Komponieren für die Olympischen Spiele!

"Es ist eine Ehre, gefragt zu werden."Komponieren für die Olympischen Spiele!

Nicht nur Sportler träumen von Olympia - auch Komponisten tun das: denn für das Event komponieren zu dürfen ist ein ganz großer Traum.

Komponieren für die Olympischen Spiele!Foto: f11photo

Traum aller Komponist*innen

Endspurt für die Olympischen Spiele: bis Sonntag noch geht das sportliche Kräftemessen. Neben dem Sport gibt es aber noch eine andere wichtige Komponente, damit die Spiele gelingen: die Musik!

Deshalb ist es der Traum fast aller Komponistinnen und Komponisten einmal für Olympia komponieren zu dürfen. Für Elena Kats-Chernin hat sich dieser Traum erfüllt: sie hat bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney die Eröffnungszeremonie komponiert. 

Ein Abend unter Freunden mit ungewöhnlichem Ausgang

Den Auftrag bekam 1999 sie damals über eine befreundete Choreografin: Meryl Tankard. Sie fragte die Komponistin, ob sie Interesse habe, an einem ihrer Projekte mitzuarbeiten. Elena Kats-Chernin sagte zu, da verriet ihr Meryl Tankard unter größter Geheimhaltung, dass es sich dabei um eine Choreografie/Komposition für die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele handle. 

Übergroße Meereskreaturen tanzen

Dabei stand das Thema schon fest: es sollte um Australiens Küsten und ihre Schönheit gehen. Meryl Tankard hatte auch schon eine Zeremonie mit übergroßen Meereskreaturen choreografiert. Dabei waren rund 600 Menschen involviert. "Als wir darüber sprachen, war die Choreografie schon in Meryls Kopf und schon teils umgesetzt, mit Bühnenbildern etc. aber ich habe noch nichts gesehen. Denn die eigentlichen Proben waren erst kurz vorher angesetzt, denn bei so vielen Menschen muss man erst einmal einen Platz finden, wo sie proben können.

Die Eröffnungszeremonie in Sydney 2000

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Olympisches Komitee zu Haus

So entstand die Komposition mit Hilfe ihrer Vorstellungskraft, zeitlichen Angaben und Skizzen. Damals gab es noch nicht so gute Möglichkeiten, Kompositionen elektronisch festzuhalten und weiterzugeben. So schrieb Elena Kats-Chernin die Noten mit der Hand auf und präsentierte sie dem Olympischen Komitee immer wieder live auf dem Klavier. Dafür kamen einige Mitglieder zu ihr nach Hause.

Last Minute Änderungen

Immer wieder mussten Dinge geändert werden, sogar noch Last Minute: dabei musste die Komponistin noch eine Minute hinzukomponieren, weil eine Meerestier doch länger brauchte, um die ganze Arena einmal zu durchqueren.

Darin sieht Elena Kats-Chernin auch einen großen Unterschied zum Komponieren von Film- oder Orchestermusik: bei einer Live-Aufführung ist man bis zum Ende nicht ganz sicher, es kann jederzeit etwas unvorhergesehenes passieren. 

Die Komponistin in Aktion

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Unterschiede beim Komponieren

Ein anderer Aspekt sei die Dimension: bei Events wie Olympia müsse man wie "mit einem großen Pinsel malen": man müsse größer denken, man müsse alles verdoppeln. Es ginge mehr um Poesie, die Schönheit der Bilder und Information. Im Film hingegen gäbe es eine richtige Geschichte und man könne kleiner herangehen, z.B. bei Close-Ups, es sei intimer. 

Ein Gefühl, dass man nie vergisst

Für die Komposition hatte Elena Kats-Chernin nur rund sechs Monate Zeit. Neben dem Zeit- gab es aber auch einen großen künstlerischen Druck: "Das sehen sich Millionen von Menschen an, das weiß man. Ich glaube, ich hatte noch nie so ein großes Publikum bei einem Stück wie bei den Olympischen Spielen in Sydney", meint sie. 

Doch all das war vergessen, als sie dann bei der Eröffnungszeremonie live dabei war und ihre Musik hörte: 

Dieses Gefühl, Teil eines großen Ereignisses zu sein, vergisst man nie. Ich habe es nie vergessen.

Unvergesslicher Moment

"Ich war zusammen mit anderen Komponisten in der Loge. Das macht mehr Spaß, wenn man nicht alleine ist. Ich hatte meinen Sohn dabei, der damals ein Teenager war und es sehr genossen hat, weil es etwas sehr besonderes war. Es war auch sehr rührend. Es hat einen unheimlich stolz gemacht, dabei zu sein. Ich war unglaublich aufgeregt und glücklich und einfach außer mir. Ich wusste gar nicht, wie mir geschieht", erinnert sich Elena Kats-Chernin lachend. 

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Kunsteislauf, Schwimmen und Tennis

Sie selbst ist sei allerdings nicht so der Sportfan, gibt sie unumwunden zu: "Ich habe als Kind Kunsteislaufen gemacht, das ist das einzige, was ich gerne schaue: da ist ein bisschen Tanz und auch Ballett dabei. Ich schaue auch z.B. mit einem Auge zu, beim Editieren, wenn Schwimmen stattfindet, ein bisschen Tennis schau ich manchmal. Es gibt aber nicht diesen Sog, dass ich mir unbedingt etwas anschauen muss.

Große Ehre, gefragt zu werden

Trotzdem würde sie jederzeit wieder für Olympia komponieren: "Ich würde natürlich gerne noch einmal etwas komponieren, wenn man mich fragt. Das ist immer so eine richtige Ehre, gefragt zu werden. das ist natürlich ein großer Traum und da wir nun in elf Jahren die Olympischen Spiele in Brisbane haben, hoffe ich natürlich ,dass ich auch dann mitarbeiten darf. Aber es ist wirklich so: man muss gefragt werden, man kann sich nicht wirklich bewerben."

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