Eine musikalische Zeitreise in die Barockzeit

Die Musicalien Kammer im Schloss KöthenEine musikalische Zeitreise in die Barockzeit

Sechs Jahre lang war Johann Sebastian Bach Hofkapellmeister im Schloss Köthen. Nun ist in den royalen Empfangsräumen eine Musicalien-Kammer entstanden.

Eine musikalische Zeitreise in die BarockzeitFoto: KKM

Historische Schätze aus der Barockzeit

Dafür hat Restaurator und Instrumentenbauer Georg Ott zehn besondere Perlen aus seiner Sammlung ausgewählt. Die ist über die Jahre hinweg entstanden: denn in seiner Freizeit restauriert er in liebevoller Kleinstarbeit Instrumente, die die Besitzer längst aufgegeben haben und bringt sie wieder zum Klingen. 

Musikalische Revolution

Dabei haben die Instrumente der Ausstellung eines gemeinsam: bei den meisten handelt es sich um Fortepianos aus dem 18. Jahrhundert. "Fortepiano heißt, dass die Instrumente laut und leise spielen können", erklärt Georg Ott. "Das ist eigentlich eine Erfindung, die um 1700 in Florenz aufgekommen ist. Vorher waren im Gegensatz dazu meist Cembali und Orgeln im Gebrauch, die nicht laut oder leise gespielt werden können. Insofern war das eine ganz einschneidende Entwicklung". 

Historische Klänge vom Clavecin Royal

Aufgrund Ihrer Consent Einstellungen können Sie dieses YouTube Video nicht sehen.
Einstellungen Ändern

Nicht nur zum Anschauen - auch zum Spielen!

Wichtig ist auch: die Instrumente in der Musicalien-Kammer sind nicht nur zum Anschauen da, sie können auch gespielt werden. Das sollen sie auch, denn die Musicalien-Kammer soll nicht etwa eine der üblichen Museumsausstellungen werden, sondern eine Art Klanglaboratorium und auch der Veranstaltungsort von intimen kleinen Kammerkonzerten sein, wie sie zu Bachs Zeiten üblich waren. Die ersten Profimusikerinnen und Profimusiker haben sich bereits für Konzerte und Proben im Schloss Köthen angemeldet, darunter auch Promis wie z.B. die Cembalistin Christine Schornsheim oder die Pianistin Ragna Schirmer.

Auch Laien dürfen mal historisch klimpern

Doch auch an die "normalen" Besucher ist gedacht worden: sie dürfen sich an einem ehemaligen Clavichord probieren, das zu einem Hammerklavier umgebaut worden ist. Das wertvollste Stück der Sammlung ist ein Hammerflügel vom Regensburger Klavierbauer Franz Jakob Spath: es ist das einzige originale spielbare Exemplar, das es weltweit noch gibt. "Das wird das präsentieren können, ist schon sensationell", erklärt Georg Ott. Auch eine der wenigen erhaltenen Prozessionsorgeln aus dem 17. Jahrhundert ist zu sehen: "Prozessionsorgel heißt sie deshalb, weil sie sich leicht transportieren lässt", erläutert der Restaurator, "sie hat so Trageösen, in die Stangen eingefädelt wurden und so wurde das Instrument wie eine Sänfte getragen." Passt ja zur "Königin der Orgel"...

Georg Ott bei der Arbeit
Foto: KKM

Ein heiliger Ort für Musikliebhaber

Das aktuelle Lieblingsstück von Georg Ott: ein Querhammerflügel. "Er ist besonders zart gebaut und hat auch keine Dämpfung und es klingt dann so richtig strahlend zart, ein bisschen gitarrenartig, sehr warm", schwärmt er.  Genauso wie von Johann Sebastian Bach: "Für mich ist Bach einfach etwas Göttliches. Nicht so personenkultmäßig, sondern das Göttliche manifestiert sich in der Musik von Bach. Er hat es wirklich geschafft, etwas überirdisches zu schaffen, mit seiner Musik. Insofern ist das ein heiliger Ort für alle Musikliebhaber."

Erhalten Sie Informationen aus erster HandBestellen Sie den Klassik Radio Newsletter

* Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis

Neueste Artikel

Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann über Neurodermitis, Klima und neue Hoffnung für Patienten
Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann

Experten-Interview
Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann über Neurodermitis, Klima und neue Hoffnung für Patienten

Viele Menschen mit Neurodermitis suchen seit Jahren nach echter Hilfe gegen Juckreiz und entzündete Haut. Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann erklärt im Interview, warum es heute neue Ansätze und berechtigte Hoffnung für Betroffene gibt. Hier können Sie das Interview nachhören.

Warum Ihre Tomaten Bach lieben
Musik im Garten

Musik im Garten
Warum Ihre Tomaten Bach lieben

In der Toskana läuft seit zehn Jahren ein Experiment: Forscher der Universität Florenz lassen Weinreben Mozart und Vivaldi hören – mit eindeutigem Ergebnis: Die Trauben schmecken besser, die Reben tragen mehr Laub. Was bei Pflanzen funktioniert, wirkt erst recht beim Menschen: Musik senkt den Blutdruck, reduziert Stress und macht Ihren Garten zu einem Ort, an dem Entspannung gedeihen kann. Wir zeigen Ihnen, wie es geht!

Sensationsfund in College-Archiv: Unbekanntes Werk von Vaughan Williams entdeckt
Ausschnitt Before the Mirror

Sensationsfund in College-Archiv: Unbekanntes Werk von Vaughan Williams entdeckt

Fast sieben Jahrzehnte nach dem Tod von Ralph Vaughan Williams sorgt ein spektakulärer Archivfund in London für Aufsehen: Ein bislang unbekanntes Lied des britischen Komponisten ist im Morley College aufgetaucht. Das Manuskript eröffnet nicht nur einen seltenen Blick auf die frühen Jahre Vaughan Williams’, sondern erinnert auch daran, dass selbst die Musikgeschichte noch Überraschungen bereithält.

Klassik Radio - Deutschland nationalKlassik Radio - Deutschland national