Die Wahre Geschichte der Woche: Das bayerische U-Boot

Ausgewählt von Patrick SingerDie Wahre Geschichte der Woche: Das bayerische U-Boot

Jede Woche wählt ein Mitglied aus der Redaktion eine persönliche Wahre Geschichte der Woche aus und verleiht ihr eine besondere Note.

Die Wahre Geschichte der Woche: Das bayerische U-BootFoto: Klassik Radio

Diese Woche kommentiert Patrick Singer:

Als ich diese Wahre Geschichte hörte, dachte ich zunächst an ein Versehen. Ausgerechnet ein Bayer soll das U-Boot erfunden haben? Verstehen Sie mich nicht falsch. Als Exil-Sachse lebe ich nun schon seit fast 15 Jahren im schönen Freistaat Bayern und habe in dieser Zeit viel über die Bajuwaren lernen dürfen.

Für ein U-Boot braucht es dann doch ein wenig Meer

Im Süden nur Süßwasser

Die Bayern zeichnen sich seit jeher nicht nur durch Sprachwitz, Selbstbewusstsein und Innovationsgeist aus, auch an Gewässern fehlt es ihnen nun weiß(-blau) Gott nicht. Donau, Lech, die Alpenseen: landschaftlich zeigt der Süden entlang der Wasserlinie, wo der Bartl den Most holt. Aber für ein U-Boot braucht es dann doch ein wenig mehr, pardon: Meer. Und das hab ich hier bisher nicht entdecken können.

Die (Vor-)Geschichte des U-Boots

Deshalb macht die Wahre Geschichte von Friedrich Epenstein auch einen geographischen Schlenker zur deutsch-dänischen Grenze. Dort kämpfte vor über 170 Jahren Wilhelm Bauer aus Dillingen an der Donau gegen die Dänen. Die nutzten Pontonbrücken für ihren Vormarsch gen Süden. Bauer, der nicht nur bayerischer Unteroffizier des Deutschen Bundes war, sondern auch äußerst erfindungsreich, schlug den Generälen eine verwegene Idee vor. Er wollte die Brücken der Dänen sprengen - und zwar heimlich aus dem Wasser heraus, mithilfe eines unterseeischen Fahrzeugs.

Wilhelm Bauer, 1860
Foto: Joseph Anton Bauer, Public domain, via Wikimedia Commons

Seiner Zeit weit voraus

Diese Pläne wurden damals nicht realisiert, doch Bauer blieb dran an seinem "Brandtaucher". Später baute er tatsächlich den Vorgänger des modernen U-Boots, der mit Muskelkraft (!) betrieben wurde. Der Bayer war seiner Zeit einfach zu weit voraus: Erst Jahrzehnte nach seinem Tod wurden die ersten U-Boote mit Dieselantrieb gebaut. Den theoretischen Unterbau aber hatte Wilhelm Bauer geliefert.

Zeichnung des Brandtauchers um 1851
Foto: Wilhelm Bauer, Public domain, via Wikimedia Common
Die Wahre Geschichte der Woche zum Nachhören

Heute blickt das bayerisch-schwäbische Dillingen an der Donau auf eine lange Städtepartnerschaft mit dem norddeutschen Eckernförde zurück, wo das "Ausbildungszentrum Uboote" sitzt. Für mich zeigt diese Wahre Geschichte damit, dass Freundschaften und Ideen keine kulturelle Grenzen kennen.

Und wenn es kein Meer braucht, um ein U-Boot zu erfinden... dann ist noch so einiges mehr im Leben möglich!

Bis ganz bald,

Ihr Patrick Singer

Erhalten Sie Informationen aus erster HandBestellen Sie den Klassik Radio Newsletter

* Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis

Neueste Artikel

„Ich versuche, nicht darüber nachzudenken“ – Spielen auf dem teuersten Instrument der Welt
Amihai Grosz

Erster Solobratscher der Berliner Philharmoniker:
„Ich versuche, nicht darüber nachzudenken“ – Spielen auf dem teuersten Instrument der Welt

Heute Abend erklingt beim Konzert der Berliner Philharmonikern das wertvollste Instrument der Welt: die MacDonald-Viola von Stradivari - sie soll für über 23 Millionen Dollar versteigert worden sein. Gespielt wird sie vom ersten Solo-Bratscher Amihai Grosz. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie es sich anfühlt, auf so einer teueren Bratsche zu spielen, ob man nicht ständig in Sorge ist und was den Klang so besonders macht.

5 Urlaubsziele, die weltberühmte Komponisten inspirierten
Insel Staffa, Teil der Hebriden, Schottland

Auf den Spuren der Komponisten
5 Urlaubsziele, die weltberühmte Komponisten inspirierten

Es ist Urlaubszeit. Zeit andere Kulturen und Landschaften kennenzulernen. Auch bekannte Komponisten, wie Gustav Mahler und Frédéric Chopin, wussten um die Inspiration durch ferne Orte.

Lang Lang wird 44: Wie ein Junge aus China zum Superstar der Klassik wurde
Lang Lang

Lang Lang wird 44: Wie ein Junge aus China zum Superstar der Klassik wurde

Er ist einer der berühmtesten Pianisten der Gegenwart: Lang Lang hat die großen Bühnen der Welt erobert und zugleich Millionen Menschen erreicht, die mit klassischer Musik zuvor kaum Berührung hatten. Wie aus einem hochbegabten Kind mit außergewöhnlichem Ehrgeiz ein Künstler wurde, der wie kaum ein anderer für die moderne Seite der Klassik steht.

Klassik Radio - Deutschland nationalKlassik Radio - Deutschland national