„Ich versuche, nicht darüber nachzudenken“ – Spielen auf dem teuersten Instrument der Welt

Erster Solobratscher der Berliner Philharmoniker:„Ich versuche, nicht darüber nachzudenken“ – Spielen auf dem teuersten Instrument der Welt

Heute Abend erklingt beim Konzert der Berliner Philharmonikern das wertvollste Instrument der Welt: die MacDonald-Viola von Stradivari - sie soll für über 23 Millionen Dollar versteigert worden sein. Gespielt wird sie vom ersten Solo-Bratscher Amihai Grosz. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie es sich anfühlt, auf so einer teueren Bratsche zu spielen, ob man nicht ständig in Sorge ist und was den Klang so besonders macht.

Amihai GroszFoto: Marco Borggreve

Sie gilt als teuerstes Instrument der Welt: die Macdonald-Bratsche von Antonio Stradivari. Vor 12 Jahren sollte sie für 45 Millionen US-Dollar versteigert werden. Doch es fand sich kein Käufer für das Instrument aus der "goldenen Phase" des großen Meisters. Und so fiel es viele Jahre in einen Dornröschenschlaf. Aus dem ist es nun geweckt worden: die Stretton Society hat es erworben. Der genaue Preis ist unbekannt, es ist aber von über 23 Millionen Dollar die Rede. Gespielt wird die "Macdonald" von dem ersten Bratscher der Berliner Philharmoniker: Amihar Grosz.

Für ihn wird damit auch ein ganz persönlicher Traum Wirklichkeit, hat er uns im persönlichen Gespräch erzählt:

Amihai Grosz: Als ich begriffen habe, dass ich diese Bratsche spielen darf, war ich unglaublich glücklich und aufgeregt. Ich kannte dies Bratsche schon als Kind. Sie wurde über 40 Jahre lang vom großen Peter Schidlof des Amadeus-Quartetts gespielt. Ich kannte ihren Klang bereits durch Aufnahmen. Dass ich die Gelegenheit bekomme, darauf zu spielen, macht mich überglücklich.

Klassik Radio: Und was ist es für ein Gefühl, auf so einem wertvollen Instrument zu spielen?

Amihai Grosz: Es ist eine große Ehre für mich, Teil dieser Tradition großartiger Bratschisten zu sein, die dieses Instrument spielen durften. Diese Bratsche ist ein faszinierendes Instrument mit einer reichen Geschichte, und ich fühle mich sehr demütig und dankbar, zu den Menschen zu gehören, die ihre Schönheit genießen dürfen.

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Klassik Radio: Mit der Freude kommt aber auch eine große Verantwortung. Ist man nicht in ständiger Sorge, wenn man so ein wertvolles Instrument spielt, dass es einem aus der Hand rutscht oder irgendetwas damit passiert?

Amihai Grosz: Um ehrlich zu sein: Ich versuche so gut wie möglich, nicht darüber nachzudenken. Ich habe es im Hinterkopf, aber als Musiker ist das Instrument Teil meines Körpers. So hat man ganz natürlich das Bedürfnis, es mit seinem Leben zu beschützen. (...)Wenn man sich ständig Gedanken darüber machen würde, wie kostbar es ist etc., wäre man viel zu nervös. Deshalb versuche ich, all das auszublenden und das Instrument bestmöglichst zu behandeln.

Klassik Radio: Was genau macht das Spielen auf dieser Bratsche bzw. ihren Klang so einzigartig?

Amihai Grosz: Diese Bratsche stammt aus der goldenen Periode von Stradivari. Sie stellt den Höhepunkt seines handwerklichen Könnens dar. Das Holz ist außergewöhnlich, und der Klang ist unglaublich tief und kraftvoll. Gerade diese Verbindung aus Tiefe, Stärke und Klangfarbe macht das Instrument so beeindruckend und beinahe vollkommen. Für mich ist dies der Charakter dieser Bratsche: sehr kraftvoll und zugleich sehr tiefgründig.

Klassik Radio: Hat dieses Instrument Ihre musikalische Herangehensweise oder Ihren Zugang zu einem bestimmten Repertoire bereits beeinflusst?

Amihai Grosz: Wir lernen uns noch kennen – die Bratsche und ich. Wir sind bereits gute Freunde. Mir als Musiker öffnet diese Bratsche neue Türen, z.B. die Dynamik oder das Klangspektrum betreffend. Im Grunde spiele ich dasselbe Repertoire wie zuvor – von klassischer bis moderner Musik. Ich versuche auch, eine größere Bandbreite an Stücken für Bratsche zu spielen. Und mit dieser Bratsche erkennt man die solistischen Möglichkeiten des Instruments noch besser. Sie ist ein sehr gutes Solo-Instrument und ihre Klangfarben sind unglaublich vielfältig. Für einen Musiker ist es eine reine Freude, sie zu spielen.


Und wenn Sie Lust auf einen ganz anderen Star am Streichinstrument haben: Genießen Sie doch einen romantischen Abend mit André Rieu. Der Walzerkönig spielt die passende Musik für besondere Stunden – mit leichter Klassik zum Schwelgen, verträumten Walzern, ergreifender Filmmusik sowie großen Opern- und Musical-Hits. Ein unvergessliches Musikerlebnis mit seinen beliebtesten Melodien.

Klara Jäger / 18.06.2026

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