Die Wahre Geschichte der Woche: Würfelzucker

Ausgewählt von Alexandra Berger Die Wahre Geschichte der Woche: Würfelzucker

Jede Woche wählt ein Mitglied aus der Redaktion eine persönliche Wahre Geschichte der Woche aus und verleiht ihr eine besondere Note.

Die Wahre Geschichte der Woche: WürfelzuckerFoto: Klassik Radio

Zeit für eine Küchenparty

Die besten Partys finden in der Küche statt – das sagt man nicht nur so daher, sondern das ist auch tatsächlich der Fall. Und auch egal wie klein dieser Raum ist, hier ist es einfach mit am gemütlichsten.

Dieser Ort scheint auch eine gute „Kreativküche“ zu sein. Viele großen Ideen wurden hier geboren. Angefangen von kulinarischen Köstlichkeiten, bis hin zu einer Flüssigkeit zur Korrektur von Tippfehlern, dafür war eine gewisse Bette Nesmith Graham damals zuständig und legte quasi den Grundstein für den heutigen „Tipp Ex“.

Die damalige "brave" Hausfrau

In der jetzigen wahren Geschichte befinden wir uns wieder in der Küche und zwar in der von Juliane und Jacob Rad. Wie es sich damals um 1840 für eine „brave“ Hausfrau gehörte sorgte sie für einen reibungslosen Ablauf der Gästebewirtung die sich eines Nachmittags zum Kaffee eingeladen hatten. Neben süßem Gebäck durfte auch ein bestimmtes Süßungsmittel im Kaffee oder auch Tee natürlich nicht fehlen. Und wenn man heutzutage von einer umfangreichen Zubereitung einer Torte spricht, so war es damals eher das „Beiwerk“ für den Kaffee oder Tee, nämlich: der Zucker.

Damals in Form von Kegeln oder Kolben und gut und gerne auch bis zu 1,50 Meter hoch und vor allem: steinhart. Ein wahrer Kraftakt war das Brechen und Zerkleinern dieses Zuckerberges, hierfür waren ein Hammer, eine Zange und ein Zuckerbrecher von Nöten. Eine ziemlich anstrengende Arbeit, die auch nicht ganz ungefährlich war, wie sich im Fall von Juliane Rad schmerzlichst herausstellte.

Sammlung von Würfelzucker
Foto: Photo by Mae Mu on Unsplash

In Blut getränkt

Zum wiederholten Male verletzte sie sich derart an der Hand, dass sie umgehend ihren Mann Jacob Rad aufforderte, in der „Kreativküche“ endlich etwas zu entwickeln, um Zucker in eine nutzerfreundliche Form zu bringen. Nächtelang wurde getüftelt, ausprobiert, experimentiert bis er dann schließlich ein Model herausbrachte, das der heutigen Eiswürfel-Form ähnelt, in das er die angefeuchtete Zuckermasse füllte und anschließend trocknen ließ. Der Würfelzucker war geboren. Dafür bekam er am 23. Januar 1843 ein Patent vom Kaiser, für den „Thee-Zucker“ oder auch „Wiener Würfelzucker“ der bis heute ein Erfolg ist.

Auch wenn ich persönlich meinen Kaffee lieber ohne Zucker trinke, hat mich die Geschichte von Juliane und Jacob Rad doch nachdrücklich beeindruckt. Ich bin mir sicher, beim nächsten Einkauf und dem Blick ins Würfelzucker-Regal werde ich schmunzelnd an Juliane in der Küche denken, mit ihrer Zange, dem Hammer und dem Zuckerbrecher. ?

Mit süßen Grüßen

Ihre Alexandra Berger

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