstler, mehr Technik, mehr Artistik – aber der Kern bleibt unverändert: Live-Klavier mit Echo-Presträger Christoph Hagel, Operngesang, Beats und Breakdance.

Auch hinter den Kulissen ist das Projekt bewusst offen angelegt. Choreographien entstehen im Austausch, nicht als starre Vorgaben. „Das Kreativteam konzipiert gemeinsam die Choreographien“, erzählt Geißler. Die Tänzer bringen im Austausch dann natürlich auch ihre eigenen Stile ein, ihre Erfahrungen, ihre Körper. „Also die bekommen jetzt nicht nur fertige Choreos hingestellt und müssen es eins zu eins nachtanzen.“

Was auf der Bühne passiert, wirkt nicht konstruiert, sondern organisch: Klassik und urbaner Tanz verschmelzen zu einer gemeinsamen Sprache. Breakin' Mozart will Klassik nicht um jeden Preis erklären oder modernisieren. Die Show vertraut darauf, dass diese Musik zu Breakdance passt und dass sie in der Lage ist, sich mit der Gegenwart zu verbinden – ohne sich dabei zu verlieren. 


Musik bringt Körper in Bewegung – ganz gleich, ob auf der Bühne oder beim Training. Entdecken Sie Ihren perfekten Sound mit "Vitality" auf "Klassik Radio Plus".

Valeska Baader / 13.01.2026

Neueste Artikel

„Bach in Space“: Wenn Bachs Musik auf Bilder des Universums trifft
Bach in Space

„Bach in Space“: Wenn Bachs Musik auf Bilder des Universums trifft

Bach und das Weltall – passt das zusammen? Pianistin Mona Asuka zeigt mit ihrem Konzertprojekt „Bach in Space“, wie überraschend gut sich die Musik Johann Sebastian Bachs mit spektakulären Bildern von Galaxien verbinden lässt. Ein Konzert, das das Publikum auf eine Reise zwischen Klang und Kosmos mitnimmt.

Von Renaissance bis Moderne - so klingt der Frühling in der Klassik
Flügel in einem Feld voll Tulpen

Von Renaissance bis Moderne - so klingt der Frühling in der Klassik

Der Frühling gehört zu den beliebtesten Motiven der Musikgeschichte. Doch jede Epoche nähert sich ihm auf ihre eigene Weise: In der Renaissance werden Vogelrufe zu Melodien, im Barock wird die Natur in Klang nachgeahmt, die Romantik verwandelt den Frühling in ein Gefühl, und in der Moderne wird er zur archaischen Kraft. Ein Blick darauf, wie sich das Erwachen der Natur durch die Jahrhunderte in der Musik widerspiegelt.

Spektakulärer Fund: 149 Werke von Antonio Salieri aufgetaucht
Salieri-Fund

Spektakulärer Fund: 149 Werke von Antonio Salieri aufgetaucht

Vier kleine, in rotes Leder gebundene Notenbände galten jahrzehntelang als verschollen. Jetzt sind sie wieder aufgetaucht: Die Sammlung mit 149 Vokalwerken eröffnet einen überraschend persönlichen Blick auf Antonio Salieri - als spontanen Komponisten, geselligen Humoristen und sensiblen Zeitzeugen seiner Epoche. Ein spektakulärer Fund, der das Bild des lange missverstandenen Mozart-Rivalen neu zeichnet.

Klassik Radio - Deutschland nationalKlassik Radio - Deutschland national