Als Bach seine Fugen schrieb oder Mozart seine Klavierkonzerte komponierte, existierte das Akkordeon noch nicht. Und doch ist es heute von den Konzertbühnen nicht mehr wegzudenken. 2026 rückt dieses oft übersehene Instrument nun in den Fokus – denn: Das Akkordeon ist Instrument des Jahres 2026!

Es gibt Instrumente, die selbstverständlich zur klassischen Musik gehören – und solche, denen dieser Status lange abgesprochen wurde. Das Akkordeon zählt zu letzteren. Dabei lohnt sich gerade hier ein genauerer Blick. 2026 steht es als Instrument des Jahres im besonderen Fokus der Musikwelt.
Das Akkordeon ist ein Handzuginstrument. Sein Herzstück ist der Balg, der beim Öffnen und Schließen Luft in Bewegung setzt. Diese Luft strömt an frei schwingenden Metallzungen vorbei und versetzt sie in Klang. Anders als beim Klavier oder der Orgel entsteht so der Ton also nicht durch Anschlag oder Wind aus einem festen Gebläse, sondern durch kontinuierliche Bewegung.
Gespielt wird das Akkordeon mit beiden Händen. Rechts befinden sich – je nach Bauart – Tasten oder Knöpfe für Melodie und Akkorde, links das Bass- und Begleitsystem, das vom einfachen Akkordspiel bis zu vollständig chromatischen Einzelstimmen reichen kann. Registerschalter erlauben es, Klangfarben zu mischen und zu verändern – von schlank und transparent bis orchestral dicht. So vereint das Akkordeon Eigenschaften von Orgel, Blasinstrument und Streichensemble in einem einzigen Instrument.
Kennen tun die meisten das Akkordeon aus der Volksmusik – als Klang von regionaler Tradition. Dieses Bild ist nicht falsch, aber unvollständig. Längst hat sich das Instrument aus diesem Rahmen gelöst. Man hört es heute in Filmmusiken, auf großen Konzertbühnen und im Repertoire der zeitgenössischen Klassik ebenso wie in Bearbeitungen barocker und klassischer Werke. Gerade diese Präsenz jenseits des Folkloristischen hat dem Akkordeon einen festen Platz in der Kunstmusik verschafft.
In der populären Wahrnehmung taucht das Akkordeon zum Beispiel häufig in der Filmmusik auf. Bei Yann Tiersen ist das Instrument etwa Teil der Originalinstrumentierung aus Die fabelhafte Welt der Amélie:
Darüber hinaus hat das Akkordeon längst den Weg in die klassische Konzertpraxis gefunden. Werke von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart oder Domenico Scarlatti erklingen heute regelmäßig in Bearbeitungen: Fugen, Inventionen, Sonaten und Konzerte profitieren vom Klang des Akkordeons und dessen klaren Stimmtrennung sowie seiner direkten Kontrolle über Artikulation und Dynamik:
Seine eigentliche Heimat in der Klassik hat das Instrument jedoch im 20. und 21. Jahrhundert gefunden. Komponistinnen und Komponisten wie Sofia Gubaidulina oder Luciano Berio haben das Akkordeon bewusst als eigenständiges Konzertinstrument eingesetzt und sein klangliches wie expressives Potenzial ausgelotet. Spätestens hier wird klar: Das Akkordeon ist in der klassischen Musik nicht Gast, sondern fester Bestandteil eines lebendigen Repertoires.
Dass das Akkordeon 2026 zum Instrument des Jahres gewählt wurde, ist deshalb mehr als ein symbolisches Zeichen. Die Auszeichnung rückt ein Instrument ins Licht, das sich zwischen Tradition und Gegenwart bewegt und dabei stilistische Grenzen mühelos überschreitet. Vom Volksinstrument über die Filmmusik bis hin zur zeitgenössischen Kunstmusik hat sich das Akkordeon einen festen Platz im Musikleben erarbeitet. Das Jahr 2026 lädt nun dazu ein, dieses Facettenreichtum neu zu entdecken – im Konzertsaal ebenso wie jenseits gewohnter Hörbilder.
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