Musik für Agenten: Wie Lalo Schifrin Kino hörbar machte

Musik für Agenten: Wie Lalo Schifrin Kino hörbar machte

Wer das Mission-Impossible-Thema einmal gehört hat, trägt es für immer im Kopf. Es ist ein komponierter Nervenkitzel: sofort erkennbar, sofort spannend, für immer ikonisch. Lalo Schifrin, der Komponist dieses legendären Stücks, ist am 26. Juni im Alter von 93 Jahren gestorben. Mit ihm verliert die Filmmusik einen, der nie an Stilgrenzen glaubte – und sie klanglich konsequent überwunden hat.

Lalo SchifrinFoto: Alexandra Spürk (Alexi) (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lalo_schifrin.jpg), „Lalo schifrin“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/legalcode

Geboren 1932 in Buenos Aires, wurde Schifrin früh mit zwei Welten konfrontiert: Sein Vater spielte Geige in der Philharmonie, sein Herz schlug für den Jazz. Später arbeitete er mit dem amerikanischen Jazzmusiker und Komponisten Dizzy Gillespie zusammen, bevor er sich an die vielleicht größte Herausforderung wagte: Hollywood.

Er schrieb Musik, die keine Kulisse war, sondern Haltung. Für Agenten mit kühlem Blick, Polizisten im moralischen Zwielicht oder Kung-Fu-Legenden auf Rachefeldzug. Ob „Dirty Harry“, „Bullitt“ oder „Der Mann mit der Todeskralle“ – Schifrin schuf Soundtracks, die nicht nur Szenen begleiteten, sondern Räume schufen. Räume, in denen Jazz, klassische Orchestrierung und Rhythmus zu Mitspielern wurden.

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Das „Mission Impossible“-Thema wurde zur Hymne für das scheinbar Unmögliche. Und zur Ohrwurm-Garantie für Generationen. Dass Schifrin dafür nie den regulären Oscar erhielt, sondern „erst“ 2018 den Ehrenoscar für sein Lebenswerk, gehört zur Ironie seiner Karriere – eine, über die er vermutlich selbst gelacht hat.

Seine Musik war nie bequem, nie kalkuliert – sondern neugierig, durchdacht und überraschend verspielt. Ein Spionagesignal, ein Straßenpuls, ein orchestrierter Ausnahmezustand. Und immer: zutiefst persönlich.

Danke, Maestro – für eine Musik, die nie verklingt.

Mehr große Klangmomente aus Hollywood gibt’s rund um die Uhr auf unserem Sender „Filmmusik Klassiker“ bei Klassik Radio Plus:


  • Lalo Schifrin, 1932 in Buenos Aires geboren, wuchs zwischen klassischer Musik seines Vaters und seiner eigenen Leidenschaft für Jazz auf.
  • Nach der Zusammenarbeit mit Jazz-Legende Dizzy Gillespie wagte Schifrin den Schritt nach Hollywood und stellte sich dort neuen musikalischen Herausforderungen.
  • Schifrin komponierte Soundtracks, die weit mehr als bloße Untermalung waren: Sie schufen eigene Räume, in denen Jazz, Klassik und Rhythmus verschmolzen.
  • Das berühmte „Mission Impossible“-Thema wurde generationsübergreifend zur Hymne für das Unmögliche; den Oscar erhielt Schifrin jedoch erst spät für sein Lebenswerk.
  • Seine Musik war stets neugierig, überraschend und persönlich – nie bequem oder berechnend, sondern ein kreativer Ausnahmezustand, der bis heute nachhallt.
Valeska Baader / 26.06.2025

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