Noch bevor Babys sprechen, laufen oder bewusst zuhören können, reagiert ihr Gehirn bereits auf Musik. Eine neue Studie zeigt: Neugeborene erkennen rhythmische Muster schon in den ersten Lebenstagen – Melodien dagegen spielen für sie noch kaum eine Rolle. Was das mit Bach, Sprache und unserer musikalischen Entwicklung zu tun hat, lesen Sie bei uns.

Musik begleitet den Menschen von Beginn an – und offenbar beginnt unser Gehirn sehr früh, sie aktiv zu verarbeiten. Eine neue Studie, veröffentlicht in PLOS Biology, zeigt nun: Schon Neugeborene reagieren auf musikalische Strukturen. Genauer gesagt erkennen sie rhythmische Muster – und das bereits in den ersten Lebenstagen.
Ein internationales Forschungsteam untersuchte 49 Babys, die erst wenige Tage alt waren. Während die Neugeborenen schliefen, hörten sie klassische, einstimmige Klaviermusik, vor allem Werke von Johann Sebastian Bach. Dabei wurde ihre Gehirnaktivität mittels EEG gemessen. Zusätzlich spielten die Forschenden Vergleichsstücke vor, bei denen der zeitliche Aufbau der Musik gezielt verändert worden war.
Das Ergebnis ist bemerkenswert: Die Gehirne der Babys zeigten klare Reaktionen auf regelmäßige rhythmische Strukturen. Sobald diese Ordnung fehlte, blieb eine Resonanz aus. Das deutet darauf hin, dass Neugeborene bereits Erwartungen an den zeitlichen Verlauf von Musik bilden können.
Schon die Kleinsten reagieren auf Musik – auf ihren Rhythmus, ihre Ordnung, ihre Verlässlichkeit. Genau hier setzt "Klassik für Kinder" an: mit sorgfältig ausgewählter klassischer Musik, die ruhig begleitet, neugierig macht und schon früh eine vertraute musikalische Umgebung schafft. Musik, die nicht erklärt werden muss, sondern einfach da ist – von Anfang an.
Für die Forschung ist das ein starkes Signal. Rhythmus scheint keine erlernte Fähigkeit zu sein, sondern von Anfang an im menschlichen Gehirn angelegt. Diese frühe Sensibilität könnte eine wichtige Rolle für Orientierung, Aufmerksamkeit und später auch für Sprache spielen.
Erst im weiteren Verlauf der Entwicklung gewinnt ein anderer Aspekt an Bedeutung: die Melodie. Während rhythmische Muster bereits bei der Geburt verarbeitet werden, scheint die Wahrnehmung von Tonhöhen und melodischen Verläufen stärker von Erfahrung geprägt zu sein – etwa durch Sprache, Gesang und wiederholtes Musikhören.
Dass ausgerechnet Bach in dieser Studie verwendet wurde, ist dabei kein Zufall. Seine Musik ist klar strukturiert, geprägt von Ordnung, Wiederholung und Erwartung. Eigenschaften also, auf die das menschliche Gehirn offenbar besonders früh reagiert.
Die Forscher vermuten, dass diese angeborene rhythmische Sensibilität ein grundlegender Baustein unserer musikalischen und sprachlichen Entwicklung ist. Geplant sind nun Langzeitstudien, die zeigen sollen, wann und wie sich das Verständnis für Melodien im Laufe des ersten Lebensjahres weiter entfaltet.
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