„Kosmos & Orchester“: Eine musikalische Reise zu den Planeten

„Kosmos & Orchester“: Eine musikalische Reise zu den Planeten

Wie klingen eigentlich die Planeten? Für die Show „Kosmos & Orchester“ haben die Komponisten Moritz Schneider und Robert Emery NASA-Aufnahmen in sinfonische Musik verwandelt. Entstanden ist eine außergewöhnliche Show, die mit großem Orchester, eindrucksvollen Lichteffekten und überraschenden Mitmachmomenten zu einer Reise durch unser Sonnensystem einlädt.

Kosmos Orchester (5)Foto: Kosmos Orchester

Gustav Holst widmete den Planeten unseres Sonnensystems eine ganze Orchestersuite, und auch Mozarts „Jupiter-Sinfonie“ trägt einen Planetennamen. Immer wieder lassen sich Komponisten von den Himmelskörpern und den Geheimnissen des Kosmos inspirieren. Doch was passiert, wenn man nicht nur Musik über die Planeten schreibt, sondern ihre eigenen Klänge dafür verwendet? Genau dieser Frage sind die Komponisten Moritz Schneider und Robert Emery nachgegangen. Für ihre immersive Show „Kosmos & Orchester“, mit der sie vom 10. bis 21. Oktober durch Deutschland, Österreich und die Schweiz touren, haben sie ein sinfonisches Werk komponiert, in dem sogar Originalaufnahmen der NASA zu hören sind. Das Ergebnis ist eine musikalische Reise durch unser Sonnensystem, bei der ein großes Orchester, eine aufwendige Lichtinszenierung und sogar die Stimmen des Publikums zusammenkommen.

Wenn die NASA den Grundton liefert

Die Idee, Planeten musikalisch darzustellen, ist nicht neu. Eine Möglichkeit besteht darin, ihre Umlaufzeiten in Frequenzen umzurechnen und daraus musikalische Grundtöne abzuleiten. „Das fand ich eine mega spannende Idee, aber das gibt es schon“, wie der Komponist Moritz Schneider im Interview mit Klassik Radio Redakteurin Valeska Baader erzählt. Gemeinsam mit Robert Emery suchte er deshalb nach einem anderen Ansatz und wurde auf der Website der NASA fündig. Denn, obwohl sich Schall im nahezu luftleeren Weltraum nicht wie auf der Erde ausbreiten kann, lassen sich bestimmte Messdaten von Raumsonden in hörbare Signale umwandeln. Die NASA hat solche Aufnahmen veröffentlicht, und genau diese nutzten die beiden Komponisten als Ausgangspunkt für ihre Musik.

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Dabei zeigte sich, dass die einzelnen Himmelskörper ganz unterschiedlich klingen. „Pluto klingt toll und auch Jupiter hat eine sehr schöne Grundfrequenz“, erzählt Schneider. Die Klänge der Erde überraschte die Komponisten allerdings. Statt eines ruhigen, gleichmäßigen Tons hörten sie eine unruhige Klangfläche. „Die Erde hat wohl ihre Ups and Downs“, meint Schneider lachend. Auch in der Musik greift er diese Gegensätze auf. Das Stück zur Erde entwickelt sich im Verlauf zu etwas Wunderschönem und soll den Blick, angesichts der vielen Kriege und negativen Nachrichten unserer Zeit, wieder auf das große Ganze lenken. „Das ist ja das Schöne am Reisen durch den Kosmos“, erklärt Schneider. „Wenn man raus zoomt und sich wegbewegt, dann erkennt man die ganze Schönheit wieder, die man vielleicht ein bisschen vergisst, wenn man zu sehr auf dem Detail klebt.“ 



Alles begann auf einem Hügel bei Zürich

Dass die Show ausgerechnet eine musikalische Reise durch den Kosmos werden würde, war zu Beginn noch nicht abzusehen. Die Geschichte von „Kosmos & Orchester“ begann vor rund fünf Jahren bei einer kleinen Veranstaltung auf einem Hügel bei Zürich. Dort führten Schneider und die Astrologin Silke Schäfer erstmals gemeinsam mit einem Live-Publikum eine musikalisch begleitete Meditation durch. Schon damals hatte das Ganze eher den Charakter eines Konzerts. Die Erfahrung brachte sie auf eine Idee: Was wäre, wenn man dieses Konzept mit einem vollständigen Symphonieorchester auf eine große Bühne bringen würde? 

Schneider, der seine Karriere in der Filmmusik begonnen hat, hatte ohnehin schon länger darüber nachgedacht, wie Meditationsmusik anders klingen könnte. Statt der ruhigen Klänge, die man häufig damit verbindet, schwebte ihm etwas vor, das große Bilder im Kopf entstehen lässt. „Ich dachte, wie könnte man das machen, dass es viel mehr Kinofilm ist und innere Filme quasi stimuliert?“, erzählt er. Das Ergebnis ist eine Musik, die Schneider selbst ganz klar der Filmmusik zuordnet. Wie in einem großen Kinofilm soll sie die Zuhörer mitnehmen, Spannung aufbauen und immer wieder für überraschende Momente sorgen. Wie das klingt, zeigt sich gleich zu Beginn der Show: Das Eröffnungsstück „Big Bang“ startet mit einem winzigen „Pling“, aus dem sich nach und nach ein gewaltiges Klangfeuerwerk des gesamten Symphonieorchesters entwickelt.

Doch nicht nur musikalisch soll das Publikum in eine andere Welt eintauchen. Auch die Lichtinszenierung spielt bei „Kosmos & Orchester“ eine entscheidende Rolle. Statt mit Projektionen von Sternen, Planeten und Galaxien zu arbeiten, setzen die Macher auf Farben, bewegliche Scheinwerfer und Lichtstrahlen, die durch feinen Dunst im Raum sichtbar werden. Abgestimmt auf die Musik sollen sie den Konzertsaal immer wieder in eine neue Atmosphäre tauchen und die Reise durch den Kosmos auch visuell erlebbar machen.

Kosmos Orchester
Foto: Kosmos Orchester

Eine Reise, bei der das Publikum mitmachen darf

Begleitet wird die musikalische Reise durch den Kosmos von der Astrologin Silke Schäfer, die gemeinsam mit Schneider die Idee zur Show entwickelt hat. Sie führt als Gastgeberin durch den Abend und verbindet ihre gesprochenen Worte an einigen Stellen mit der Orchestermusik. Dazu gehören auch kurze meditative Passagen, in denen es vor allem um positive, verbindende Gedanken geht. Gerade der Wechsel zwischen den großen Orchesterklängen und den stillen Momenten fasziniert Schneider: „Man kann zum einen ein riesiges Feuerwerk mit Symphonie-Musik erzeugen, aber dann wiederum plötzlich ganz still werden.“

Vorkenntnisse in Astrologie braucht niemand für den Showabend. „Es ist kein Astrologievortrag“, betont Schneider. Auch klassische Musikkenntnisse sind nicht nötig, im Gegenteil: Jeder darf sogar selbst mitmachen! An bestimmten Stellen wird das Publikum in Gruppen eingeteilt, die jeweils einen Ton singen. Zusammen mit dem Symphonieorchester entsteht so eine „Klaviatur aus Publikum“, wie Schneider es beschreibt. „Publikum und Orchester sollen ein Klangkörper werden.“ Wer lieber nur zuhört, kann das aber genauso tun. „Man kann, man muss aber überhaupt nichts“, stellt der Komponist klar.

Spannung vor dem ersten Ton

Wie sich dieses Zusammenspiel zwischen Publikum und Orchester anfühlen wird, können die Besucher vom 10. bis 21. Oktober bei der Tournee selbst erleben. Für Schneider gehört dabei ausgerechnet der Moment vor dem ersten Ton zu den schönsten Augenblicken des Abends: „Was ich ganz toll finde, ist der Moment, bevor das erste Licht angeht. Wenn alle schon ready sind und das Publikum wartet, weil in dem Moment sind beide Seiten einfach mal gespannt, was passiert. Wir auf das Publikum und das Publikum auf uns.“ Und genau darum geht es bei „Kosmos & Orchester“: nicht um einen Astrologievortrag oder ein klassisches Konzert im herkömmlichen Sinne, sondern um ein gemeinsames musikalisches Erlebnis, bei dem die Grenzen zwischen Bühne und Zuschauerraum immer wieder verschwimmen.

Valeska Baader / 09.10.2026

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