Die Wahre Geschichte der Woche: Allegorie

Ausgewählt von Daniel RegenerDie Wahre Geschichte der Woche: Allegorie

Jede Woche wählt ein Mitglied aus der Redaktion eine persönliche Wahre Geschichte der Woche aus und verleiht ihr eine besondere Note.

Die Wahre Geschichte der Woche: Allegorie Foto: Photo by Brett Jordan on Unsplash

Wo Sprache endet und warum Gefühle Bilder brauchen.

Sprache ist eine tolle Sache. Mit ihr können wir uns ausdrücken. Wir sagen, was wir denken. Wir sagen, was wir fühlen. Wir erklären, was wir wollen. Trotz allem ist Sprache begrenzt. Wir können zwar über unsere Emotionen sprechen, aber Gefühle ersetzen kann sie natürlich nicht. Sprache ist auch nicht allumfassend. Tiefe Trauer lässt sich buchstäblich nicht in Worten ausdrücken. Nur mangelhaft umschreiben. Das liegt daran, dass der Mensch vor allem in Bildern denkt, die wiederum mit unseren Gefühlen verbunden sind.

Poesie ist der Wahrheit näher als Wissenschaft

Deshalb wirkt Poesie auch so stark. Sie trifft den Wahrheitskern oft viel genauer als eine wissenschaftliche Abhandlung, weil sie gar nicht erst versucht, ALLES sagen zu wollen, sondern sie schafft starke, ver-dichtete Bilder, die sich direkt mit unserer Innenwelt verbinden. Essenzen des Unaussprechlichen.

Bilder für Abstraktes

So ist es auch mit der Allegorie – sie ist das Stilmittel, um Abstraktes bildlich zu umschreiben oder auch personifiziert darzustellen. Mit konkreten Symbolen. Ein bisschen wie eine Metapher. Also z. B. den Tod als skelettartigen Mann mit schwarzem Umhang und Sense oder die Gerechtigkeit als Frau mit verbundenen Augen und einer Waage in der Hand oder die Freiheit, die das Volk als heroische Frauenfigur mit einer blau-weiß-roten Flagge (den Farben für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit) voranführt.

Sprache ein Instrument

Ich sage noch mal: Sprache ist eine tolle Sache. Sie ist ein perfektes Instrument unseres logischen Denkens. Aber sie ist immer dann am stärksten, wenn sie nicht ausdrücken will, was nicht aussprechbar ist, sondern wenn sie größere und klarere Bilder schafft, die uns zutiefst menschlich berühren. Sprache ist und bleibt eben ein Instrument. Apropos. Musik ist übrigens auch deshalb so mächtig, eben weil sie nicht den Umweg über das Medium Sprache geht, sondern weil sie uns unmittelbar ins Herz trifft.

Erhalten Sie Informationen aus erster HandBestellen Sie den Klassik Radio Newsletter

* Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis

Neueste Artikel

Neues Dating-Format für Klassik-Fans: Wie Musik der Liebe auf die Sprünge hilft
Klassik-Dating

Neues Dating-Format für Klassik-Fans: Wie Musik der Liebe auf die Sprünge hilft

Dating ohne App, dafür mit klassischer Musik: In Berlin wagt ein Klassik-Duo das Experiment und macht Liebeslieder zum Ausgangspunkt neuer Dating-Begegnungen. Während sonst digital gewischt und gematcht wird, setzt dieses Format auf das, was wirklich verbindet: Gemeinsame Hörerlebnisse, persönliche Gespräche – und die Chance, sich jenseits digitaler Algorithmen näherzukommen.

Masken, Melodien, Menschenmengen – Wie der venezianische Karneval die Oper erfand
Zwei kostümierte Frauen am Karneval in Venedig

Masken, Melodien, Menschenmengen – Wie der venezianische Karneval die Oper erfand

Von funkelnden Masken über laute Kanäle bis zu prunkvollen Opernhäusern: Im Venedig des 17. Jahrhunderts verschmolzen Feierlust und Kunst zu einem neuen Kulturerlebnis, das die Musikgeschichte revolutionierte. Der Karneval wurde zur Geburtsstätte der Oper – ein Spektakel für Zehntausende, die aus ganz Europa in die Lagunenstadt strömten.

„Ich spiele nicht die Musik, sondern die Musik spielt mich“ – Rüdiger MENG komponiert in Echtzeit
Rüdiger Meng am Klavier

MENG - The Art Of LiveComposition
„Ich spiele nicht die Musik, sondern die Musik spielt mich“ – Rüdiger MENG komponiert in Echtzeit

Wenn er sich ans Klavier setzt, ist alles möglich. Rüdiger MENG komponiert live auf der Bühne – ohne Netz, ohne doppelten Boden. Damit hat er schon Musiklegenden wie Quincy Jones, Phil Collins oder Simply Red beeindruckt. Im Interview mit Klassik Radio-Redakteurin Farah Losch erzählt er, warum diese Form der Live-Komposition für ihn die höchste Disziplin ist – und ein klares Statement gegen KI und durchgeplante Shows.

Klassik Radio - Deutschland nationalKlassik Radio - Deutschland national