Klassik im Rampenlicht - die Grammy Awards 2025

Klassik im Rampenlicht - die Grammy Awards 2025

Der Abend der Grammy Awards 2025 ist vorbei und es gab es einige Überraschungen: Neben all den Popstars und –sternchen, erhielten diesmal auch zahlreiche hochkarätige Musiker aus der Klassik die begehrte Trophäe. Zwischen Bach und Strawinsky brachten Künstler wie Víkingur Ólafsson, Gustavo Dudamel und Hans Zimmer die Bühne zum Beben. In einer Nacht voller Überraschungen und magischer Momente.

GrammyFoto: [B 7 YOU]/stock.adobe.com

Dieses Jahr standen die Grammy Awards ganz im Zeichen der Klassik. Während sich auf dem roten Teppich die üblichen Pop-Größen tummelten, sorgten im Konzertsaal Virtuosität, Leidenschaft und einige unerwartete Momente für Furore. Zwischen orchestralen Explosionen, intimen Klavierklängen und einem Moment, der Hans Zimmer sicher noch lange im Gedächtnis bleiben wird, bewiesen die Preisträger einmal mehr, dass klassische Musik alles andere als angestaubt ist.

Etwa Víkingur Ólafsson, der für seine Interpretation von Bachs "Goldberg-Variationen" mit dem Grammy für die beste Solo-Instrumentalaufnahme ausgezeichnet wurde. Der isländische Pianist ist längst nicht mehr nur ein Geheimtipp in der Szene, sondern wahre Naturgewalt, die klassische Musik in neuem Licht erstrahlen lässt. Seine Goldberg-Variationen sind eine hochpräzise musikalische Reise, die zwischen fast mathematischer Klarheit und tiefster Emotionalität oszilliert. Dass er dabei oft mit Glenn Gould verglichen wird, nimmt er gelassen: "Die Musik gehört Bach, nicht mir oder Glenn."

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Gustavo Dudamel, der charismatische Venezolaner mit der unbändigen Energie, durfte sich über den Grammy für die beste Orchesteraufnahme freuen – und das mit Strawinskys "Le Sacre du Printemps", einem Werk, das vor über 100 Jahren das Publikum mit seinen Disharmonien schockierte und bis heute ebenso irritiert wie auch elektrisiert. Dudamel, einst selbst ein Wunderkind des berühmten venezolanischen "El Sistema"-Programms, hat die revolutionäre Kraft dieses Werks mit dem Los Angeles Philharmonic zu neuer Höchstform geführt. "Musik ist mehr als Klang – sie ist Bewegung, Leben, Energie", betonte er einmal. Und genau das hörte man in jeder Note.

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Yannick Nézet-Séguin, bekannt für seine unerschöpfliche Begeisterung und Präzision, gewann seinen fünften Grammy – diesmal für die Musik zum Film "Maestro". Der kanadische Dirigent, der als Musikdirektor der Metropolitan Opera und des Philadelphia Orchestra weltweit anerkannt ist, war maßgeblich an der Umsetzung des Leonard-Bernstein-Biopics beteiligt. Fünf Jahre akribische Arbeit stecken in diesem Projekt, bei dem Schauspieler und Hollywood-Beau Bradley Cooper Regie geführt hat.


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Doch die vielleicht kurioseste Geschichte des Abends lieferte Hans Zimmer. Der deutsche Filmmusik-Großmeister nahm den Grammy für die beste Filmmusik zu "Dune: Part Two" entgegen – allerdings mit einer gewissen Ironie. Denn während die Grammy-Jury ihn feierte, wurde er von den Oscars kurzerhand disqualifiziert. Der Grund? Sein Score sei zu nah am ersten Teil der Reihe. Zimmer, der bereits zahlreiche Preise - darunter zwei Oscars und vier Grammys - im Regal stehen hat, nahm es sportlich und bedankte sich mit einem verschmitzten Lächeln für die Ehrung. "Ich schreibe Musik für Geschichten, nicht für Trophäen"

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Und so lieferten die Grammys 2025 den Beweis, dass auch in diesem Jahr die Klassik triumphiert und wichtiger ist denn je. Kein Zweifel: Die wahren Gewinner dieses Abends waren nicht nur die Künstler, sondern auch wir, das Publikum, das sich von der Kraft dieser Werke mitreißen lässt.

Holger Hermannsen / 03.02.2025

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