Oper für alle und überall direkt aus dem Truck

Operntruck Oper für alle und überall direkt aus dem Truck

Ein umgebauter LKW als fahrende Opernbühne. Der Operntruck kommt auf Marktplätze, Kirchhöfe und Sportanlagen.

Oper für alle und überall direkt aus dem TruckFoto: Isabel Machado Rio

Der rote Drachen

Musik live vom LKW. Klingt erst mal etwas ungewöhnlich, ist aber möglich. Das Projekt Operntruck des Ensemble Filum aus Hannover bringt eine professionelle Musiktheaterproduktion von Pergolesis La Serva Padrona in jeden Winkel von Deutschland. „Der Operntruck ist ein fahrendes Opernhaus. Ein roter LKW, von uns wird er nur der rote Drache genannt, auf dem wir Theater spielen“, erzählt Roman Tsotsalas, Sänger und künstlerischer Leiter Ensemble Filum im Gespräch mit Klassik Radio. Beim roten Drachen ist alles, was man für eine Opernaufführung braucht, mit dabei: „Wir klappen die Seite des Trucks auf und spielen aus dem Truck heraus. Im Truck selbst sind die Instrumente untergebracht. Teil der Szene spielt auch im LKW. Wir haben auch einen Steg, der die Szene Richtung Publikum öffnet und nach fünf Metern sitzen schon die Leute oder stehen oder sitzen auf einer Picknickdecke.“

Bei einer Vorstellung des Operntrucks
Foto: Isabel Machado Rios

Ganz nah am Publikum

Neben dem besonderen Erlebnis, eine Oper so legere unter freiem Himmel aufzuführen, ist für den Sänger auch der direkte Kontakt zum Publikum eine neue, besonders schöne Erfahrung: „Es ist die Nähe zum Publikum, man bekommt die Reaktionen ganz direkt mit. Das ist wahnsinnig inspirierend und macht großen Spaß, auch wenn man den Schutz der Opernbühne nicht hat. Man muss sofort und direkt da sein, um die Leute zu packen.“ Das Publikum ist wild durchmischt und jeder darf dazu kommen, auch die zufällig vorbeikommenden Spaziergängerinnen und Spaziergänger. Im Voraus können die Besucherinnen und Besucher innerhalb des Kontingents von ca. 40 Sitzplätzen Tickets reservieren oder spontan vorbei schauen und es sich auf Picknickdecken bequem machen. „Es ist absolut gemischt von den Babys auf den Armen der Eltern über die Senioren, die frühzeitig kommen, um noch einen Sitzplatz zu ergattern bis hin zu Leuten, die mit einem Eis vorbei kommen und mal stehen bleiben“, erklärt die Regisseurin Claudia Isabel Martin. Feste Ticketpreise gibt es beim Operntruck nicht, das Motto ist „Zahl, was Du kannst!“

Bei der letzten Aufführung waren zum Beispiel sehr viele Kinder anwesend. Die haben das Stück auf eine ganz eigene Art aufgenommen, haben fast schon mitgespielt. Erwachsene haben eher eine Scheu, in Kontakt zu treten, das haben Kinder nicht. Das war zwar nicht beabsichtig, aber als es passiert ist, war es ein sehr schöner Moment.
Roman Tsotsalas

Einfach ausprobieren

Deutschlandweit hält der Operntruck auf den verschiedensten Plätzen und Stationen. „Das Besondere ist, wir können auf jedem Marktplatz halten, sodass Leute, die zufällig mit der Barockoper in Kontakt kommen, spontan entscheiden können zu bleiben, zuzuhören und einen Eindruck mitzunehmen“, erzählt die Regisseurin. Das Ziel des Operntrucks ist es, klassische Musik im öffentlichen Raum hör- und sichtbar zu machen und jedem eine „zufällige“ Begegnung damit zu ermöglichen. Das kommt beim Publikum sehr gut an, bestärkt Claudia Isabel Martin: „Es sind sehr viele direkte Kommentare: Toll, dass ihr zu uns gekommen seid. Wie toll, dass man das mal erleben kann. Ich würde nie in die Oper gehen, aber das ist was Spannendes. Ein anderer Punkt ist auch die Wahlmöglichkeit. Ich bleibe so lange wie ich Lust habe und kann mich jeden Moment frei entscheiden.“

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