Musik für alle Menschen zugänglich machen

Sing & Sign Musik für alle Menschen zugänglich machen

Musik für alle. Das Leipziger Projekt „Sing & Sign“ möchte auch Hörgeschädigten das Konzerterlebnis näherbringen.

Musik für alle Menschen zugänglich machenFoto: Photo by Isaac Ibbott on Unsplash

Die Emotionen der Musik

Musik ist vor allem eines: Emotionen. Gerade diese Emotionen sind das, was uns bei Konzerten oft am meisten berührt. Genau das will die Gruppe "Sing & Sign" auch Hörgeschädigten näherbringen - das Fühlen und Erleben der Musik. 

Ich habe schnell bemerkt, dass es ein Mitmachen für Menschen mit Hörschädigung in der Musik nicht gibt, schon gar nicht in der klassischen Musik.
Susanne Haupt von "Sing & Sign"

Kindheitserlebnis führt zur Idee

Bereits als Kind kam Susanne Haupt die Idee für „Sing & Sign“: „Ich war damals mit einer Gruppe gehörgeschädigter Kinder im Urlaub. Da war ein großes Fest und ich dachte mir, schade die können ja jetzt gar nicht mittanzen. Doch dann beobachtete ich, wie sie die Hände an die Lautsprecher gehalten haben und die Musik fühlten.“ Für die Sängerin war es schon früh ein Anliegen, Musik für alle Menschen zugänglich zu machen.

"Sing & Sign" gibt es auch Online:

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Das Ensemble

Nach der Geburt ihres dritten Kindes entdeckte Susanne Haupt die Zeichensprache für sich und versuchte dies schließlich mit Musik zu verbinden. Die Idee „Sing & Sign“ war geboren.

Das Ensemble setzt sich aus mehreren Gruppen zusammen, erklärt Stefan Kahle. Er ist Teil des Leitungsteams von "Sing & Sign": „Da ist der Chor, der aus zwei Gruppen besteht. Zum einen aus den Hörgeschädigten Musiker*innen, die den gesungenen Text in deutsche Gebärdensprache (DGS) interpretieren. Zum anderen sind da die hörenden Sänger*innen, die simultan zum Singen den Text in lautsprachbegleitende Gebärden DGS-nah interpretieren.  Und dann noch das begleitende Orchester, sowie die letzte Gruppe: das Solist*innen-Ensemble.“

Es bietet nochmal mehr Spielraum emotional und interpretatorisch neue Wege zu gehen.
Stefan Kahle von "Sing & Sign"

Die Gestik in der Musik

Das Verbindende soll bei "Sing & Sign" im Fokus liegen. Während das hörende Publikum Einblicke in die Gebärdensprache bekommt, kann das hörgeschädigte Publikum an der Musik teilhaben. Die Sänger zeigen in Gebärdensprache während des Konzerts simultan den gesungenen Text. Außerdem wird die sogenannte lautsprachbegleitende Gebärden verwendet, da die deutsche Gebärdensprache nochmal eine eigene und andere Grammatik hat. Hierdurch können auf der einen Seite die Emotionen besser weitergegeben werden. Es wird dadurch aber zum Beispiel auch die Fugenstruktur des Chores sichtbar gemacht. Die Emotionen und das Gefühl der Musik werden aber auch durch die herkömmlichen Ausdrücke der Sänger gezeigt. „Schnell bemerkt man, das vor allem singen auch immer etwas mit Bewegung zu tun hat“, berichtet Kahle, „Die Gestik spielt in der Musik immer eine Rolle.“

Ein weiteres Hörbeispiel: Die Johannes-Passion

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Neue Herausforderungen

Bisher konzentriert sich die Gruppe hauptsächlich auf das Schaffen von Johann Sebastian Bach, was vor allem auf ihre Herkunftsstadt Leipzig zurückzuführen ist. Die Resonanz gibt dem Projekt recht. Die Begeisterung des Publikums ist groß und vor allem die Online-Videos kommen sehr gut an. Auch in Zukunft wird es noch einige Konzerte und Aktionen von „Sing & Sign“ geben. Die größte Herausforderung ist nun ein rein instrumentales Konzert für Hörgeschädigte zu inszenieren.

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