"Singen macht glücklich. Falsch singen auch."

Rostock singt: "Singen macht glücklich. Falsch singen auch."

Dieses Motto gilt für “Rostock singt” - kurz Rosi. Jeden Dienstag versammeln sich dort bis zu 200 Menschen, um gemeinsam zu singen.

"Singen macht glücklich. Falsch singen auch."Foto: André Pristaff, Rostock

Peu à peu zum neuen Song

Auf dem Programm: bis zu sechs neue Lieder pro Abend. Mit-Initiator Gregor Siegmund erklärt, wie man sich den Ablauf vorstellen kann: "Wir stellen zuerst den Refrain vor, dann üben wir den, danach die ganze Strophe. Damit jeder die Möglichkeit hat, auch wenn er den Song nicht kennt, so viel wie möglich mitzusingen. Denjenigen, die den Song schon kennen, aber natürlich auch anderen, wird eine zweite Stimme angeboten. Wenn das dann so geschafft ist, dann wird der Song durchgesungen und wir nehmen uns den nächsten vor." Am Ende wird dann abgestimmt, welcher der gesungenen Songs noch einmal gesungen werden soll.

Es soll so sein, dass jeder die Möglichkeit hat, einfach zu kommen und nicht auf eine versammelte Mannschaft trifft, die dort die Lieder schon alle kennt, wie z.B. im Chor, wenn man einsteigt.
Gregor Siegmund, Mitinitiator von "Rostock singt"

Neuer Abend - neue Lieder

Der beliebteste Song des Abends wird dann "mitgenommen" zur nächsten Runde "Rosi". Ansonsten gibt es aber jedesmal andere Lieder - aus einem ganz bestimmten Grund: "Es soll so sein, dass jeder die Möglichkeit hat, einfach zu kommen und nicht auf eine versammelte Mannschaft trifft, die dort die Lieder schon alle kennt, wie z.B. im Chor, wenn man einsteigt. So schön klassische Chöre auch sind, da kommt man ja oft in eine Gemeinschaft rein, die einerseits schon sozial eine Gemeinschaft ist und dann auch schon viele der Stücke kann. So soll es hier nicht sein, jeder soll die Lieder mitsingen können", unterstreicht Gregor Siegmund. 

Großer Zulauf von Anfang an

Das Konzept kommt gut an und zwar schon vom ersten Abend an. Der fand, wie auch die jetzigen Treffen, im Theater des Friedens statt. Damals ein ganz neu eröffnetes Haus. "Die hatten sehr unterschiedliche Erfahrungen und wollten uns so 30 Stühle hinstellen und wir fragten nach etwas mehr. Doch sie trösteten uns schon ein bisschen, damit wir nicht so enttäuscht wären, wenn wenige Leute kämen. Doch dann strömte es und strömte es und am Ende waren wir um die 100 Leute. Das war natürlich ein tolles Gefühl", schwärmt der Mitinitiator.

Auch während der Pandemie fand "Rosi" eine Möglichkeit, stattzufinden

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Bunt gemischtes Publikum

Die Idee zu "Rosi" kam vor fünf Jahren von einer Freundin, die ganz begeistert von "Hamburg singt" zurückkam und fragte, ob so etwas nicht auch in Rostock realisierbar wäre. Seitdem kommen jeden Dienstag ganz unterschiedliche Menschen zusammen und bilden einen spontanen Chor. Einige davon sind "Wiederholungstäter" und kommen fast jedes Mal. Am meisten vertreten sind Frauen um die 40 Jahre, doch ansonsten ist es bunt gemischt: ältere und jüngere Menschen, teils auch Kinder sind dabei. Außerdem merke man immer, wenn das Uni-Semester wieder beginne, so Gregor Siegmund. Dann gäbe es auch wieder einige Studierende unter den Sängerinnen und Sängern.

Berührende Momente

Dabei ensteht ein großer Gemeinschaftssinn und es gibt immer wieder bewegende Augenblicke, so Gregor Siegmund: "Ein sehr emotionaler Moment war, als wir eine Sängerin verabschiedet haben, weil sie weggezogen ist oder auch als unser Bassist umgezogen ist, wie die Menschen reagiert haben. Ganz lang anhaltender Applaus und auch in der Wunschbox, in der Zettel mit Liedwünschen eingeworfen werden können, gab es Nachrichten mit 'Mike fehlt' usw."

Wir kriegen (...) sehr berührende Reaktionen und auch Schilderungen, warum die Menschen so gerne kommen und wiederkehren. Das gibt auch sehr viel Kraft und Energie.
Gregor Siegmund, Mitinitiator von "Rostock singt"

Überwältigendes Feedback

Natürlich gäbe es manchmal Kritik, wie z.B. dass mehr Lieder mit deutschsprachigen Texten gesungen werden sollten, andere Genres oder mehr Songs an einem Abend, berichtet Gregor Siegmund. Doch es überwiegt das positive Feedback: "Wir kriegen per Email, in den Feedbackzetteln oder auch vor Ort sehr berührende Reaktionen und auch Schilderungen, warum die Menschen so gerne kommen und wiederkehren. Das gibt auch sehr viel Kraft und Energie, das Projekt immer weiterzuführen, auch mit allen Hindernissen, die es gerade in den letzten Jahren immer wieder gab", so Gregor Siegmund. Ein Einsatz, der sich lohnt und viele Menschen glücklich macht. Denn wie schon das Motto von "Rosi" aussagt: "Singen macht glücklich. Falsch singen auch."

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