Rachel Portman über neues Album und Frauenpower

Exklusiv bei Klassik Radio:Rachel Portman über neues Album und Frauenpower

Warum ihre Filmmusik zu "Gottes Werk & Teufels Beitrag" für ihre ganze Familie wichtig ist und was sie jungen Filmkomponistinnen rät.

Rachel Portman über neues Album und FrauenpowerFoto: Gregor Hohenberg/ Sony Music

Die Stimme der Frauen muss gehört werden

Sie ist eine Vorreiterin der Frauen in der Filmmusik: Rachel Portman: 1996 gewann sie als erste Frau allein - und nicht im Team -  einen Oscar, 2015 als erste Frau den Primetime Emmy Award, um nur mal einige ihrer zahlreichen Nominierungen zu nennen. Doch damit gehört sie zu einer eher seltenen Spezies: denn immer noch überwiegen in ihrem Handwerk Männer. Wir haben sie gefragt, was sich ihrer Meinung nach tun müsste, um das zu ändern: "Ich denke es gibt viele Frauen, die gute Filmkomponistinnen sind, die aber kaum eine Chance bekommen, für die großen Filme engagiert zu werden. (....)Sie komponieren stattdessen z.B. für Dokumentationen. Ich denke, darüber muss man reden und Frauen müssen andere Frauen sehen, die erfolgreich im Filmbusiness sind. Die Stimme der Frauen in der Filmmusik muss gehört werden. Es beginnt, sich etwas zu tun und es ist schon viel besser als früher, aber es dauert einfach so lange."

Lasst euch nicht entmutigen. Ich denke, viele Frauen denken, sie müssten besonders hart arbeiten und beweisen, dass sie genauso gut wie Männer sind. Mein Rat ist: das müsst ihr nicht tun.
Rachel Portman, Filmkomponistin

Nicht zuviel nach links und rechts sehen

Sie selbst stand allein auf weiter Flur, als sie ihre Karriere als Filmkomponistin begann: "Ich hab mich gefühlt, als sei ich die einzige Filmkomponistin überhaupt. Doch ich habe einfach nicht darauf geachtet, dass ich eine Frau war und sehr jung war, sondern habe mich nur auf meine Karriere konzentriert. Ich glaube, es hat mir geholfen, dass ich nur in eine Richtung gedacht habe." Genau das rät sie jungen Frauen, die in ihre Fußstapfen treten wollen: "Lasst euch nicht entmutigen. Ich denke, viele Frauen denken, sie müssten besonders hart arbeiten und beweisen, dass sie genauso gut wie Männer sind. Mein Rat ist: das müsst ihr nicht tun. Konzentriert Euch einfach auf den Fakt, dass ihr Komponistinnen seid. Ihr müsst entschlossen sein und Vertrauen haben und es einfach tun."

Back to the roots mit "Beyond the Screen"

Sie selbst hat in rund 40 Jahren um die 100 Scores geschrieben. In ihrem neuen Album "Beyond the Screen" hat sie nun die schönsten Filmmelodien daraus neu am Klavier aufgenommen. Schließlich hat sie selbst eine besondere Liebe zum Piano und komponiert immer, während sie am Klavier sitzt:"Das Besondere (an dem Album) für mich ist, dass es die Musik wieder zurück zu ihren Wurzeln bringt. Ich bekomme die Chance, meine Stücke selbst zu interpretieren, das ist wundervoll. Jahrelang war ich im Hintergrund und habe ich andere darum gebeten, das Klavier für mich zu spielen. Deshalb ist es wirklich schön, es jetzt selbst zu tun", erklärt sie begeistert.

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Eingängige Melodien und unbekanntere Perlen

Einfach war es nicht, sich für nur 20 Titel zu entscheiden, verrät sie. Doch es gab bestimmte Kriterien, die Stücke erfüllen mussten, um auf dem Album zu landen. Das Wichtigste: eine eingängige Melodie. Außerdem hat sie vier Lieblingstitel mit aufgenommen, die aus eher unbekannteren Soundtracks stammen: "Wissen Sie, manchmal schreibt man Musik für einen Film, der dann sehr erfolgreich wird, wie z.B. "Chocolat" und die Menschen kennen ihn und dann gibt es Fälle, da schreibt man Musik für einen Film, der dann weniger beachtet wird. Ich möchte diese Musik wieder ins Gedächtnis rufen und bekannter machen".

"Letterbox"- ein persönlicher Lieblingstitel

Und so ist das Album "Beyond the Screen" zum einen eine musikalische Reise durch ihre bisherige Karriere und hat noch vier Lieblingstitel der Filmkomponistin aus unbekannteren Filmen. Einer davon "Letterbox" aus "Der Seidenfächer": Der Seidenfächer ist ein Film, der sich über mehrere Generationen erstreckt und die Musik verwebt die Geschichten miteinander. Ich möchte mir nicht anmaßen, Elemente der chinesischen Musik zu übernehmen oder zu nutzen, doch sie spricht mich unglaublich an. In „Letterbox“ hat die Musik am Ende einen Hauch fernöstliches Flair. Auch wenn es sehr westlich ist, hat es seine Wurzeln ein bisschen in China", erläutert Rachel Portman.

Die Musik hat einen besonderen Stellenwert für mich und meine Familie. Meine Mutter liebte sie und als sie starb, haben wir sie bei der Beerdigung gespielt.
Rachel Portman über "The Ciderhouse Rules"

"Gottes Werk und Teufels Beitrag" gehört zur Familie

Ein weiteres Stück, zu dem Rachel Portman einen ganz besonderen Bezug hat, ist "The Cider House Rules" aus "Gottes Werk und Teufels Beitrag": "Es ist ein wunderschöner Film, es hat mich so berührt, dafür Musik zu schreiben, er ist bitter-süß. Die Musik hat einen besonderen Stellenwert für mich und meine Familie. Meine Mutter liebte sie und als sie starb, haben wir sie bei der Beerdigung gespielt. Meine ganze Familie – und es ist eine große Familie - meinte, sie müsse gespielt werden."

Raphaela hat diese tiefe Musikalität und spielt mit so einer Intelligenz und Schönheit – sie spielt von Herzen und das höre ich.
Rachel Portman über Cellistin Raphaela Gromes

Rachel & Raphaela

Bei einigen Titeln wird die Filmkomponistin mit dem Cello begleitet - von Raphaela Gromes. Rachel Portman ist von der jungen Musikerin begeistert: "Ich liebe die Wärme ihrer Töne, die sie dem Cello entlockt. Als sie für das Album gespielt hat, war ich unglaublich begeistert, weil sie wirklich jedes einzelne Stück verstanden hat und die Stücke sind so unterschiedlich. Sie hat diese tiefe Musikalität und spielt mit so einer Intelligenz und Schönheit – sie spielt von Herzen und das höre ich."

Viel Herzblut ist in jedem Fall auch von Rachel Portman in das Album "Beyond the Screen" geflossen. Das hört man allen 20 Titeln auch an.

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