Die Wahre Geschichte der Woche: Rollschuhe

Ausgewählt von Klara JägerDie Wahre Geschichte der Woche: Rollschuhe

Jede Woche wählt ein Mitglied aus der Redaktion eine persönliche Wahre Geschichte der Woche aus und verleiht ihr eine besondere Note.

Die Wahre Geschichte der Woche: RollschuheFoto: Klassik Radio

Diese Woche kommentiert Klara Jäger:

Einfach bei Freunden klingeln und fragen, ob sie daheim sind und dann zusammen losziehen. In meiner Kindheit total normal. Nur gab es eine Zeit, da tat man das nicht etwa zu Fuß-  sondern auf acht Rollen – vier an jedem Fuß. Es war noch einmal ein kurzes Hoch der Rollschuhe – bevor sie von den Inline-Skates verdrängt wurden.

Und so hat mich die Wahre Geschichte der Woche gleich angesprochen – denn es geht darum, wie die rollenden Untersätze die Welt eroberten.

Die Rollschuhe und die Klassik

Besonders bemerkenswert finde ich, dass dabei die Klassik eine – wenn auch geringe – Rolle spielt. Schließlich war der erste Mensch, der seinen großen Aufritt auf den Rollen hinlegte, ein Instrumentenbauer: Joseph Merlin. Er trat 1716 im Carlisle House einer Grand Dame der Gesellschaft, Mrs. Cornely auf. Im selben Haus gaben auch Johann Christian Bach und Carl Friedrich Abel gemeinsame Konzerte.

Auf Musik folgen Kristallsplitter

Joseph Merlin, der die Rollschuhe selbst konstruiert hatte, kam aber nicht mit leeren Händen herein, nein: er spielte Violine. Leider nicht allzu lange, denn da er unglücklicherweise die Bremsen bei seiner Erfindung vergessen hatte, raste er ungehindert in einen wertvollen Kristallspiegel und 500 Pfund lösen sich in Scherben auf. Ob sieben Jahre Pech folgten, ist nicht bekannt.

Eine Fahrschule für Rollschuhe

Das Spektakel hatte etwaige Nachahmer sofort abgeschreckt und es dauerte bis 1789 bis ein Landsmann Merlins einen neuen Versuch wagte. Der  französische Schlittschuhläufer Franzose Jean Garcin schließlich verpasste den Rollschuhen einen neuen Schub – und gründete extra zu diesem Zwecke die Schule von „Cingar“, in der man den neuen Sport erlernen konnte. Um die Jahrhundertewende dann boomte das Rollschulfahren und es gab Bahnen, Hallen, sogar der Madison Square Garden diente als Rollschuh-Treff.

Skates vs Retrolook

Nach einer Zwangspause durch die Weltkriege geriet der Rollschuhsport erst einmal in Vergessenheit. Erst in den 70er Jahren begann er wieder zu boomen, in den 80ern gab es sogar sogenannte „Rollschuh-Diskos“. Bis sie Mitte der 90er plötzlich den Stempel „uncool“ bekamen – die Inline-Skates waren da.

Comeback durch TikTok

Doch seit etwa zwei Jahren feiern die guten alten Rollschuhe  dank kalifornischen TikTokerinnen wieder ein Comeback! Leider habe ich meine Rollschuhe schon weggegeben...vielleicht lohnt sich ja eine Neuinvestition. Hat schon Spaß gemacht ?



Schwungvolle Grüße,

Ihre Klara Jäger

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