Fernsehmoderator und Talkmaster Alfred Biolek stirbt mit 87

Trauer um Alfred Biolek Fernsehmoderator und Talkmaster Alfred Biolek stirbt mit 87

Traurige und plötzliche Nachricht: der Entertainer Alfred Biolek ist gestorben. Es heißt, dass er heute Morgen in seiner Kölner Wohnung friedlich eingeschlafen sei.

Fernsehmoderator und Talkmaster Alfred Biolek stirbt mit 87Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Biolek war schon seit längerem gesundheitlich angeschlagen, hatte sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und nun ist er im Alter von 87 Jahren friedlich eingeschlafen. Sein Adoptivsohn Scott Biolek-Ritchie bestätigte die traurige Nachricht gegenüber der Deutschen Presse Agentur.

Er war eine TV-Legende

Biolek war wahnsinnig präsent und sehr vielseitig. Eigentlich hatte er Jura studiert und das erste juristische Staatsexamen mit Prädikat absolviert. So kam er auch zum ZDF: als Justitiar in der Rechtsabteilung. Die Redaktion reizte ihn aber mehr und so begann sein Weg ins Entertainment. Als Moderator zum Beispiel von "Die Drehscheibe", Talkmaster des "Kölner Treff" oder "Boulevard Bio", Talententdecker in der Sendung "Bios Bauernhof" und stets mit einem Augenzwinkern. Mit "alfredissimo" machte er schließlich Kochsendungen in Deutschland populär. Kaum ein Haushalt hatte nicht eines seiner Kochbücher zu Hause.

Aufgrund Ihrer Consent Einstellungen können Sie dieses YouTube Video nicht sehen.
Einstellungen Ändern

Biolek privat

Biolek wuchs sehr konservativ auf, befreite sich davon aber erst mit etwa 40 Jahren. Er zog nach München und stand offen zu seiner Homosexualität. Er adoptierte zwei Freunde, von denen einer im April an einem Organversagen starb. Biolek selbst war seit einem Sturz 2010, nachdem er schwere Schädelverletzungen erlitt, nicht mehr ohne dessen Unterstützung zu Events gegangen.

Thomas Ohrner zu Gast bei Biolek

Unser Morgenmoderator und Programmchef Thomas Ohrner hat Alfred Biolek persönlich gekannt und durfte mit ihm in seiner Sendung kochen:

„Ich habe nichts hinbekommen, aber er hat großzügig darüber hinweggesehen. Er hat sich eben nie über andere lustig gemacht. Aber auch in seiner Talkshow war ich als Gast. Ich konnte mit ihm auch ernste Gespräche führen und mir dabei sicher sein, dass seine Fragen nie unter die Gürtellinie gingen. Biolek war wirklich ein feiner Mensch; großzügig, mit einem intelligenten Humor und einem großen Herzen."

Die Zeit heilt alle Wunden. Aus Napoleon ist ja mittlerweile auch ein Cognac geworden.
- Alfred Biolek (Das Lieblingszitat von unserem Morgenmoderator und Programmchef Thomas Ohrner)

Biolek und die Klassik

Er hatte eine tiefe Verbundenheit zur Klassik und sagte selbst einmal, er sei als Gymnasiast viel lieber in die Oper und in klassische Konzerte gegangen als in andere. Außerdem spielte er Klavier, Klarinette und Saxophon. Als Gast bei Harald Schmidt erzählte er, dass er als Kind entweder Zirkusdirektor, Dirigent oder katholischer Pfarrer werden wollte.

Angst vor dem Tod hatte er übrigens nicht. So sagte er einmal: "Ich habe keine Vorstellung davon, was nach dem Tod passiert, aber ich bin ganz offen, und mit der Haltung werde ich auch das ertragen."

Einflussreich und unvergessen

Alfred Biolek war Pionier der Talk- und Kochshows in Deutschland. Sein Erfolg war immens und die Zuschauer liebten ihn. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit lag das an seinem guten Gespür für seine Gäste, seiner aufrichtige und feinsinnige Art und natürlich an seinem einigartiger Humor.

Erhalten Sie Informationen aus erster HandBestellen Sie den Klassik Radio Newsletter

* Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis

Neueste Artikel

„Musik hat ihre Wurzeln im Boden“ – Sir John Eliot Gardiner über Bach, Mozart und das Leben
John Eliot Gardiner

Interview
„Musik hat ihre Wurzeln im Boden“ – Sir John Eliot Gardiner über Bach, Mozart und das Leben

Bach, Mozart, Sibelius – und ein Dirigentenleben zwischen Weltruhm, Naturverbundenheit und täglicher Yoga-Routine. Sir John Eliot Gardiner spricht im Interview über musikalische Offenbarungen, die Macht historischer Aufführungspraxis, über Lampenfieber vor dem Auftritt und darüber, warum ihn ausgerechnet die Bassettklarinette bei Mozart noch immer staunen lässt.

Himmelsphänomen "Blue Moon": Warum der Mond unsere Komponisten nie losgelassen hat
Blauer Mond

Himmelsphänomen "Blue Moon": Warum der Mond unsere Komponisten nie losgelassen hat

Am 31. Mai steht ein sogenannter „Blue Moon“ am Himmel – der zweite Vollmond innerhalb eines Kalendermonats. Astronomisch ist das eine seltene, aber eher unspektakuläre Konstellation. In der Kunst dagegen hat der Mond seit Jahrhunderten eine enorme Wirkung entfaltet: Beethoven machte aus ihm schlaflose Unruhe, Debussy flüchtige Nachtbilder und Dvořák tiefe Sehnsucht. Vielleicht fasziniert er uns deshalb bis heute so sehr.

Frauen und Klassik: Für wen ist klassische Musik?
Frauen und Klassik

Frauen und Klassik: Für wen ist klassische Musik?

Das klassische Konzertpublikum in Deutschland hat sich gewandelt – heute besuchen Frauen etwas häufiger klassische Konzerte als Männer. Gleichzeitig wurde der musikalische Kanon über Jahrhunderte vorwiegend von männlichen Komponisten geprägt. Wie entwickelte sich diese interessante Konstellation?

Klassik Radio - Deutschland nationalKlassik Radio - Deutschland national